Pro gefahrenem Kilometer bläst ein VW Touareg W12 ganze 382 Gramm Kohlendioxid in die Atmosphäre. Ein Ferrari schafft problemlos noch 100 Gramm mehr. Geht es nach Umweltminister Sigmar Gabriel (SPD), muss für so ein Auto bald nicht nur der Käufer viel Geld zahlen, sondern auch der Hersteller. „Strafzahlungen“ plant Gabriel, sollte die deutsche Autoindustrie es nicht schaffen, ab 2012 den Kohlendioxidausstoß ihrer Flotten auf die von der EU vorgegebenen Grenzwerte zu senken.

Für die Grünen ist die Ankündigung ein längst überfälliger Akt. Gabriels Pläne seien keine „klimapolitische Heldentat, sondern eine Selbstverständlichkeit“, sagte der Fraktionsvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen im Bundestag, Fritz Kuhn. Es sei „dringend erforderlich“, den Kohlendioxid-Ausstoß oberhalb der Grenzwerte deutlich höher zu besteuern, forderte Kuhn. „Sprit- und Dreckschleudern müssen in der Besteuerung überproportional teurer werden als schadstoffarme, sparsame Autos.“

Die Regierungschefs der Europäischen Union hatten im Frühjahr vereinbart, dass neue Autos ab 2012 nur noch maximal 120 Gramm Kohlendioxid je Kilometer produzieren dürfen. In Deutschland sind es derzeit durchschnittlich noch 164 Gramm. Die Senkung, so die Vorstellung, soll durch bessere Motoren, geringeren Benzinverbrauch, einen höheren Biospritanteil und ähnliche Maßnahmen möglich werden.

Die Industrie hält weder den Termin noch den Grenzwert für machbar. 65.000 Arbeitsplätze werde das kosten, drohten die Chefs der großen Hersteller. Audi-Chef Rupert Stadler beispielsweise hatte kürzlich gesagt, ein Flottenwert von 120 Gramm bis 2012 sei nicht zu erreichen. Derzeit liege die Audi-Flotte im Schnitt bei 179 Gramm pro Kilometer.

Davon will Gabriel sich nicht beeindrucken lassen. Sanktionen seien nötig, sagte er: „Sonst nützen die ganzen Grenzwerte nichts.“ Entsprechende Pläne stehen auch im jüngsten Jahresbericht des Umweltbundesamtes (UBA). Zur Berechnung der Strafsteuer will das UBA die Grundfläche der Autos heranziehen, nicht deren Hubraum oder Leistung. „Die Hersteller könnten mit gezielten Veränderungen dieser Größen den Grenzwert ohne eine echte CO2-Minderung relativ einfach erreichen“, heißt es im Jahresbericht. Die Grundfläche aber sei nicht manipulierbar und damit eine „stabile Basis für die CO2-Begrenzung“.

„Für wenige verbrauchsintensive Pkw-Typen, die den ihrer jeweiligen Grundfläche geltenden Grenzwert ab dem Jahr 2012 nicht erreichen sollten“, könnte es dazu für eine Übergangszeit eine Zusatzabgabe neben der Kraftfahrzeugsteuer geben, heißt es im Bericht.