Gibt es das, eine vierköpfige Clique junger Erwachsener, die aus scheinbar nichtigem Anlass gemeinsam einen grausamen Mord plant und ausführt? Die anschließend ihr Opfer zerschneidet und beseitigt, wie man das aus schaurigen Mafiafilmen kennt?

Mehrere Fakten einer Bluttat, die sich am 21. August irgendwann nach 21 Uhr nahe Rommelshausen im Rems-Murr-Kreis abgespielt hat, legen das nahe. Auf einem Feldweg nahe des schwäbischen Ortes, unweit seines Elternhauses, ist der 19-jährige Ivan S. getötet worden. Auf welche Weise, darüber schweigt die Stuttgarter Sonderkommission „Zement“ noch. Man wolle die Obduktion am Samstag abwarten, sagt eine Polizeisprecherin. Gerüchteweise heißt es, der als unauffällig geltende Schüler des Stuttgarter Wagenburggymnasiums, der in seiner Freizeit Handball in einem Verein in Stetten spielte und auch eine Mädchenmannschaft trainierte, sei an vielen brutalen Schlägen gestorben.

Die Leiche, so viel ist inzwischen gesichert, wurde kurz nach der Bluttat in eine Lagerhalle nahe Stuttgart geschafft, wo ihr Kopf und Gliedmaßen abgetrennt wurden. Die Leichenteile wurden dann mit einem Auto in eine Untergeschosswohnung eines Mehrfamilienhauses im Stuttgarter Stadtbezirk Gablenberg transportiert. Dort wurde der Torso in eine Mülltonne einbetoniert, alle anderen Leichenteile kamen in Pflanzenkübel, die ebenfalls mit Zement gefüllt wurden. Die Wohnungsmieterin behauptet, sie sei zur Tatzeit nicht in der Stadt gewesen, habe die Räume Freunden überlassen. Die Polizei überprüft das noch.

Am vergangenen Montag haben Gablenberger Anwohner die Polizei alarmiert, weil starker Verwesungsgeruch durch ihr Treppenhaus zog. Beamte fanden bei der Durchsuchung zunächst keinen Toten, doch menschliche Blutspuren und Trümmer eines zerstörten Zementblocks, die aus einer aufgeschnittenen Mülltonne gehauen worden waren. Am Donnerstag ist endlich auch die Leiche selbst gefunden worden. Polizeitaucher bargen die Pflanzenkübel mit ihrem makabren Inhalt im Neckar bei Plochingen. Den Torso – er war erst einzementiert und dann wieder freigelegt worden – lag offen auf einem Feldstück bei Großbottwar.

Den grausigen Funden gingen Festnahmen am Dienstag und Mittwoch voraus. Erst war ein wegen Gewaltdelikten polizeibekannter 18-Jähriger aus Weilimdorf verhaftet worden, der zurzeit als Soldat im bayerischen Füssen Dienst tut. Kurz darauf, am Mittwoch, stellte sich freiwillig ein 23-Jähriger, der als Drogendealer aktenkundig ist. Die Verhafteten gaben nicht nur Hinweise auf den Fundort der Leichenteile, sondern auch auf den mutmaßlichen Haupttäter, einen 18-jährigen Türken aus dem Stuttgarter Stadtbezirk Bad Cannstatt. Ihr Bekannter habe vor Eifersucht gerast, berichteten sie; Ivan S. habe sich wiederholt mit der streng überwachten 16-jährigen Freundin des Türken getroffen. Die näheren Umstände dieser Treffen sind nicht bekannt. Doch das Mädchen selbst war es wohl, das den Gymnasiasten am Abend des 21. August mit einem Telefonanruf auf den Feldweg bei Rommelshausen lockte. Auch sie ist auf richterliche Anordnung hin in Untersuchungshaft genommen worden.

Zum möglichen Motiv Eifersucht wollte sich die Stuttgarter Polizei bisher nicht äußern. Doch sie ist sicher, erklären zu können, wie der Rumpf des Getöteten auf seinen letzten Ablageplatz gelangte: Die Täter, so heißt es, hätten den Torso, den sie in der Mülltonne einzementiert hatten, ursprünglich ebenfalls im Neckar versenken wollen. Doch dann habe sich das Gewicht der Tonne als zu groß erwiesen, um sie aus der Wohnung tragen zu können. Deshalb sei der Leichenteil aus dem Zementblock wieder herausgehackt worden.