Irgendwann platzt auch dem gemütlichsten Pfälzer einmal der Kragen. Der SPD-Vorsitzende Kurt Beck hat sich viel Kritik anhören müssen in jüngster Zeit, auch und gerade aus den Reihen seiner eigenen Partei. Er zeige keine Führungsstärke, bliebe blass gegenüber der Kanzlerin, wurde ihm vorgeworfen. Kurz: Er helfe der SPD nicht voran. So klingen die jüngsten Beck-Kritiken, die, so sie sozialdemokratischen Ursprungs sind, meist anonym oder von Hinterbänklern geäußert werden.

Diese heimliche Vorgehensweise und auch die Tonlage werde er nicht mehr dulden, sagte Beck nun: "Es gibt einige Leute in der dritten und vierten Reihe, die hinter Büschen sitzen und mehr oder weniger Intelligentes erzählen, auf jeden Fall Unverantwortliches, und ich habe deutlich gemacht: Es ist jetzt gut." Er werde nicht zulassen, dass seine Arbeit immer wieder durch solche Zwischenrufe gestört werde.

"So einen Scheiß lasse ich mir nicht mehr bieten", zitiert die Berliner Zeitung den Vorsitzenden an diesem Dienstag. Von den schlechten Umfrageergebnissen, die die SPD schon seit Monaten hat, will sich der Parteichef "nicht irremachen lassen."

Beck rief die Parteispitze zu inhaltlicher Geschlossenheit auf. Es gehe nicht an, dass Einzelne die politische Linie der SPD ständig neu definierten. Namen nannte Beck nicht. Aber seine Unmutsäußerung fiel nicht zufällig auf den gleichen Tag, an dem ein von der Parteilinken heftig kritisiertes Buch präsentiert wurde. Zwar bezeichnete Beck das Buch der SPD-Reformpolitiker Frank-Walter Steinmeier, Matthias Platzeck und Peer Steinbrück ( Auf der Höhe der Zeit ) als "einen wichtigen Beitrag zur Programmdebatte". Er unterstrich aber, dass er sich nicht "alles" daraus zu eigen machen werde.

Nach Ansicht der Buchautoren Steinmeier, Platzeck und Steinbrück sollte die SPD nicht länger am Begriff des "demokratischen Sozialismus" festhalten. Sie halten es für sinnvoller, sich zum Ziel der "sozialen Demokratie" zu bekennen, sagte Außenminister Steinmeier bei der Vorstellung des Buchs. Nach seiner Überzeugung sei dieser von Willy Brandt geprägte Begriff "näher an den Leuten". Die SPD-Tradition würde nicht verraten, wenn das Wort Sozialismus nicht mehr im Programm auftauche.

Die drei Spitzengenossen werben ausdrücklich für eine Fortsetzung des unter Kanzler Gerhard Schröder eingeleiteten Reformkurses. Die sieben rot-grünen Jahre seien "keine verlorene Zeit" gewesen. Die SPD müsse weiterhin "auf der Höhe der Zeit" bleiben - eine Anspielung auf ein Zitat des früheren Kanzlers und SPD-Vorsitzenden Willy Brandt.