So ganz klein, wie manche Banken uns weismachen wollen, scheint die Immobilien- und Kreditkrise ja doch nicht zu sein. Sonst hätte sich wohl kaum US-Präsident George W. Bush persönlich am Freitag mit einer Rede zu den Turbulenzen zu Wort gemeldet, gerade einmal eine Stunde nachdem auch US-Notenbankpräsident Ben Bernanke eine Grundsatzrede zum gleichen Thema hielt. Beide beleuchteten allerdings unterschiedliche Aspekte, was vermuten lässt, dass nicht unbedingt ein Konsens zwischen ihnen besteht.

Bernankes Kernaussage war: Die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) steht bereit, die Marktteilnehmer, also vor allem die Banken, im Notfall mit ausreichender Liquidität zu versorgen. Präsident Bush, der sich im Gegensatz zu Bernanke eher um die Meinung der Wähler kümmern muss (schon alleine im Hinblick auf ein günstiges Wahlumfeld für seinen Nachfolger), setzte hingegen vollkommen andere Akzente. Er stellte den gebeutelten Hausbesitzern und Kreditnehmern Hilfe in Aussicht und deutete an, er habe auch Maßnahmen ins Auge gefasst, die in Zukunft verhindern sollten, dass Kredite so skrupellos vergeben würden wie bisher.

Einst vergaben die Banken ihre Kredite an Kunden, die sie in der Regel gut kannten. Vorher prüften sie die Kreditwürdigkeit ihrer künftigen Schuldner. Das lag in ihrem eigenen Interesse, denn wurden die Kredite faul, hatten die Banken ein Problem. Sie mussten schauen, wie sie wieder an ihr Geld kamen. Entsprechend sorgfältig lief die Prüfung ab.

In den vergangenen Jahren hat sich das geändert. Finanzinnovationen – Wertpapiere, mit deren Hilfe sich Kredite verbriefen und weiterreichen ließen – führten zu einem sogenannten Moral-Hazard-Problem. Darunter versteht man die Gefahr, dass jemand sich unvernünftig verhält, weil er davon ausgeht, dass ihm im Notfall andere aus der Patsche helfen werden – wie die Manager eines großen Konzerns, die darauf vertrauen, dass der Staat ihr Unternehmen nicht bankrottgehen lässt, oder eben Anleger, die sich auf die Hilfe der Notenbank verlassen.

Für die Banken ergab sich ein ähnliches Moral-Hazard-Problem, weil sie nun vor veränderte Anreizmechanismen gestellt waren. Sie konnten die Kredite problemlos weiterverkaufen und wälzten das Risiko somit auf andere über, unabhängig davon, ob die Kredite jemals wieder zurückbezahlt werden konnten.

Plötzlich war es für die Banken nicht mehr wichtig, wie kreditwürdig ein Schuldner war. Sie erwirtschafteten höhere Gewinne nicht mehr dadurch, dass möglichst wenige Kredite notleidend wurden, sondern indem sie möglichst viele Kredite vergaben. Das verleitete sie zu immer waghalsigeren Geschäften. Eine der wohl abenteuerlichsten Varianten waren Kredite, deren monatliche Rate noch nicht einmal die Zinsen abdeckte. Aber höhere Zahlungen konnten sich viele Gläubiger eben gar nicht leisten.