Schon seit Jahrzehnten gibt es einen Markt für Bootlegs, also illegale Konzertmitschnitte. Sie verletzen Urheberrechte, Künstler und Plattenfirmen verdienen keinen Cent am Erlös.
Inoffiziellen Schätzungen zufolge wird ein Bootleg rund 10.000 mal kopiert. "Das ist nicht wenig", sagt Johannes Hugger vom Musikkonzern Sony BMG. Man dürfe aber nicht nur den wirtschaftlichen Schaden sehen, sondern müsse dies auch als Chance betrachten: "Das ist ein Markt, auf dem man eine legale Alternative anbieten sollte", sagt Hugger. Mit Blick auf die vielen Konzerte habe der Bereich ein "unendlich großes Potenzial".

Sony BMG hat die Initiative ergriffen und arbeitet nun mit dem Unternehmen Direc zusammen. Das schneidet legal und nach Abklärung aller Rechte Konzerte in Deutschland mit und speichert sie auf USB-Sticks, die den Besuchern im Anschluss für 12 bis 17 Euro zum Kauf angeboten werden. Gleichzeitig stellt Direc die Aufnahmen ins Internet (di-rec.com). Die Plattenfirma erhält dafür Lizenzgebühren.

Ganze Tourneen als Aufzeichnung

Direc hat seit Juni die Festivals Novarock in Nickelsdorf in Österreich, das Taubertal-Festival in Rothenburg ob der Tauber und das FM4 Frequency Festival auf dem Salzburg Ring aufgenommen und verkauft, wie Gründer und Geschäftsführer Benjamin Bailer sagt. Verkaufszahlen will er nicht nennen, nur so viel: "Wir sind mit den Ergebnissen sehr zufrieden." Jetzt plane das Unternehmen, Tourneen aufzuzeichnen. Die Künstler stehen noch nicht fest. Sie sollen aus den Bereichen Rock/Pop und Kindermusical kommen.

Die Plattenfirma Universal Music, die bereits mit Direc zusammenarbeitete, konzentriert sich nach seit Anfang 2005 auf exklusive Online-Veröffentlichungen. Seitdem sind mehr als 30 Konzerte online erschienen, so von Amy Winehouse, Keane, Razorlight, Sugarplum Fairy und Virgina Jetzt!. Die bisher erfolgreichsten Veröffentlichungen waren zwei Konzerte von Element of Crime in Köln und Berlin, die nach zwei Wochen die iTunes-Charts anführten.

"Pseudo-rebellische Revoluzzer-Ideologie"

Der Konzertveranstalter Karsten Jahnke gerät beim Thema Bootlegs in Rage. Das nicht-autorisierte Aufnehmen von Musik sei "eine Seuche", kritisiert der Vizepräsident des Verbandes der Konzertdirektionen (VDKD). Die "pseudo-rebellische Revoluzzer-Ideologie", mit der die Schwarzaufnahmen gerechtfertigt würden, sei "scheinheilig". Gegen kurze Handy-Aufnahmen bei seinen Konzerten unternehme er nichts. Wer jedoch illegal mit technisch hochwertigen Geräten aufzeichne, werde strafrechtlich verfolgt. Da inzwischen alle Besucher kontrolliert würden, seien die illegalen Aufnahmen zurückgegangen.

Der Geschäftsführer der Deutschen Phonoverbände, Stefan Michalk, sieht die Schwarzmitschnitte zwar als Problem, aber als ein geringeres als illegale Downloads. Zum Einem gebe es immer mehr legale Angebote. Zum Anderen lasse das Interesse an Bootlegs nach, weil professionelle Musik-DVDs eine deutlich bessere Qualität hätten. Der Absatz von DVD-Musikvideos habe sich zwischen 2001 und 2006 fast verzehnfacht. Im vergangenen Jahr seien 14,2 Millionen Stück verkauft worden.

Der Name Bootleg geht vermutlich zurück auf die Zeit der Prohibition in den USA, als verbotener Alkohol im Stiefelschaft (Bootleg) geschmuggelt wurde. Auch heute noch werden Aufnahmegeräte bei Konzerten im Schuh eingeschleust. Verkauft und getauscht werden die Bootlegs meist im Internet und auf Plattenbörsen. In Musikerkreisen gilt es angeblich als prestigeträchtig, wenn Bootlegs ihrer Konzerte erscheinen.

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