„Die Armee hat gesiegt“ - so oder ähnlich titeln die libanesischen Tageszeitungen. Nach mehr als 100 Tagen heftiger Gefechte hat die libanesische Armee am Sonntag das zuletzt nur noch von Islamisten kontrollierte palästinensische Flüchtlingslager Nahr al-Bared im Norden des Landes eingenommen. Unter den 37 Toten der Extremistengruppe Fatah al-Islam, in der sich vor allem ausländische, al-Qaida-nahe Kämpfer zusammengeschlossen hatten, war auch deren Anführer Schaker al-Abssi. Das bestätigten die libanesischen Sicherheitskräfte in der Nacht zu Montag. Auch 42 Zivilisten und fünf Soldaten, darunter ein Offizier, starben bei den Kämpfen am Wochenende.

Ministerpräsident Fuad Siniora lobte die Soldaten für ihren Einsatz: "Ihr habt in Nahr al-Bared für unser Land den größten Sieg über die Terroristen errungen", sagte er in einer Fernsehansprache. Zugleich kündigte er den Wiederaufbau des bei den Kämpfen zu weiten Teilen zerstörten Lagers an. Außerdem solle das Camp, in dem vor Beginn der Kämpfe etwa 40.000 palästinensische Flüchtlinge gelebt hatten, künftig der Kontrolle libanesischer Behörden unterliegen. Jahrzehntelang war es den Sicherheitskräften des Landes wegen eines Abkommens nicht erlaubt, die palästinensischen Flüchtlingslager zu betreten.

Nach der Einnahme des Lagers feuerten Soldaten Freudenschüsse ab. Vor den Kämpfen geflohene Bewohner des Lagers tanzten vor Freude auf den Straßen und jubelten den Soldaten zu. Zunächst durften die Menschen jedoch nicht in ihre Häuser zurückkehren. Ein Armeeoffizier sagte, das Militär werde das Lager zunächst nach Bomben und möglichen Verstecken letzter verbliebener Kämpfer der Fatah al-Islam durchsuchen und so lange niemandem den Zutritt erlauben.

Wie die Armee mitteilte, hatten die Islamisten am Sonntag noch versucht, aus dem umstellten Lager zu entkommen. 20 Kämpfer seien festgenommen worden. Den Anhängern der Fatah al-Islam werden seitens der Regierung neben Verbindungen zur Terrororganisation al-Qaida auch enge Kontakte zum syrischen Geheimdienst nachgesagt.

Das Flüchtlingslager nördlich der Hafenstadt Tripoli wurde bei den monatelangen Kämpfen stark zerstört. Weit mehr als 200 Menschen wurden getötet, darunter 158 Soldaten. Insgesamt leben im Libanon nach offiziellen Angaben 367.000 Palästinenser in zwölf Flüchtlingslagern.