Energie Größer als Marktführer E.on

In Frankreich entsteht der größte Energieversorger Europas: Gaz de France und Suez schließen sich zusammen. Der Staat wird mehr als ein Drittel der Aktien halten

In Frankreich entsteht mit der Fusion der beiden Versorger Gaz de France (GDF) und Suez der nach der Marktkapitalisierung größte Energieversorger Europas mit einem Umsatz von 72 Milliarden Euro. Er könnte den deutschen Marktführer E.on überflügeln. Mit GDF Suez entsteht auch der größte Gasanbieter Europas, einer der weltgrößten Flüssiggasanbieter und die Nummer fünf im europäischen Strommarkt.

In Brüssel bei der EU-Kommission sieht man die Fusion mit gemischten Gefühlen. Jonathan Todd, Pressesprecher von Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes, sagte am Montag: ""Die betroffenen Unternehmen müssen selber abwägen, ob eine abermalige Prüfung (der Einhaltung der europäischen Wettbewerbsregeln) notwendig ist. Bis jetzt haben wir noch keine Informationen erhalten. Aber sie werden ihre Hausaufgaben machen. Sollten nach der
Fusion Konditionen sichtbar werden, über die wir nicht informiert wurden, können wir eine Bußgeld erheben. Das kann bis zu 10 Prozent des weltweiten Umsatzes des übernehmenden Unternehmens sein."

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Wie die Unternehmen am Montag gemeinsam mitteilten, habe die Direktorien beider Konzerne dem Zusammenschluss zugestimmt. Sie betonten, es handele sich um eine Fusion unter Gleichen: Der nun vereinbarte Aktientausch basiere auf einem Verhältnis von 21 GDF-Aktien zu 22 Suez-Aktien. Der französische Staat werde mit "mehr als 35 Prozent" an dem neuen Unternehmen mit dem Namen GDF Suez beteiligt sein. Derzeit hält der Staat an GDF rund 80 Prozent. Suez ist dagegen ein französisch-belgischer Privatkonzern.

Im Rahmen der Vereinbarung muss Suez 65 Prozent seines Wasser- und Abfallgeschäfts verkaufen und an die Börse bringen. Analysten schätzen den Wert der Beteiligung auf 18 bis 20 Milliarden Euro. Mit diesem Geschäft ist das fusionierte Unternehmen rund 90 Milliarden Euro wert. Über einen Pakt mit staatlichen Aktionären wie Areva, die weitere zwölf Prozent halten, wird der Konzern aber die ausgegliederte Suez Environnement weiter mit 48 Prozent beherrschen. GDF Suez bleibt damit Systemanbieter für Kommunaldienste.

Der ursprüngliche Fusionsplan geht auf den früheren französischen Ministerpräsidenten Dominique de Villepin zurück, der mit dem Vorhaben eine Übernahme von Suez durch die italienisch Enel verhindern wollte. Enel hatte im Februar 2006 nicht ausgeschlossen, eine Offerte für Suez vorzulegen, um die belgischen Geschäfte der Firma zu ergattern.

Das Vorhaben stieß jedoch auf politischen Widerstand und löste eine Debatte über die Privatisierung von GDF aus. Damals war von einem gleichberechtigten Zusammenschluss von GDF und Suez die Rede. Allerdings ist seither der Börsenwert von Suez im Vergleich zu GDF deutlich stärker gestiegen. Der Verkauf der Wasser- und Müll-Sparte von Suez gilt als Bemühung, dennoch eine Fusion unter Gleichen zu ermöglichen.

Präsident Nicolas Sarkozy hatte sich zuletzt persönlich eingeschaltet und den Druck für ein Gelingen der Fusion erhöht. Durch den Zusammenschluss werde pro Jahr etwa eine Milliarde Euro durch Synergien eingespart, teilten die Unternehmen mit. Die Zusammenführung beider Konzerne solle so früh wie möglich im kommenden Jahr abgeschlossen werden.

 
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