Kurz vor dem Jahrestag der Terroranschläge vom 11. September 2001 in den USA haben Sicherheitsbehörden schwere Bombenattentate auf US-Einrichtungen in Deutschland verhindert. Drei am Dienstag festgenommene Mitglieder einer deutschen Zelle eines Terrornetzwerks namens Dschihad-Union hätten mehrere Anschläge in Deutschland vorbereitet, sagte Generalbundesanwältin Monika Harms am Mittwoch in Karlsruhe. Es sei «eine der bislang schwerwiegendsten Anschlagsplanungen» in Deutschland gewesen. Die drei Islamisten - zwei Deutsche und ein Türke - wollten nach Angaben von BKA-Chef Jörg Ziercke gleichzeitig Autobomben an mehreren Orten in Deutschland zünden.

Harms betonte, für die deutsche Bevölkerung habe keine Gefahr bestanden, weil die Sicherheitsbehörden rechtzeitig über die Aktivitäten der mutmaßlichen Terroristen informiert gewesen seien. Der Präsident des Bundeskriminalamts (BKA) erklärte, die Terrorverdächtigen im Alter zwischen Mitte 20 bis 30 Jahren seien seit sechs Monaten beobachtet worden. Harms sagte, alle drei Männer seien 2006 zur Ausbildung in Terrorcamps der Dschihad-Union in Pakistan gewesen.

Ziercke sagte: "Das leitende Motiv der Gruppe in Deutschland ist der Hass gegen amerikanische Staatsbürger." Die Gruppe stehe in engem Kontakt mit dem Terrornetzwerk al-Qaida von Osama bin Laden. Ziel der Anschläge sollten Ziercke zufolge US-Einrichtungen aber auch Diskotheken und Restaurants werden, in denen auch deutsche Bürger getroffen worden wären.

Genaue Ziele wollten Ziercke und Harms nicht nennen, weil diese noch Gegenstand der Ermittlungen seien. Einer der Festgenommenen habe Ende 2006 Kasernen in Hanau ausgespäht, die möglicherweise Anschlagsziel werden sollten, sagte Harms. Daraufhin habe die hessische Polizei dessen Haus durchsucht.

Obwohl es Anfang Mai 2007 auch Presseberichte über die Aktivitäten der Dschihad-Union in Verbindung mit US-Einrichtungen gegeben habe, habe die Gruppe ihr Vorhaben nicht aufgegeben, sagte Ziercke. Sie sei lediglich noch vorsichtiger vorgegangen. "Dies unterstreicht die hohe innere, ja ich würde sagen, fanatische Bindung an ein gemeinsames Ziel - nämlich an den Dschihad."

Harms sagte, die Männer hätten sich zwölf Fässer Wasserstoffperoxid und Material zum Herstellen von Bomben beschafft. Die Polizei habe den Stoff in den Fässern von den Islamisten unbemerkt durch eine verdünnte Lösung ersetzt. Das ursprüngliche Sprengmaterial hätte nach Zierckes Angaben ausgereicht, um Bomben mit einer höheren Sprengkraft als bei den Anschlägen in Madrid und London zu bauen.

Die Dschihad-Union sei eine vorwiegend in Zentralasien aktive sunnitische Gruppierung, die sich von der islamischen Bewegung Usbekistans abgespaltet habe, erläuterte Harms. In Usbekistan habe sie versucht, einen Staat herbeizubomben, der auf islamischem Recht gründet. Unter dem Einfluss von al-Qaida habe die Extremistengruppe ihre Aktivitäten auf Europa ausgeweitet. Die deutsche Zelle sei im Winter 2006 gegründet worden.

Bei der Festnahme der Verdächtigen im nordrhein-westfälischen Oberschledorn unterlief der Polizei eine Panne. BKA-Chef Ziercke sagte, nach Beginn des Einsatzes der Eliteeinheit GSG 9 sei einer der Verdächtigen am Dienstagnachmittag aus einem Badezimmerfenster auf der Rückseite des Ferienhauses gesprungen. Nach 300 Meter hätten ihn BKA-Beamte eingeholt, die das Haus umstellt hatten. Dem Verdächtigen sei es aber gelungen, den Beamten eine Dienstwaffe zu entreißen. Bei einem Gerangel, bei dem der Verdächtige die Waffe auf einen Polizisten gerichtet habe, habe sich ein Schuss gelöst. Nach längerem Gerangel wurde der Verdächtige dann überwältigt.