Die Spannung war groß: Der Vorstand der IG Metall beriet an diesem Montag, wer die größte deutsche Einzelgewerkschaft von November an führen soll. Vor vier Jahren hätte diese Frage fast die Gewerkschaft zerrissen. Damals stritten der jetzige Vorsitzende Jürgen Peters und dessen Konkurrent Bertold Huber heftig um den Posten. Schließlich einigten sie sich darauf, dass Peters zunächst den Vorsitz übernahm, aber nach einer Amtszeit abtreten und Huber ihm dann folgen sollte. Das galt als Kompromiss zwischen den beiden Flügeln der Gewerkschaft: Den Traditionalisten unter Peters und den "Modernisierern", die unter Führung von Huber vor allem in der Tarifpolitik neue Wege gehen wollten.

Der Vorstand folgte jetzt dieser Vereinbarung von 2003: Peters hört auf und Huber wurde erwartungsgemäß als sein Nachfolger vorgeschlagen.

Interessanter war, wer ihm als künftiger Vize an die Seite gestellt wird: Ebenfalls ein Reformer, womit der künftige Kurs der Gewerkschaft eindeutig festgelegt wäre. Oder ein Vertreter des Peters-Lagers, womit die Balance der beiden Flügel gewahrt geblieben wäre, wenn auch unter umgekehrten Vorzeichen.

Auch wenn die IG Metall in den vergangenen Jahren eine flexible Tarifpolitik  betrieben hat, galt Peters vielen als eher konservativer Gewerkschaftsideologe. Vehement wetterte er beispielsweise gegen die Rente mit 67 . Manche unterstellen ihm auch, zumindest geduldet zu haben, dass Funktionäre mit Mitteln der Gewerkschaft am Aufbau der WASG, heute Linkspartei, mitgewirkt haben . Die Frage war nun, ob die Modernisierung der Gewerkschaft, die sich in einigen Bezirken schon länger beobachten lässt, ganz oben in der Frankfurter Zentrale ankäme.

Berthold Huber hat da einiges vorzuweisen: In seine Amtszeit als stellvertretender Vorsitzender und Verantwortlicher für die Tarifpolitik fällt das "Pforzheimer Abkommen", ein Regelwerk, nach dem Betriebe vom Flächentarifvertrag abweichen können. Er hat auch daran mitgewirkt, dass 2006 eine variable Einmalzahlung mit den Arbeitgebern vereinbart wurde, aus der die Sozialpartner 2007 den "Konjunkturbonus" entwickelten. Diesen Weg will Huber weiterverfolgen. Er wünschte sich deshalb einen ebenfalls tariferfahrenen Modernisierer als zweiten Vorsitzenden an seiner Seite: den nordrhein-westfälischen Bezirksvorsitzenden Detlef Wetzel.

Wetzel führt bislang den größten Metallerbezirk. Dort hat er erfolgreich die Stahlabschlüsse von 2006 und 2007 sowie den Metall-Pilotabschluss im vergangenen Jahr verhandelt. Zudem kann er - was nach innen besonders wichtig ist - eine positive Mitgliederbilanz vorlegen.