Junge Politiker "Ich möchte mich einmischen"

Parteien sind out? Politisches Engagement lohnt nicht? Das stimmt nicht! Es gibt immer noch junge Menschen, die bewusst politisch aktiv werden. Wir zeigen an fünf Beispielen warum.

Die politischen Parteien in Deutschland haben immer weniger Mitglieder, immer weniger Menschen bringen ihnen und ihren Funktionären und Abgeordneten Vertrauen entgegen. Regelmäßig landen Politiker auf den hintersten Plätzen, wenn Demoskopen fragen, welche Berufe  Ansehen und Vertrauen genießen. Nichtsdestotrotz gibt es nach wie vor junge Menschen, die sich für Politik interessieren und die es für wichtig halten, politisch aktiv zu sein, statt sich nur ihrer Arbeit und ihrem Privatleben zu widmen. Wir haben einige gefragt, was sie dazu treibt.

Beispielsweise Henning Schürig . Er ist Pragmatiker, kein Idealist. „Ich glaube daran, dass Politik etwas ändern kann, sonst würde ich es nicht machen“, sagt der 25-Jährige. Schürig ist bei den Grünen und sagt, er habe, „definitiv Ambitionen, Politiker zu werden“. Immerhin hat er bei der letzten Landtagswahl in Baden-Württemberg kandidiert, wenn auch ohne Erfolg. Derzeit aber ist ihm sein Studium wichtiger. Denn bei allem Spaß und Gestaltungswillen empfindet er die Politik doch auch manchmal als frustrierend. Vor allem, weil man bei vielen Menschen als Politiker sofort „unten durch“ sei. Sicher, Politik unterliege Sachzwängen und verspreche zu oft Dinge, die sie nicht halte. Doch sie könne definitiv etwas ändern, davon ist er überzeugt. Natürlich sei es nicht damit getan, ein paar Demos zu organisieren und alles werde gut, sagt Schürig. Doch mit Demonstrationen könne man sich Gehör erkämpfen und dieses dann politisch nutzen.

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Schürig weiß, wovon er spricht. Er hat viel Zeit damit verbracht, gegen Studiengebühren zu kämpfen. Nicht ohne Erfolg, wie er findet. „Normalerweise wird durch die Opposition an einem Gesetz kein Wort geändert. In dem Fall aber haben wir erreicht, dass ein paar umgeschrieben wurden. Natürlich war das weniger, als wir wollten und viele hofften. Es war aber mehr, als wenn wir gar nichts gemacht hätten.“

Oft sind es solche kleinen Erfolge, die für diejenigen eine große Rolle spielen, die sich politisch engagieren. Schürig zum Beispiel sagt, es gehe nicht nur darum, Gesetze zu machen. Vor allem im eigenen persönlichen Umfeld könne jeder viel bewirken, dort habe man selbst viel mehr Glaubwürdigkeit und Überzeugungskraft. Nicht jeder müsse gleich in einer Partei aktiv werden, aber man dürfe sich auch nicht auf sich selbst zurückziehen. „Engagiert Euch, interessiert Euch, diskutiert, macht Politiker auf Eure Anliegen aufmerksam!“, sagt er deshalb seinen Freunden und Bekannten. Schließlich, wie Die Ärzte sängen: „Es ist nicht Deine Schuld, wenn die Welt ist, wie sie ist. Es ist nur Deine Schuld, wenn sie so bleibt.“

Alexandra Kast ist keine Funktionärin, sie will auch nicht unbedingt Politikerin werden. Auch wenn die 29-Jährige zugibt, dass die Vorstellung einen gewissen Reiz habe. Alexandra Kast ist in die SPD eingetreten, weil sie glaubt, dass es eine sinnvolle Möglichkeit ist, auf die Gesellschaft Einfluss zu nehmen. Denn schließlich „leben wir nun einmal in einer Parteiendemokratie.“ „In Parteien läuft vieles schief und ich kann nachvollziehen, warum viele Leute frustriert sind. Aber für mich stand immer die Frage, ob ich mich einmischen will oder nicht. Und ich möchte mich einmischen.“ Sie sagt, ihre Motivation sei der klassische Wunsch, die Welt besser zu machen, und es klingt nicht wie eine Phrase, sondern wie eine schlichte Überzeugung.

Kast arbeitet als Quartiersmanagerin in Berlin daran, das einer der sogenannten Problemkieze der Hauptstadt etwas lebenswerter wird. „Ich wollte nicht einfach nur Geld spenden.“ Es habe ihr auch nicht genügt, in Umweltgruppen mitzumachen, „da geht es nur um spezielle Themen, einzelne Puzzleteile“. „Ich wollte dort sein, wo Dinge entschieden werden, die langfristig wirken und auf die gesamte Gesellschaft.“ Ob sie in einer Partei etwas bewegen könne? „Man ist ein kleines Rädchen im Getriebe und es kann schnell frustrieren, wenn man zu viel erwartet.“ Aber ja, sie habe das Gefühl, Dinge verändern zu können.

Der jungen Berlinerin geht es darum, das Mögliche beizutragen und vielleicht dafür zu sorgen, dass zum Beispiel ein Schwimmbad nicht geschlossen wird. Im übrigen bestehe die Politik ja nicht nur aus den paar exponierten Politikern, die in der Öffentlichkeit wahrgenommen würden. „Die Mehrheit der Menschen organisiert sich an der Basis und macht keine Karriere. Und sie sind trotzdem politisch aktiv.“

Leser-Kommentare
    • treba
    • 06.09.2007 um 13:29 Uhr

    Mal gleich am Anfang: „Es ist nicht Deine Schuld, dass die Welt ist, wie sie ist." ;)
    (Was auch immer sich der Autor dabei gedacht hat...ein wenn macht doch eher wenig Sinn^^)

    Mit der Politik ist es als junger Mensch manchmal auch nicht so einfach. Alle über 16 haben große Angst um ihren Job und meinen, alles für die Schule tuen zu müssen. Dazu kommt, dass man meisst einfach keine Partei findet, die einem wirklich zusagt....jedenfalls geht es den Altersgenossen in meiner Umgebung so.
    Die Ablehnung von Politik ist echt erschreckend. Jeder versucht nunoch, selber so gut wie möglich davonzukommen. :<

  1. Hallo Treba,

    schön, dass Du das vor mir korrigiertest, sonst hätte ich nun ansetzen müssen^^.

    Was Deinen Kommentar betrifft:

    Was bekommt man als junger Mensch - so man sich in einer mittleren bis oberen Schicht befindet - ständig eingebläut?
    BILDUNG BILDUNG BILDUNG. Die Begründungen reichen von Selbstverwirklichung bis Arbeitsmarktkompatibilität.
    Nach dem Abitur ist es im Studium dasselbe: AUSLANDSAUFENTHALTE AUSLANDSAUFENTHALTE AUSLANDSAUFENTHALTE

    Dabei wird vergessen: Je mehr einen gewissen Abschluss erreichen, desto geringer ist zumindest die Wertigkeit, wenn nicht gar die Qualität des Abschluss'. Soll heissen, dass dann eben 2 Aa nicht mehr ausreichen, es müssen dann 3 Sprachen, 3 Aa usw. sein.

    Das zunächst dazu.

    Ich fragte mich auch, was dieser Artikel schonwieder soll. Es gibt sie immermal wieder, die Rufer im Walde der Parteienverdrossenheit.
    Und ganz ehrlich: Ich bin Parteimitglied und weiß Gott kann ich verstehen, weshalb Parteiarbeit gerade für junge Leute unattraktiv ist. Vergleiche ich sie mit anderen gesellschaftlichen Entwicklungen, so steht ein dramatischer Veränderungsprozess bevor sollen die Durchschnittsalter sinken.

    Dass man keine Partei findet die einem zusagt, halte ich zwar für nachvollziehbar, aber andererseits auch falsch. Ich möchte nun nicht mein Politikverständnis hier zum Besten geben, was sich wohl eher an Hannah Arendt als Franz Walter anlehnen dürfte, trotzdem kann man eine Partei finden, wenn man sich die Historie genau besieht. Damit meine ich dir großen, prägenden Kontroversen, nicht kurzfristige Politik.
    Ich bin auch weiterhin Anhänger einer grunlegenden Rechts-Links-Differenzierung, auch wenn viele soziologische Arbeiten lange auf deren Auflösung hinzudeuten scheinen.

    Bei der Suche nach einer Partei sollte man sich nicht zu stark von der Aktualität leiten lassen, auch wenn jede Aktualität Basis für die Zukunft ist.

    Zu guter letzt ist es eine illusion anzunehmen, dass man zu etwas kommt, wenn man sich in einer ausdifferenzierten Gesellschaft nicht organisiert. Letztlich sind es immer Parteien, nimmt man Definitionen wie z.B. Alemanns.

    Und dass jeder auf sein eigenes Fortkommen bedacht ist, ist doch Grundlage z.b. der kapitalistischen Wirtschaftsordnung (Smith: invisible hand vs. eigennutz vs. Gewissen)?
    Man kommt aber nicht gut davon, wenn es keine - sinnvolle - Politik und politische Gestaltung gibt.
    Dabei spielt übrigens die Demokratisierung der Wirtschaft eine bedeutende Rolle, die einmal Teil sozialdemokratischer Programmatik war
    (vgl. http://mitglied.lycos.de/...)

    Mit freundlichen Grüßen

    Diemo Schaller

    • andrku
    • 06.09.2007 um 14:51 Uhr
    3. ACK

    Ich wollte auch mal in eine Partei gehen, die einzige Partei die mir zusagte, hatte aber keine Vertretung vor Ort und ich kein Auto.

    Mittlerweile würde ich in gar keine Partei mehr eintreten, keine passt zu mir. Es ist außerdem extrem frustrierend sich an der Basis abzurackern und gleichzeitig zu wissen, dass, wenn die Partei doch mal rankommt, andere Personen die Politik machen, oft anders als man sich das dachte.

    Persönlich könnte ich nicht Politiker werden. Der Kampf um die MACHT ist hart, begleitet von Intrigen und dem aufwendigen schleimigen Aufbau eines eigenen "Netzwerkes/Seilschaft".

    Statt sich derart im politischen Klein-Klein, zwischen Sachzwängen und Karriere zu verlieren und durchs System zu arbeiten, unterstütze ich mittlerweile eher einen grundsätzlichen Umbau:
    www.mehr-demokratie.de

    Damit auch vielbeschäftigte Leute, wie ich, endlich Politik mitbestimmen können.

    MfG
    AKu

  2. Ich finde es schade, dass die FDP fehlt. Sie hat ja auch sehr viele neue Mitglieder und ist wohl noch die einzige der etablierten Parteien, die ihren Mitgliederstand in etwa hält (Ausnahme die LINKE).Und konkret: wer dafür sorgt, dass die Wirtschaft gut läuft, weniger Steuern und Sozialbeiträge abgezogen werden, überflüssige Wasserköpfe der Bürokratie verschwinden. Kurzum dem Volk das Leben viel leichter macht. Wenn man allein sieht, wieviel neue Bürokratie-Strukturen das Gesundheitsministerium (U. Schmidt) schafft. Dabei sollte man den MDS erst einmal ordentlich auf Vordermann bringen. Die eigenen Felder werden so gut wie nicht bewirtschaftet. Ständig sucht man neue Bereiche. so arbeiten loser und Versager. Wer sich dafür einsetzt, dass Solches sich ändert und etwas mehr Gelb in die Landschaft kommt, leistet für die Allgemeinheit ein wirklich sehr gutes Werk. Jedenfalls viel besser als jene, die immer nur nach Staatsknete und Staatsbürokraten rufen. Wir brauchen: weniger Staat, aber mehr Privat. Wir brauchen: Mehr Freiheit und weniger Gängelung! Mehr Mut zu einer Zukunft in Freiheit als ängstliches Verharren und Stillstand im bequemen status quo!

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Hallo wartaweil,

    die Organisationsstrktur MDS wurde verstanden.

    Mit freundlichen Grüßen

    Diemo Schaller

    Hallo wartaweil,

    die Organisationsstrktur MDS wurde verstanden.

    Mit freundlichen Grüßen

    Diemo Schaller

  3. Die CDU-Anhängerin ist wohl rein zufällig in die Gruppe hineingerutscht.

  4. Wenn die 5 Beispiele in dem Artikel "Ich möchte mich einmischen" schon das umsetzen, wovon sie reden, wären meine Erwartungen erfüllt.

    • keox
    • 06.09.2007 um 19:09 Uhr
    7. na?

    was heißt DEMOKRATIE denn nun? herrschaft über das volk - oder herrschaft des volkes?

    aber wie man sieht, sind es immer die besten, die sich für die bevölkerung das gesäß bis zum vierten knopf aufreißen.

    das gibt hoffnung.

    • Anonym
    • 06.09.2007 um 20:52 Uhr

    "Es gibt immer noch junge Menschen, die bewusst politisch aktiv werden."

    Und deshalb werden fünf Leute präsentiert die unsere Zukunft gestalten wollen. Da haben wir also erstmal einen gewissen ...

    Henning Schürig: "Er hat viel Zeit damit verbracht, gegen Studiengebühren zu kämpfen."

    Aha! Das ist also auch einer von der Sorte die meinen es sei sozial, sozial, wenn Arbeiter einem Studi das Studium finanzieren, damit der dann zehnmal so viel verdient wie die Arbeiter. Und der will sich für Soziales engagieren? Da lachen ja noch die letzten Dorfhühner in Mitteldeutschland!
    Ungenügend! Setzen!

    Oder Alexandra Kast: "Kast arbeitet als Quartiersmanagerin in Berlin ..."

    Das heißt nichts anderes, als das sie dafür sorgt, daß die arabisch-türkischen Kulturbereicherer in Kreuzberg, Neukölln und Wedding weiter ungestört ihre Parallelgesellschaft aufbauen können. "No go"-Areas für Deutsche in Deutschland!

    http://www.no-go-fuer-deu...
    (Keine Sorge, führt ins Leere. So was darf man auch nicht auf eine de-Domain legen, denn hier ist man in der "chinesischen" BRD!)
    Ungenügend! Setzen!

    oder Mercel Bois: "er sitzt im „Knut“, ... und spricht über Lateinamerika und Oskar Lafontaine, über die Niederlage des Kapitalismus und die russische Revolution von 1917."

    Na, der blickt ja wirklich nach vorn!

    "Wenn er nicht gerade ... den Kommunismus der Weimarer Republik erforscht,"

    Wen interessiert dieser […]? Die millionen Arbeitslosen von heute, die in der […] Obdachlosen, die alleingelassenen alleinerziehenden Mütter, oder wen oder was?

    "Außerdem ist er Gründungsmitglied der globalisierungskritischen Bewegung. In Genua, Nizza, Rostock, überall war er dabei."

    Klar, da kann man ordentlich Zoff machen, ohne als Extremist bezeichnet zu werden! Dagegen ist man als Nicht-Linker ja schon rechtsextremistisch, wenn man nur vom offiziellen linksbourgeoisen Verlautbarungskanon abweicht! Und im übrigen, so´n "gesellschaftskritischer" Hokuspokus ist doch "geiler", als etwa für die Obdachlosen ein paar Baracken zu bauen damit diese nicht in […] müssen. Ja, daß ist ein echter Sozialist!
    Ungenügend! Setzen!

    oder Frauke Banse: "Sie engagiert sich seit Jahren in sozialen Bewegungen und seit einiger Zeit bei Attac."

    Bei Attac, dieser links-kriminellen Vereinigung! Wieviel Verletzte, wieviel Sachschäden gehen eigentlich bis heute auf diese "demokratische" Organisation? Wäre Attac nicht links, wäre der Verein längst verboten worden.

    "Zudem gehörte sie zu den Köpfen von Block G8, einer Gruppe, die die Proteste von Heiligendamm maßgeblich organisierte."

    Und das soll eine Auszeichnung sein? Haben die Autoren schon vergessen, was in Heiligendamm passierte? Ach so, jetzt habe ich etwas vergessen, das Ganze dort war ja ein demokratischer Protest gegen was-auch-immer, und wie üblich war die reaktionäre Polizei an allem schuld. War´s das?
    Ungenügend! Setzen!

    oder Ina Diephold: "... wenn man sieht, dass man den Leuten vor Ort helfen kann.“

    Die erste realistische Äußerung aus dem Munde der jungen Zukunft. Keine Weltrevolution, oder Weltverbesserung am Sankt Nimmerleinstag, sondern den Menschen hier und vor Ort praktisch helfen. Es gibt noch Realismus!

    Ein Lichtblick in der linken Dunkelheit!

    Vier Nullnummern, und nur einmal Realismus. Wenn das die Zukunft der BRD sein soll, dann kann es nur noch heißen: "Helm ab zum Gebet!"

    [Dieser Kommentar entsprach leider nicht den Regeln. Bitte achten Sie auf ihre Wortwahl. Die
    Redaktion / mst]

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