Junge Politiker "Ich möchte mich einmischen"Seite 2/2
Marcel Bois
ist Sozialist. Eben hat er es zum dritten Mal gesagt, ganz beiläufig, innerhalb von einer halben Stunde. Bois ist 29 Jahre alt, er sitzt im „Knut“, einem Kiezcafé in Hamburg-Altona, und spricht über Lateinamerika und Oskar Lafontaine, über die Niederlage des Kapitalismus und die russische Revolution von 1917. Wenn er nicht gerade im Rahmen seiner Dissertation, die von der Rosa-Luxemburg-Stiftung gesponsert wird, den Kommunismus der Weimarer Republik erforscht, ist Bois für die Linkspartei in Hamburg aktiv. Im nächsten Februar will er für die Bürgerschaftswahl kandidieren.
Kann man als Sozialist in Altona etwas bewirken? Bois zögert kurz. "Nein", er zeigt auf den Edeka-Laden nebenan: "Woher kommen denn die Äpfel aus dem Supermarkt? Sozialismus lässt sich noch nicht mal in einem Land allein realisieren." Aber trotzdem sei es dringend nötig auf die Debatte einzuwirken. Bois zumindest tut es, er arbeitet – nebenher und unentgeltlich – als Redakteur für Marx 21 , ein kleines sozialistisches Hochglanzmagazin (Startauflage: 1.500), schreibt scharfe, kritische Analysen zur Vergangenheit und Gegenwart. Außerdem ist er Gründungsmitglied der globalisierungskritischen Bewegung. In Genua, Nizza, Rostock, überall war er dabei. "Es war spannend und ernst von Beginn an. Erstmals seit '68 gibt es wieder eine globale Bewegung." Auch Parteiarbeit sei nicht nutzlos, sagt Bois. Dass alle Parteien nun über den Mindestlohn redeten, sei doch schließlich Verdienst seiner Partei.
Ina Diephold geht es weniger um die große Weltpolitik. „Mir macht es Spaß, wenn etwas geändert wird, wenn man sieht, dass man den Leuten vor Ort helfen kann.“ Konkrete Beispiele? Die 28-jährige Hamburger Bezirksabgeordnete der CDU muss nicht lang überlegen. Früher habe sie sich immer darüber geärgert, dass das Hamburger Planetarium so schlecht ausgeschildert war. Inzwischen hat sich das geändert, nicht zuletzt dank ihrer Initiative. Allen interessierten Jugendlichen rät Diephold daher zum parteipolitischen Engagement „Die Kommunalpolitik ist ein super Einstieg in die Politik. Es gibt so viele Möglichkeiten, gestalterisch tätig zu sein." Jeder Zebrastreifen, jedes Feuerwehrauto sei das "Ergebnis von lokaler Politik".
Mehr als die Hälfte ihres Lebens ist sie schon in der CDU; zwei bis fünf Abende pro Woche widmet sie der Parteiarbeit; alle paar Minuten surrt ihr Handy. Diephold hat inzwischen so viele Ämter inne, dass es mehr als eine halbe Seite braucht, um sie zu notieren. Unter anderem ist sie kulturpolitische Sprecherin ihrer Fraktion, Vorsitzende der Jungen Union Hamburg – und mit letzterem eine Rarität. Alle anderen Landesjugendverbände der CDU werden nämlich von Männern geführt. Dass es in ihrer Partei nicht immer einfach ist, zumal für junge Frauen, bestätigt sie: „Irgendwann nerven die Männer-Witze am Stammtisch schon.“ Sie selbst lasse sich davon aber nicht unterkriegen, sagt Diephold. Sie sei nämlich „kampferprobt und schmerzbefreit“.
"Natürlich kann man mit Politik etwas bewegen“, ist auch Frauke Banse überzeugt. Sie engagiert sich seit Jahren in sozialen Bewegungen und seit einiger Zeit bei Attac. Zudem gehörte sie zu den Köpfen von Block G8, einer Gruppe, die die Proteste von Heiligendamm maßgeblich organisierte. Politisch zu handeln bedeute, Verantwortung zu übernehmen, sagt sie, etwas gegen die Ungerechtigkeit in der Welt zu tun: „Natürlich kann ich auch individuell handeln und im Kleinen Verantwortung übernehmen. Aber letztlich ist es die Politik, die die Lebensbedingungen der Menschen strukturiert. Deswegen muss man sich kollektiv organisieren.“ Demokratie sei sehr viel mehr, als nur zur Wahl zu gehen. Und Demokratie, so findet sie, müsse auch bedeuten, die Wirtschaft zu demokratisieren.
Banse sieht ihre Rolle vor allem in sozialen Bewegungen. Schließlich komme sie aus dem Wendland und sei in der Anti-Atom-Bewegung groß geworden, im Protest gegen die Politik der großen Parteien. Deshalb ist es für sie auch keine Alternative, Politikerin zu werden. „Zu glauben, dass ich allein in der Funktion in einer Partei etwas verändern kann, halte ich für falsch.“ Es brauche immer auch öffentlichen Druck. Und für den will sie sorgen.
- Datum 06.09.2007 - 05:37 Uhr
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Mal gleich am Anfang: „Es ist nicht Deine Schuld, dass die Welt ist, wie sie ist." ;)
(Was auch immer sich der Autor dabei gedacht hat...ein wenn macht doch eher wenig Sinn^^)
Mit der Politik ist es als junger Mensch manchmal auch nicht so einfach. Alle über 16 haben große Angst um ihren Job und meinen, alles für die Schule tuen zu müssen. Dazu kommt, dass man meisst einfach keine Partei findet, die einem wirklich zusagt....jedenfalls geht es den Altersgenossen in meiner Umgebung so.
Die Ablehnung von Politik ist echt erschreckend. Jeder versucht nunoch, selber so gut wie möglich davonzukommen. :<
Hallo Treba,
schön, dass Du das vor mir korrigiertest, sonst hätte ich nun ansetzen müssen^^.
Was Deinen Kommentar betrifft:
Was bekommt man als junger Mensch - so man sich in einer mittleren bis oberen Schicht befindet - ständig eingebläut?
BILDUNG BILDUNG BILDUNG. Die Begründungen reichen von Selbstverwirklichung bis Arbeitsmarktkompatibilität.
Nach dem Abitur ist es im Studium dasselbe: AUSLANDSAUFENTHALTE AUSLANDSAUFENTHALTE AUSLANDSAUFENTHALTE
Dabei wird vergessen: Je mehr einen gewissen Abschluss erreichen, desto geringer ist zumindest die Wertigkeit, wenn nicht gar die Qualität des Abschluss'. Soll heissen, dass dann eben 2 Aa nicht mehr ausreichen, es müssen dann 3 Sprachen, 3 Aa usw. sein.
Das zunächst dazu.
Ich fragte mich auch, was dieser Artikel schonwieder soll. Es gibt sie immermal wieder, die Rufer im Walde der Parteienverdrossenheit.
Und ganz ehrlich: Ich bin Parteimitglied und weiß Gott kann ich verstehen, weshalb Parteiarbeit gerade für junge Leute unattraktiv ist. Vergleiche ich sie mit anderen gesellschaftlichen Entwicklungen, so steht ein dramatischer Veränderungsprozess bevor sollen die Durchschnittsalter sinken.
Dass man keine Partei findet die einem zusagt, halte ich zwar für nachvollziehbar, aber andererseits auch falsch. Ich möchte nun nicht mein Politikverständnis hier zum Besten geben, was sich wohl eher an Hannah Arendt als Franz Walter anlehnen dürfte, trotzdem kann man eine Partei finden, wenn man sich die Historie genau besieht. Damit meine ich dir großen, prägenden Kontroversen, nicht kurzfristige Politik.
Ich bin auch weiterhin Anhänger einer grunlegenden Rechts-Links-Differenzierung, auch wenn viele soziologische Arbeiten lange auf deren Auflösung hinzudeuten scheinen.
Bei der Suche nach einer Partei sollte man sich nicht zu stark von der Aktualität leiten lassen, auch wenn jede Aktualität Basis für die Zukunft ist.
Zu guter letzt ist es eine illusion anzunehmen, dass man zu etwas kommt, wenn man sich in einer ausdifferenzierten Gesellschaft nicht organisiert. Letztlich sind es immer Parteien, nimmt man Definitionen wie z.B. Alemanns.
Und dass jeder auf sein eigenes Fortkommen bedacht ist, ist doch Grundlage z.b. der kapitalistischen Wirtschaftsordnung (Smith: invisible hand vs. eigennutz vs. Gewissen)?
Man kommt aber nicht gut davon, wenn es keine - sinnvolle - Politik und politische Gestaltung gibt.
Dabei spielt übrigens die Demokratisierung der Wirtschaft eine bedeutende Rolle, die einmal Teil sozialdemokratischer Programmatik war
(vgl. http://mitglied.lycos.de/...)
Mit freundlichen Grüßen
Diemo Schaller
Ich wollte auch mal in eine Partei gehen, die einzige Partei die mir zusagte, hatte aber keine Vertretung vor Ort und ich kein Auto.
Mittlerweile würde ich in gar keine Partei mehr eintreten, keine passt zu mir. Es ist außerdem extrem frustrierend sich an der Basis abzurackern und gleichzeitig zu wissen, dass, wenn die Partei doch mal rankommt, andere Personen die Politik machen, oft anders als man sich das dachte.
Persönlich könnte ich nicht Politiker werden. Der Kampf um die MACHT ist hart, begleitet von Intrigen und dem aufwendigen schleimigen Aufbau eines eigenen "Netzwerkes/Seilschaft".
Statt sich derart im politischen Klein-Klein, zwischen Sachzwängen und Karriere zu verlieren und durchs System zu arbeiten, unterstütze ich mittlerweile eher einen grundsätzlichen Umbau:
www.mehr-demokratie.de
Damit auch vielbeschäftigte Leute, wie ich, endlich Politik mitbestimmen können.
MfG
AKu
Ich finde es schade, dass die FDP fehlt. Sie hat ja auch sehr viele neue Mitglieder und ist wohl noch die einzige der etablierten Parteien, die ihren Mitgliederstand in etwa hält (Ausnahme die LINKE).Und konkret: wer dafür sorgt, dass die Wirtschaft gut läuft, weniger Steuern und Sozialbeiträge abgezogen werden, überflüssige Wasserköpfe der Bürokratie verschwinden. Kurzum dem Volk das Leben viel leichter macht. Wenn man allein sieht, wieviel neue Bürokratie-Strukturen das Gesundheitsministerium (U. Schmidt) schafft. Dabei sollte man den MDS erst einmal ordentlich auf Vordermann bringen. Die eigenen Felder werden so gut wie nicht bewirtschaftet. Ständig sucht man neue Bereiche. so arbeiten loser und Versager. Wer sich dafür einsetzt, dass Solches sich ändert und etwas mehr Gelb in die Landschaft kommt, leistet für die Allgemeinheit ein wirklich sehr gutes Werk. Jedenfalls viel besser als jene, die immer nur nach Staatsknete und Staatsbürokraten rufen. Wir brauchen: weniger Staat, aber mehr Privat. Wir brauchen: Mehr Freiheit und weniger Gängelung! Mehr Mut zu einer Zukunft in Freiheit als ängstliches Verharren und Stillstand im bequemen status quo!
Hallo wartaweil,
die Organisationsstrktur MDS wurde verstanden.
Mit freundlichen Grüßen
Diemo Schaller
Hallo wartaweil,
die Organisationsstrktur MDS wurde verstanden.
Mit freundlichen Grüßen
Diemo Schaller
Die CDU-Anhängerin ist wohl rein zufällig in die Gruppe hineingerutscht.
Wenn die 5 Beispiele in dem Artikel "Ich möchte mich einmischen" schon das umsetzen, wovon sie reden, wären meine Erwartungen erfüllt.
was heißt DEMOKRATIE denn nun? herrschaft über das volk - oder herrschaft des volkes?
aber wie man sieht, sind es immer die besten, die sich für die bevölkerung das gesäß bis zum vierten knopf aufreißen.
das gibt hoffnung.
"Es gibt immer noch junge Menschen, die bewusst politisch aktiv werden."
Und deshalb werden fünf Leute präsentiert die unsere Zukunft gestalten wollen. Da haben wir also erstmal einen gewissen ...
Henning Schürig: "Er hat viel Zeit damit verbracht, gegen Studiengebühren zu kämpfen."
Aha! Das ist also auch einer von der Sorte die meinen es sei sozial, sozial, wenn Arbeiter einem Studi das Studium finanzieren, damit der dann zehnmal so viel verdient wie die Arbeiter. Und der will sich für Soziales engagieren? Da lachen ja noch die letzten Dorfhühner in Mitteldeutschland!
Ungenügend! Setzen!
Oder Alexandra Kast: "Kast arbeitet als Quartiersmanagerin in Berlin ..."
Das heißt nichts anderes, als das sie dafür sorgt, daß die arabisch-türkischen Kulturbereicherer in Kreuzberg, Neukölln und Wedding weiter ungestört ihre Parallelgesellschaft aufbauen können. "No go"-Areas für Deutsche in Deutschland!
http://www.no-go-fuer-deu...
(Keine Sorge, führt ins Leere. So was darf man auch nicht auf eine de-Domain legen, denn hier ist man in der "chinesischen" BRD!)
Ungenügend! Setzen!
oder Mercel Bois: "er sitzt im „Knut“, ... und spricht über Lateinamerika und Oskar Lafontaine, über die Niederlage des Kapitalismus und die russische Revolution von 1917."
Na, der blickt ja wirklich nach vorn!
"Wenn er nicht gerade ... den Kommunismus der Weimarer Republik erforscht,"
Wen interessiert dieser […]? Die millionen Arbeitslosen von heute, die in der […] Obdachlosen, die alleingelassenen alleinerziehenden Mütter, oder wen oder was?
"Außerdem ist er Gründungsmitglied der globalisierungskritischen Bewegung. In Genua, Nizza, Rostock, überall war er dabei."
Klar, da kann man ordentlich Zoff machen, ohne als Extremist bezeichnet zu werden! Dagegen ist man als Nicht-Linker ja schon rechtsextremistisch, wenn man nur vom offiziellen linksbourgeoisen Verlautbarungskanon abweicht! Und im übrigen, so´n "gesellschaftskritischer" Hokuspokus ist doch "geiler", als etwa für die Obdachlosen ein paar Baracken zu bauen damit diese nicht in […] müssen. Ja, daß ist ein echter Sozialist!
Ungenügend! Setzen!
oder Frauke Banse: "Sie engagiert sich seit Jahren in sozialen Bewegungen und seit einiger Zeit bei Attac."
Bei Attac, dieser links-kriminellen Vereinigung! Wieviel Verletzte, wieviel Sachschäden gehen eigentlich bis heute auf diese "demokratische" Organisation? Wäre Attac nicht links, wäre der Verein längst verboten worden.
"Zudem gehörte sie zu den Köpfen von Block G8, einer Gruppe, die die Proteste von Heiligendamm maßgeblich organisierte."
Und das soll eine Auszeichnung sein? Haben die Autoren schon vergessen, was in Heiligendamm passierte? Ach so, jetzt habe ich etwas vergessen, das Ganze dort war ja ein demokratischer Protest gegen was-auch-immer, und wie üblich war die reaktionäre Polizei an allem schuld. War´s das?
Ungenügend! Setzen!
oder Ina Diephold: "... wenn man sieht, dass man den Leuten vor Ort helfen kann.“
Die erste realistische Äußerung aus dem Munde der jungen Zukunft. Keine Weltrevolution, oder Weltverbesserung am Sankt Nimmerleinstag, sondern den Menschen hier und vor Ort praktisch helfen. Es gibt noch Realismus!
Ein Lichtblick in der linken Dunkelheit!
Vier Nullnummern, und nur einmal Realismus. Wenn das die Zukunft der BRD sein soll, dann kann es nur noch heißen: "Helm ab zum Gebet!"
[Dieser Kommentar entsprach leider nicht den Regeln. Bitte achten Sie auf ihre Wortwahl. Die
Redaktion / mst]
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