Medien Gebremster Mehrwert

Die ARD plant es, das ZDF hat sie bereits: Mediatheken, in denen Sendungen und weitere Inhalte über das Internet verbreitet werden. Noch nicht ganz ausgereift, aber zum Ärger der Privatmedien. Ein Test

Die groß angelegte Werbung dürfte kaum jemand übersehen haben. Überlebensgroß räkelte sich Johannes B. Kerner mit seinem Laptop auf der Couch, Claus Kleber tritt nach dem heute journal noch eine virtuelle Erklärrunde durchs ZDF-Nachrichtenuniversum an, und die Botschaft, dass man eine verpasste Sendung mit dem Zweiten auch hinterher noch besser sehen kann, wird einem seit Tagen eingehämmert. Gegenstand dieses großen Aufschlages ist die Zukunft, zumindest das, was die Öffentlich-Rechtlichen gerade als Zukunft des Medienmarktes begreifen. Es geht um die Digitalstrategie der beiden Häuser, um ihr Internetangebot. Ganz konkret im aktuell beworbenen Fall: um die neue Mediathek des ZDF.

Nun ist der Begriff Mediathek zwar relativ frisch, aber anders als andere Wort-Neuschöpfungen der hässlichen Art bezeichnet er seinen Gegenstand relativ präzise: In einer Mediathek werden Filme, Audios, Bildergalerien, interaktive Elemente und Texte archiviert und neu gebündelt angeboten.

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Am vergangenen Freitag ging die Mediathek des ZDF online. Hier kann man neben verpassten Sendungen wie heute journal , Kerner , Logo oder der Doku-Soap „Wege zum Glück“ auch stündlich eigens produzierte Nachrichten sehen, die auch im Infokanal gezeigt werden. Sendungsbegleitend soll das Onlineprogramm sein. Soll heißen: In den Online-Auftritten darf (eigentlich) nichts passieren, was originär und exklusiv nur dafür produziert wird. Ergänzend zu ZDF-Sendungen werden weitere Videoelemente online angeboten: Backstagevideos hinter der „ Wetten dass? “-Bühne und zur Dokumentation über die Landshut-Entführung zusätzliche O-Töne der Interviewpartner.

Auf interaktiven Schwerpunkten werden Kartenelemente mit Reportagen verknüpft, so zum Beispiel „Erde und Klima“: Hier sind mehr als 100 Berichte aus der Sendung „ Abenteuer Wissen “ über einen Weltatlas anwählbar. In Flash-Animationen werden die Ursachen und möglichen Entwicklungen des Klimawandels anschaulich erläutert.

Einige Sendungen sollen live gestreamt werden, die meisten gibt es jedoch als Abrufvideo. Je nach Aktualitätsdruck findet man das Video wenige Minuten bis einige Stunden nach der Ausstrahlung im Internet wieder. Doch es geht auch andersherum: „ Online first “, der Schlachtruf vieler Printmedienhäuser, erlangt nun auch bei den Öffentlich-Rechtlichen seine Bedeutung, wenn man hört, dass die neue Krimiserie „ Kriminaldauerdienst “ einen Tag vor der Ausstrahlung im Fernsehen in der Mediathek in voller Länge angeboten wird.

Besonders der optische und technische Auftritt ist dem ZDF gelungen. Abrufbare Sendungen oder Beiträge kann man unter anderem nach Aktualität, Thematik und Sendedatum suchen. Die bisherigen Streams in mittelmäßiger Auflösung wurden durch hochauflösende Aufnahmen ersetzt – dank des nutzerfreundlichen H.264-Formats. Doch dass die Mediathek das analoge Fernsehen untergräbt, wie Kritiker befürchten, ist vorerst nicht zu erwarten. Auf großen LCD-Bildschirmen ist das Bild noch zu verwaschen, weil sich die Übertragungsgeschwindigkeit am durchschnittlichen DSL-Nutzer ausrichtet. Zudem laden auf dem Laptop die Filme noch nach (wenn auch seltener als zuvor); Browser stürzen auch mal gerne mitten in der Sendung ab. Ebenfalls ein kleines Manko: Das Weiterschalten von Beiträgen innerhalb der Mediathek erscheint wegen der wenigen sichtbaren Angebote etwas unübersichtlich.

Erfolgsversprechend scheinen, betrachtet man die meist abgerufenen Videos, neben den Soap-Formaten, politische Informationssendungen zu sein. Die stündliche Nachrichtensendung „ heute in 100 Sekunden “ gibt es gleichermaßen bei der ARD als „ Tagesschau in 100 Sekunden “. Ein beliebter Trend, der den privaten Anbietern journalistischer Inhalte im Netz einige Konkurrenz machen dürfte. Auch Welt online produziert zum Beispiel eine Internet-TV-Nachrichtensendung, drei Mal täglich. Spiegel online hat offenbar schon reagiert und seine drei täglichen On-Demand-Nachrichtensendungen auf fünf erhöht.

Leser-Kommentare
    • 33noh
    • 06.09.2007 um 8:17 Uhr

    Eine Internetmediathek soll den öffentlich-rechtlichen Medien eine zu starke Rolle geben? Mit all den offenen Medien, wie Youtube hat jemand noch Angst vor Dumping auf dem Online-Markt? Hat man als Steuerzahler nicht das Recht auf zeitgerechte Medien? Darf das Erste und das ZDF nur als verstaubtes Rentnerfernsehn sein Dasein fristen um keine "Gefahr" darzustellen?

  1. @33noh

    Das öffentlich-rechtliche Fernsehen soll die Grundversorgung (was auch immer das im 21. Jh. heißen mag) der fernsehenden und rundfunkhördenen Bevölkerung sicher stellen. Dafür kassieren die Herrschaften jährlich um die 8 Milliarden Zwangsabgaben, keine Steuern.

    Der Steuerzahler hat ein Recht auf zeitgerechte Medien? Einklagbar? Sicher hat er dieses nicht. Aber sollte es einen Markt für solche geben wird dieser auch mit Angeboten bedient. Wie es schon eine Weile aus dem Bereich der Privatmedien geschieht.

    Dürfen die öffentlich-rechtlichen an diesem Markt partizipieren lautet die eigentliche Frage. Natürlich dürften sie als freie Marktteilnehmer. Leider handelt es sich bei den Konzernen nicht um solche, sonst wären sie durchaus in der Lage ihren Umsatz aus eigener Kraft zu erwirtschaften.

    Warum ist es also eine Wettbewerbsverzehrung, verklausuliert als "zu starke Rolle"? Weil Zwangsabgaben zur Marktanteilgewinnung eingesetzt werden, keinesfalls also zur Sicherstellung einer Grundversorgung. Damit stellt jeder GEZ Zahler heute schon sicher das er morgen für den Unfug weiter bezahlen darf. Denn es reicht ja dann die theoretische Möglichkeit ins Internet zu gelangen um ihm Gebühren abzunehmen.

    Das Prinzip ist gottseidank einmalig, die Befürworter sollten sich aber auch gleich für eine Zwangsabgabe für die Deutsche Bahn einsetzen, Grundversorgung aller mit Transportmitteln, für die Deutsche Telekom, Grundversorgung mit elektronischer Kommunikationsinfrastruktur, Deutsche Post, Grundversorgung mit nicht elektronischer Kommunikationsinfrastruktur...etc.

    • mka
    • 06.09.2007 um 20:23 Uhr

    @ssommerf

    Einleitend sagen Sie, dass Sie nicht wissen, was „Grundversorgung“ sei. Wenn es aber darum geht zu definieren, inwieweit der öffentlich-rechtliche Rundfunk auch die Distributionsform Internet nutzen darf, wissen Sie auf einmal ganz genau, dass dies „keinesfalls … Grundversorgung“ ist. Logisch zumindest problematisch.

    Auch ich habe im Detail vieles am System der Öffentlich-Rechtlichen zu kritisieren, etwa seine Größe, die ARD-Struktur mit ihren Fürstentümern, wo für jeden irgendwo ein Chefposten abfällt, die Quotenorientierung, das merkwürdige Gebühreninkasso.

    Aber gegen Ihren Ansatz, der Öffentlichkeit nur als Markt betrachtet, ist das System im Prinzip mit Nachdruck zu verteidigen.

    Wie sähe unsere politische Öffentlichkeit aus, wenn es die ÖR nicht gäbe und wir uns nur bei n-tv und N24 über das Tagesgeschehen informieren könnten. Ganz zu schweigen von längeren Hintergrundberichten.

    Wenn Sie die Sphäre der Öffentlichkeit nur als Markt wahrnehmen können, wäre es konsequent, wenn Sie auch von der staatlichen Sphäre verlangen würden, dass diese nach Marktprinzipien funktioniert. In den USA nähert man sich dem schon etwas an: Präsidentschaftskandidaten, die nicht genug Geld für ihren Wahlkampf organisieren können, kommen nicht sehr weit. Dass immer noch das nicht marktkonforme Prinzip „one man one vote“ gilt, muss den Marktdenkern ein Dorn im Auge sein.

    Noch ein Wort zu Ihrer Unterscheidung zwischen Zwangsabgaben und Steuern. Was anderes als Zwangsabgaben sind denn bitte Steuern? Ich hätte nichts dagegen, wenn die öffentlich-rechtlichen Systeme statt über die GEZ durch Steuermittel finanziert würden. Aber aus Ihrer Ecke käme doch dann zuerst der Vorwurf „Staatsfernsehen“.

    • sbo78
    • 12.09.2007 um 4:10 Uhr

    Da heutzutage jedes internetfähige Gerät idR. gebührenpflichtig ist, finde ich es nur gut, dass die ARD/ZDF sich bemühen, dort auch ein Angebot zu schaffen, dass ich anderweitig nicht nutzen könnte, da ich keine Rundfunkempfangsgeräte herkömmlicher Art besitze. Dann hätte ich wenigstens die THEORETISCHE Möglichkeit, einen Gegenwert (genau das ist der Unterschied zwischen Gebühr und Steuer) für GEZ-Zahlungen zu bekommen.

    Jedoch würde ich weitergehen und behaupten, dass jedes mit öffentlichen Geldern (also hier Rundfunkgebühren) finanzierte Produkt gemeinfrei und öffentlich nutzbar sein sollte (abgesehen eben von dieser Gebühr). Also auch sämtlichen Verlagsanstalten etc. zur kostenfreien Weiternutzung und Verbreitung zur Verfügung stehen sollte. Und dass man selektiv nur das gebührenfinanziert, bei dem diese Gemeinfreiheit gegeben ist (also keine Hollywood-Filme oder Bundesligaspiele).

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