Türkei Merkel als "zweiter Hitler"Seite 2/2
Daran hatte sich auch nichts geändert, als Vakit schon einmal einen hochrangigen deutschen Minister als "Inkarnation Hitlers" darstellte. Vorausgegangen war das Verbot der in Mörfelden-Walldorf bei Frankfurt am Main ansässigen Gesellschaft "Yeni Akit GmbH" durch Bundesinnenminister Otto Schily. Seit Dezember 2001 hatte diese "Yeni Akit GmbH" den Europa-Ableger der türkischen Tageszeitung Anadolu'da Vakit herausgegeben, nach eigenen Angaben in einer täglichen Auflage von 10.000 Exemplaren. "Die Yeni Akit GmbH verbreitet unter dem Deckmantel angeblich 'seriöser Berichterstattung' antijüdische und antiwestliche Hetze", begründete Schily am 25. Februar 2005 das Verbot des Herausgeberverlages und damit der Tageszeitung Vakit in Deutschland. Auslöser dieses Verbotes waren besonders die antisemitischen Hetzartikel des Kolumnisten Karakaya.
In einer beispiellosen Hetzkampagne wurde Schily daraufhin in der Türkeiausgabe der Zeitung an den Pranger gestellt. Unter Schlagzeilen wie "Die Zionisten haben Deutschland in der Zange" oder "Die 2. Nazi-Periode" gingen nicht nur die Vakit -Journalisten und Kommentatoren mit Schily ins Gericht. Auch der Karikaturist der Zeitung, Kemal Güler, ließ seinem Zeichenstift freien Lauf.
So sitzt Otto Schily in der Ausgabe vom 1. März 2005 am Tisch und unterschreibt ein Dekret. Sein linker Arm liegt dabei auf einem Buch, das unschwer als Hitlers Mein Kampf zu erkennen ist. Schily trägt eine Krawatte mit Hakenkreuz und neben ihm liegt seine Brille, darin angeklebt die blauen Augen des Innenministers. Er hat sie abgelegt und der Betrachter der Karikatur kann nun in die "wahren" Augen Schilys blicken: zwei Davidsterne als Symbol für "die Juden", in deren Auftrag der Minister "tatsächlich handelt".
Schily hatte damals gegenüber der türkischen Tageszeitung Cumhuriyet angekündigt, seinen türkischen Amtskollegen, Innenminister Abdülkadir Aksu, zu ersuchen, auch in der Türkei das weitere Erscheinen einer derartigen volksverhetzenden Publikation zu verhindern. Nach einer kurzzeitigen Aufregung ließ das Interesse an dieser Zeitung und ihren Hetzartikeln jedoch nach.
Die Wahl Abdullah Güls zum Staatspräsidenten feierte der Vakit -Karikaturist Güler dann auch mit der Darstellung einer kräftig aufblühenden Rose (der Name Gül bedeutet auf Deutsch Rose), deren sechs wie Pfeile dargestellte Blätter braun verwelkt zu Boden sinken. Diese sechs Blätter (Pfeile) symbolisieren die sechs Prinzipien des Gründers der modernen Republik Türkei, Mustafa Kemal Atatürk, und bilden das Parteiemblem der laizistisch orientierten Partei CHP, die Güls Wahl versucht hatte zu verhindern.
- Datum 03.09.2007 - 03:43 Uhr
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