Rätselraten über Ahmadineschads jüngste Äußerungen: Am Sonntag verkündete Irans Präsident wieder einmal einen nukleartechnischen "Durchbruch" und behauptete, sein Land betreibe 3000 Uranzentrifugen. Weitere würden zügig installiert.

Das widerspricht den jüngsten Erkenntnissen der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA (Video) sowie den Einschätzungen so ziemlich aller unabhängiger Experten auf dem Gebiet. Gemeinhin ist von rund 2000 Zentrifugen die Rede und davon, dass sie nur gering ausgelastet seien; auch die Neuinstallation komme nur schleppend voran.

Zur Glaubwürdigkeit dieser Äußerung trägt auch nicht der Umstand bei, dass Ahmadineschad schon mehrfach behauptet hatte, so weit zu sein - stets wurde anschließend nachgewiesen, dass das nicht stimmte.

Wozu also die Kraftmeierei? Nur aus innenpolitischen Gründen, etwa dergestalt, dass der Präsident etwas tun musste, die Schätzungen der IAEA um des Prestiges willen zu relativieren? Zu befürchten ist, dass mehr dahintersteckt.

Der Rede vom Sonntag ist allerhand andere Rhetorik vorausgegangen, und zwar in Washington und anderswo. Vom drohenden nuklearen Holocaust hatte der amerikanische Präsident gesprochen, und andere Stellen in Amerika hatten die Attacken auf amerikanische Militäreinrichtungen in Afghanistan und Irak mit iranischer Munition hervorgehoben. Frankreichs hyperaktiver Staatschef Sarkozy brachte in einer diplomatisch wohl abgewogenen Formulierung die Option eines Angriffs auf Iran zur Sprache, und Londons Sonntagszeitungen, bekannt für Scharfmacherei, kolportierten die Planungen für einen amerikanischen Blitzangriff auf Iran. Vollkommen auszuschließen ist er nicht.