Angenommen, Sie schlagen Ihre Frau, pflegt der Münchener Pflegekritiker Claus Fussek zu argumentieren – sollte man es Ihnen dann durchgehen lassen, wenn Sie hinzufügten: Aber nicht jeden Tag? In der Pflege aber, so geht das Argument weiter, gelte es schon als Erfolg, wenn ein Heimbewohner nicht an jedem Tag in seinem Kot liege und an den meisten Tagen genug zu Essen bekomme.

Wie schlecht ist zu schlecht? Wie es zugeht, in Deutschlands Heimen und bei den ambulant zu Hause versorgten Pflegepatienten, ist dem jüngsten Bericht der medizinischen Spitzenverbände der Krankenkassen (MDS) zu entnehmen. Danach weisen knapp sechs Prozent der zu Hause Gepflegten und rund zehn Prozent der Pflegeheimbewohner Spuren von Vernachlässigung auf.

Das ist bei weitem besser, als die Bild-Zeitung und andere Medien es am Freitag unter Berufung auf den MDS-Bericht gemeldet haben ("Jeder Dritte bekommt nicht genug zu essen") – offenbar hatten Journalisten die durchgesickerten Zahlen aus dem Bericht missverstanden und, beispielsweise, jeden Fehler in der Ernährung und Flüssigkeitsversorgung betreffenden Pflegedokumentation als Nachweis eines Falles gedeutet, in dem ein Patient Hunger oder Durst habe leiden müssen.