Dabei ist genau diese Eigenschaft wichtig für die wirtschaftliche Entwicklung, und sie macht einen wesentlichen Unterschied zwischen Mensch und Tieren aus. Dass der Mensch bereit ist, Konsum hinauszuschieben, wenn er dafür später umso mehr konsumieren kann, erlaubt es, "Produktionsumwege" zu gehen. Sie ermöglichen es, zu einem späteren Zeitpunkt umso mehr zu produzieren.

Damit werden Anreize zu technischer Entwicklung gesetzt. Ohne positiven Realzins fehlen solche Anreize. Daher ist es auch nicht erstaunlich, dass die mittelalterlichen Gesellschaften, die das Zinsverbot kannten, kaum wirtschaftliche Entwicklung aufwiesen. Und das Gleiche gilt heute für die islamischen Gesellschaften, die, soweit sie ein Zinsverbot kennen, auch nicht gerade Beispiele florierender wirtschaftlicher Entwicklungen sind - selbst wenn sie über enorme Ressourcen verfügen.

Gebhard Kirchgässner ist Professor für Wirtschaftspolitik und Ökonometrie an der Universität St. Gallen. Auf ihn antwortet in der kommenden Woche Brigitte Unger , Ökonomieprofessorin der Universität Utrecht.