In der Großen Koalition in Sachsen kriselt es vernehmlich. Nach der Beinahepleite der Sächsischen Landesbank und ihrem Hals-über-Kopf-Verkauf an die Stuttgarter Landesbank , in deren Gefolge CDU-Finanzminister Horst Metz am vergangenen Freitag seinen Rücktritt erklärte , zweifeln immer mehr Sozialdemokraten an dem Regierungsbündnis mit der CDU. Die Koalition stehe vor einer „ganz großen Bewährungsprobe“, sagte der Parlamentarische Geschäftsführer der SPD-Landtagsfraktion, Martin Dulig, am Montag im Gespräch mit ZEIT online . „Wir haben es satt, für Dinge in Haftung genommen zu werden, für die wir keine Verantwortung tragen.“ Bei vielen SPD-Leuten lägen die Nerven blank.

Bereits am Wochenende hatte der stellvertretende Ministerpräsident und SPD-Landeschef Thomas Jurk damit gedroht, seine Partei werde die Koalition nicht „um jeden Preis“ fortsetzen. Auch der SPD-Fraktionschef im Landtag, Cornelius Weiss, hatte in einem Interview gesagt, die Geduld vieler SPD-Parlamentarier sei „ausgereizt“. Jeder Tropfen könne das Fass zum Überlaufen bringen.

Tatsächlich benimmt sich die sächsische CDU seit Langem so, als hätte sie keinen Koalitionspartner. Den Verlust der absoluten Mehrheit bei der Landtagswahl vor drei Jahren betrachte sie bis heute als Ausrutscher und die SPD, die damals auf kärgliche 9,8 Prozent kam, als lästiges Anhängsel. Alle Erfolge des Landes reklamieren die Christdemokraten alleine für sich. Doch bei jeder Affäre und jedem Skandal, von denen es in jüngerer Zeit eine ganze Reihe gab, heißt es für die Sozialdemokraten schmerzhaft: mitgefangen, mitgehangen.

Schon in der Geheimdienstaffäre um illegale Akten des sächsischen Verfassungsschutzes war dies so. Da musste die SPD als Regierungspartner für einen Skandal mithaften, der seinen Ursprung in jener Zeit genommen hatte, in der die CDU in Sachsen noch allein regierte. In der Krise um die SachsenLB sind die Sozialdemokraten in einer ähnlichen Situation. Die ehrgeizige und am Größenwahn gescheiterte Gründung der Bank war 1993 von der CDU auf den Weg gebracht worden. Sie galt viele Jahre als Lieblingsprojekt des damaligen Finanzministers und heutigen Ministerpräsidenten Georg Milbradt.

Vor allem über den Verlauf der Bankenkrise, das Ausmaß der Fehlspekulationen und die Details des Notverkaufs am vorvergangenen Wochenende fühlen sich die Sozialdemokraten schlecht informiert. Einmal mehr mussten sie erleben, dass Ministerpräsident Milbradt über ihre Köpfe hinweg regierte. Die beiden sozialdemokratischen Minister in seinem Kabinett sahen sich schlicht übergangen. Von „Vertrauensbruch“ ist nun in der SPD die Rede. Das müsse ein Ende haben, sonst habe die Koalition keine Zukunft.

Noch ist die allerdings nicht am Ende, und so rät denn auch Martin Dulig seinen Parteifreunden, „kühlen Kopf“ zu bewahren. In der Tat kann der SPD an einem Bruch der Koalition momentan nicht gelegen sein. Ihr Dilemma ist nicht zu übersehen: Sie hat wenig Einfluss in der Landesregierung, aber sie profitiert auch nicht von den Skandalen, für die vor allem CDU-Politiker verantwortlich sind, sondern wird dafür mit in Haftung genommen. Nutznießer ist die Linkspartei. Während die SPD in Umfragen bei elf Prozent stagniert, kaum besser als bei der letzten Wahl, konnte die Linkspartei deutlich zulegen und liegt stabil bei 28 Prozent. Selbstbewusst kann sie deshalb nun Neuwahlen fordern, wohingegen die SPD auch in Sachsen zwischen Regierungsverantwortung und dem populistischen Oppositionskurs der Linken zerrieben wird.