Mit einem Schlag katapultiert sich Frankreich in die Champions League: GDF-Suez, der neue Gigant, der aus einer Fusion von Gaz de France (GDF) und Suez entstehen soll, wird Europas größter Gasanbieter und mit seinem Umsatz der weltweit drittgrößte Gas- und Stromanbieter an der Börse. Von einem „Weltchampion“ schwärmt die französische Wirtschaftsministerin Christine Lagarde. Auch Präsident Sarkozy, der den Deal eingefädelt hatte, zeigt sich hochzufrieden.

Jubel in Paris, Skepsis in Brüssel. Dort beäugt man den Deal mit Stirnrunzeln. Die EU-Kommission hat andere Pläne, schließlich soll der europäische Strommarkt – und bald wohl auch der Gasmarkt – fit für den Wettbewerb gemacht werden. National geprägte Energieriesen passen da nicht ins Bild. „Aus nationaler, energiestrategischer Sicht ist die Fusion sicherlich ein geschickter Zug“, erklärt Claudia Kemfert, Leiterin der Energieabteilung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin, „doch noch nie war man so weit entfernt von einer Liberalisierung des europäischen Energiemarkts wie jetzt.“

Am 19. September will EU-Energiekommissar Andris Piebalgs zusammen mit seiner Wettbewerbskollegin Neelie Kroes die Vorschläge zur Entflechtung des europäischen Energiemarkts präsentieren. Sie sehen vor, dass sich die Energiekonzerne von ihren Leitungsnetzen trennen sollen. Im Fachjargon heißt das „ownership unbundling“. Die Kommissare sind der Meinung, dass neue Anbieter bislang nicht auf dem Energiemarkt Fuß fassen konnten, weil die Stromproduzenten zu hohe Netzentgelte verlangen, vor allem in Deutschland. Zurzeit konzentriert sich die Kommission noch auf den Strommarkt, doch nach Meinung von Experten wie Kemfert wird der Gasmarkt wegen ähnlicher Strukturen bald folgen.

Der Zusammenschluss in Frankreich, von der EU-Kommission vergangenen November prinzipiell erlaubt, steht deshalb wieder unter Vorbehalt – Kroes hat bereits eine Neuprüfung angekündigt. Auch EU-Parlamentarier äußern sich skeptisch. „Die Fusion darf nicht dazu führen, dass die Bemühungen zur Liberalisierung der Märkte unterlaufen und Märkte abgeschottet werden“, sagt Herbert Reul, energiepolitischer Sprecher der Union im Parlament, „Wir werden sorgfältig beobachten, ob sich der französische Markt abschottet.“

Selbst wenn GDF ein Gasunternehmen ist und Suez seine Umsätze auch in der Wasserversorgung und im Abfallsektor macht – die Liberalisierungspläne der EU-Kommission im Stromsektor werden an dem Joint-Venture nicht vorbeigehen. Denn Suez ist an dem belgischen Stromkonzern Electrabel beteiligt. Darauf hatte der italienische Enel-Konzern vor einem Jahr ein Auge geworfen. Die staatlich geförderte Fusion macht den Italienern jetzt einen Strich durch die Rechnung. In Deutschland betreibt Electrabel zusammen mit den Stadtwerken Saarbücken die Energie SaarLorLux und kooperiert mit einem Energieversorger in Gera.