Auslandsknigge Darf man das?

Jedes Land Europas hat seine kulturellen Eigenarten. Entsprechend viele Möglichkeiten gibt es für den Reisenden, ins Fettnäpfchen zu treten. Da ist es gut, wenn er Bescheid weiß. Um Ihnen das Abenteuer der zwischenmenschlichen Begegnung zu erleichtern, geben wir Tipps für das richtige Benehmen im Ausland. Folge 3: Italien

Italien ist ein beliebtes Urlaubsland, und man ist versucht zu behaupten, die Italiener seien vielleicht sogar so etwas wie das bessere Alter Ego der Mittel- und Nordeuropäer. Denn zu gern wäre man in nordischen Gefilden so lebensfroh, leichtfüßig und offen wie die Italiener. Bei jeder Gelegenheit wird die berühmte italianità heraufbeschworen, und natürlich weiß man über das Land am südlichen Rand von Europa auch bestens Bescheid. Doch sollte man sich nicht von der Sonne blenden lassen. In Italien gilt es, einige Besonderheiten und Regeln zu beachten, um eine bella figura , einen guten Eindruck, zu machen. Und darum geht es schließlich im Leben – würde man in Italien sagen.

Bei der Arbeit

Die meisten Betriebe sind ziemlich patriarchalisch organisiert. Von basisdemokratischen Entscheidungen wird im Allgemeinen wenig gehalten. Das letzte Wort hat immer der Chef, egal, was Ihnen dessen Assistent versprochen hat. Doch seien Sie taktvoll. Es wäre sehr unhöflich, den Assistenten diese Kenntnis spüren zu lassen.

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Die italienische Geschäftssprache ist alles andere als leichtfüßig und erweckt den Eindruck, als hätte sie sich seit dem 18. Jahrhundert nur unwesentlich verändert. Dasselbe gilt für die Amtssprache. Sind Sie der italienischen Sprache nur teilweise mächtig, sollten Sie sich für Ihre Korrespondenz an einen Übersetzer wenden.

Übrigens ziehen die Italiener in der Regel das Gespräch von Angesicht zu Angesicht dem Schriftverkehr vor.

Sie brauchen zwar nicht im Sonntagsanzug zur geschäftlichen Besprechung zu erscheinen, aber einen sorgfältigen Blick in den Kleiderschrank sollten Sie auf jeden Fall tun. Schick und gut gekleidet zu sein ist dem Italiener, der Italienerin sehr wichtig. Nicht umsonst stammen viele namhafte Modedesigner aus Italien. Es kommt nicht nur auf den Schnitt, sondern auch auf die Qualität des Stoffes an.

Fare bella figura ist auch hier die halbe Miete. Sind Sie anständig gekleidet, wird man Sie in Italien respektieren. Im konservativeren Süden zeigen die Damen tendenziell weniger Haut als in Norditalien.

Leser-Kommentare
  1. Nachdem ich mit großer Verwunderung Ihren Artikel gelesen hatte (bzw. das Handbuch, aus dem dieser und die weiteren Knigge-Artikel stammen), habe ich direkt meine italienischen Freunde interviewt.

    Deren einhellige Meinung ist, dass das Essen von Spaghetti mit dem Löffel eine italienische Erfindung ist, und in deren Familien schon immer so gehandhabt wurde. Ich hätte mich mit meiner Behauptung da um ein Haar der Lächerlichkeit preisgegeben. Die Frage war dann auch, wie man Spaghetti denn bitte sonst essen soll.

    Vielleicht hat die Autorin nicht mehr von Italien gesehen als den legendären Bud-Spencer-Streifen, in dem er sich als neapolitanischer Cop erstmal die Servietten links und rechts auf die Schultern drapiert und löffellos loslöffelt.

    Im übrigen ist die Frage, was man darf und was nicht, doch auf demselben dünnen Eis gebaut wie die gängigen Klischees über andere Länder, die in Zeiten journalistischer Langeweile kurioserweise in der Zeit als Lückenbüßer herhalten müssen. Da muss man doch ein wenig tiefer in die Evaluationskiste greifen, um valide Aussagen zu treffen, aber damit wird man aller Wahrscheinlichkeit trotzdem noch keine Italiener finden, die sich lieber die teure Designer-Krawatte zu versauen als den Löffel zu benutzen.

    Deshalb sind gerade bei solchen Artikeln absolute Aussagen zu vermeiden.

    • Zenith
    • 02.04.2009 um 6:25 Uhr

    das Pärchen auf der Vespa auf der ersten Seite ist in Italien völlig undenkbar. Ich habe in den letzten Jahren niemand ohne Helm gesehen. Auch das Essen von Spaghetti mit Gabel und Löffel habe ich praktiziert, niemand hat sich daran gestossen. Ach ja, ich trage auch weiße Socken!

    • nonick
    • 12.07.2009 um 8:40 Uhr

    haben bei mir höchstens zu ironischen Bemerkungen geführt, die Vorurteile bezüglich der Deutschen, aber auch der Italiener selbst in Frage stellen. Deren sind sich die Italiener nämlich durchaus bewußt.
    Und zwar sowohl der "Signor Professore" (wobei ich selbst das "Signor" noch nie gehört habe), als auch der einfache Maurer oder Bauarbeiter.

    Daß man im Hause von Freunden selbst ohne zu fragen in den Kühlschrank greift, habe ich auch noch nie gesehen, es sei denn, man wohnt eine Woche bei jemandem. Bei einem Kurzbesuch ist das undenkbar.

    Ein gewisses Urteil glaube ich mir erlauben zu können, da ich seit über 10 Jahren in Italien lebe, und zwar NICHT in eine Enklave zurückgezogen wie die meisten Deutschen.
    Kann also die Geeignetheit des Artikels bzw. Buchs als "Survival-Knigge" nur eingeschränkt bestätigen...

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