In der aktuellen Diskussion um die Einführung der Onlinedurchsuchung versuchen vor allem Sicherheitspolitiker der Union den Eindruck zu erwecken, die Ermittler seien unbedingt auf diese neue Fahndungsmethode angewiesen, um mit Terroristen und anderen Schwerverbrechern Schritt zu halten. So sagte der bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber: „Wir können nicht den Briefverkehr abfangen, aber das Internet außen vor lassen.“

Doch ganz so blind sind deutsche Ermittler nicht, wenn es um das Internet geht. Schon heute werden Computer und E-Mails genauso abgehört wie Telefone. Zahlen muss das der Kunde.

E-Mail-Überwachung

Dass Fahnder E-Mails mitlesen, ist in der Bundesrepublik längst Alltag. „Seit 2005 sind wir dazu verpflichtet auf richterliche Anordnung E-Mails, Verbindungsdaten und Inhalte abzuspeichern“, erklärt Andreas Maurer, Pressesprecher des Providers 1&1 . Kernstück ist die sogenannte „SINA-Box“. Die muss jeder Provider in seinen Rechnerpark integrieren. Über diesen Computer können sich Strafverfolger per verschlüsselter Verbindung in die Datenbank des Providers einwählen, um E-Mails von Verdächtigen abzurufen.

Um die gesetzlichen Verpflichtungen zu erfüllen, musste alleine 1&1 mehr als 60.000 Euro investieren. Doch dies ist nicht alles: „Rund um die Uhr müssen wir auf Anforderungen der Strafverfolger reagieren können“, sagt Maurer. Mehrere speziell geschulte Mitarbeiter müssen Tag und Nacht in Bereitschaft sein, um die Überwachung für bestimmte E-Mail-Postfächer einschalten zu können.

Die Möglichkeit wird von den Behörden immer stärker genutzt. Wurden nach offizieller Statistik im Jahr 2004 gerade einmal 78 E-Mail-Überwachungen angeordnet, waren es schon zwei Jahre später 701 Fälle. Im Vergleich zu Telefonüberwachungen sind die Zahlen allerdings noch gering: Laut offiziellen Zahlen wurden im Jahr 2006 mehr als 6000 Festnetz- und mehr als 40.000 Mobilfunkanschlüsse abgehört.