Kino Ein Zeichen gegen den Terror

Der US-Journalist Daniel Pearl wurde 2002 in Pakistan ermordet. Der Film „Ein mutiger Weg“ erzählt beeindruckend die Geschichte seiner Frau, von der Entführung Pearls bis zu seinem Tod.

Karatschi, Wirtschaftsmetropole und größte Stadt Pakistans. Hafenstadt an der Küste des Arabischen Meeres. Eine der größten Städte der Welt. Weit über zehn, vielleicht sogar zwanzig Millionen Einwohner. Ein pulsierendes Gebilde, das niemals schläft. Mit seinen Vororten breitet sie sich auf einer Fläche von rund 3530 Quadratkilometern aus. Wenn hier ein Mensch verloren geht, wird es schwer, ihn wieder zu finden. Und mehr noch, wenn er entführt wird.

Am Nachmittag des 23. Januars 2002 bricht der amerikanische Journalist Daniel Pearl zu einem Interview auf. Es ist der Vorabend der geplanten Abreise zu einem Urlaub nach Dubai. Seine französische Frau Marianne, ebenfalls Journalistin und im fünften Monat schwanger, trifft die letzten Vorbereitungen für das Abschiedsessen mit Freunden und Kollegen.

Anzeige

Gemeinsam war das Paar nach dem 11. September 2001 aus Mumbai, wo Daniel Pearl Leiter des Südostasienbüros des Wall Street Journals ist, nach Karatschi gekommen, um über die Hintergründe des Terrorismus zu berichten. Daniel Pearl befindet sich auf der Fährte des sogenannten „Schuhbombers“ Richard Reid, der am 22. Dezember 2001 bei dem Versuch festgenommen wurde, ein Flugzeug von Paris nach Miami in die Luft zu jagen. An diesem Abend will Pearl Scheich Mubarak Ali Schah Gilani treffen. Gilani ist ein terrorverdächtiger geistlicher Führer, bei dem Reid kurz vor dem Anschlagsversuch zu Besuch war.

Doch vergeblich wartet Marianne Pearl an diesem Abend auf Daniels Rückkehr. Ebenso wie an jedem anderen Tag der folgenden fünf Wochen. Bis sie die Gewissheit hat: „Danny“ ist tot. Vor laufender Kamera enthauptet von einer al-Qaida nahen Terrorgruppe namens „Nationale Bewegung zur Wiederherstellung der pakistanischen Souveränität“.

Basierend auf Marianne Pearls 2004 erschienen Memoiren Ein mutiges Herz. Leben und Tod des Journalisten Daniel Pearl (2004), erzählt nun der Kinofilm A mighty heart/Ein mutiger Weg die Geschichte der Entführung und den folgenden Ermittlungen nach. Dem englischen Regisseur Michael Winterbottom gelingt eine rasante Dokumentation über die Wirrungen und Hoffnungen dieser intensiven Tage. Ausgehend von dem im Haus der indischen Freundin und Kollegin Daniel Pearls, Asra Nomani (gespielt von Archie Panjabi), stationiertem Hauptquartier unter Leitung der von Angelina Jolie bestechend gespielten Marianne Pearl, entfaltet sich Ein mutiger Weg zu einem packenden Politthriller.

Marianne und Asra versuchen die Ermittlungen der pakistanischen Behörden, des US-amerikanischen Konsulats, der CIA und den Reportern des Wall Street Journal zu koordinieren. Der fast ausschließlich an Originalschauplätzen und außer der Hauptbesetzung – mit Laienschauspielern besetzte Film ist atmosphärisch dicht und spannend, obwohl das Ende bekannt ist. Die Vielzahl von Eindrücken aus den Straßen und Hinterhöfen, Gefängnissen und Märkten Karatschis spielen dabei fast eine ebenso große Rolle, wie die ständig wechselnden Szenarien der Personengruppen, die hinter der Entführung stehen könnten.

Schreiben Sie den ersten Kommentar!

    Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

    • Seite 1 | 2 | 3 | Auf einer Seite lesen
    • Quelle ZEIT online
    • Versenden E-Mail verschicken
    • Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
    • Artikel Drucken Druckversion | PDF
    • Schlagworte Kino | Entführung | Terrorismus | Pakistan
    • Artikel-Tools präsentiert von:

    Service