Eigentlich wollten auch wir Ihnen ein schickes Ranking präsentieren. Denn die Deutschen sind in Wechselstimmung. Nicht politisch, aber auf dem Strommarkt. Im ersten Halbjahr 2007 haben nach Angaben der Bundesnetzagentur 520.000 Kunden ihren Stromversorger gewechselt – das sind fast genauso viele wie im gesamten Jahr zuvor. Scheinbar niedrige Preise und neue mittelständische Anbieter bringen Bewegung in eine Branche, die jahrzehntelang von großen Konzernen dominiert wurde. Die Verbraucherzentrale wirbt seit einigen Wochen offensiv mit einer neuen Kampagne: "Strom. Jetzt wechseln. Jetzt sparen." Trotzdem stellt ZEIT online kein Strom-Ranking ins Netz. Denn die sind mit Vorsicht zu genießen. Es ist nicht immer ratsam, den eigenen Stromanbieter vorschnell für ein Billig-Angebot aus dem Netz zu verlassen.

Denn für Verbraucher gibt es mehr als eine Falle. In die erste tappen viele schon beim Tarif-Vergleich im Internet. "Stromtarifrechner vergleichen oftmals Äpfel mit Birnen", sagt Tom Küster, Experte für Stromeffizienz von der Energie-Agentur NRW. Das von der Landesregierung geförderte Verbraucherportal entwickelt derzeit selbst eine Tarif-Übersicht - aber nicht in Form eines Rechners. Ein solcher Preisvergleich ist der Energie-Agentur NRW zu heikel. Schließlich bietet mit Paketen, Prämien und Rabatten fast jeder Anbieter irgendwelche Sonderregeln. "Die Tarifstruktur auf dem Strommarkt ist insgesamt unübersichtlicher geworden", sagt Küster.

Dafür sorgt zum Beispiel die Flexstrom GmbH. In der Branche ist ihr Angebot umstritten. Das Unternehmen stellt keinen Strom her, sondern kauft zum jeweils günstigsten Marktpreis ein. Die Herkunft spielt dabei keine Rolle. Dafür bekommen die Kunden Billigstrom im Paket: Eine Familie in der Hamburger Innenstadt müsste für einen Stromverbrauch von 3600 Kilowattstunden im Jahr nur 565,52 Euro zahlen. Das sind über 100 Euro weniger als Lokalversorger Vattenfall verlangt. Der Haken: Sparen kann nur, wer ein Jahr im voraus zahlt. Außerdem erhält der Kunde kein Geld zurück, wenn er weniger Strom verbraucht, als es das Paket vorsieht. Wer mehr verbraucht, muss sogar richtig tief in die Tasche greifen: Statt zwölf oder 15 Cent kostet eine Kilowattstunde im Mehrverbrauch bis zu 26 Cent.

Doch dem Erfolg von Flexstrom tut das keinen Abbruch. Das Unternehmen hat seine Kundenzahl im ersten Halbjahr dieses Jahres um über 40 Prozent auf 145.000 gesteigert. Verbraucherschützer fordern dagegen, die Stromtarife wieder transparenter zu machen. "Denn die Preis-Verwirrung hat Methode und soll uns den Konzernen ausliefern", sagt Aribert Peters, Vorsitzender des Bundes der Energieverbraucher. Vor allem innerhalb des letzten Jahres sei der Tarif-Dschungel dichter geworden. "Wir haben uns deshalb bei der Bundesnetzagentur beschwert", sagt Peters.

Auf eine Antwort wird Peters lange warten müssen. Denn die Bundesnetzagentur kann den Tarif-Dschungel nicht abholzen. "Eine Tarifgenehmigung gibt es nicht mehr", sagt Sprecherin Renate Hichert. Seit Juli 2007 gilt auch für diesen Marktbereich das neue, liberalere Energiewirtschaftsgesetz. "Tätig werden wir nur auf Antrag und bei offensichtlichem Betrug", sagt Hichert.

Die Bundesnetzagentur entscheidet eigentlich nur darüber, ob jemand überhaupt auf den Markt darf. Auch hier geht es nicht um Tarif-Politik, sondern um wirtschaftliche Hintergründe. So hatte der Anbieter PennyStrom mehrjährige Verträge verkauft, obwohl unklar war, dass das Unternehmen so lange bestehen würde. Statt an die Verbraucher dachte PennyStrom an seine Rendite. Die Bundesnetzagentur verfasste ein Gutachten, und die Lizenz war weg. Dies ist der einzige Fall, in dem einem Anbieter das Licht ausgeknipst wurde.