Obwohl die Lizenz der Bundesnetzagentur folglich nichts über die Qualität der Strompreise aussagt, benutzt mancher Tarifrechner die Behörde als Alibi. "Wenn die Energieversorger bei der Bundesnetzagentur gelistet sind, nehmen wir deren Tarife in den Rechner", sagt Dagmar Ginzel, Sprecherin von Verivox. Ihr Vergleichsportal listet jeden Tarif auf, egal wie kompliziert er auch sein mag. "Nach unserer Auffassung ist Transparenz nur möglich, wenn zwischen allen Angeboten verglichen werden kann", sagt Ginzel. Die Besucherzahlen von Verivox scheinen ihr recht zu geben: 1,3 Millionen potenzielle Stromwechsler informieren sich jeden Monat auf den Seiten – Tendenz steigend.

Viel entscheidender ist die geradezu monopolartige Stellung, die Verivox innerhalb der Branche einnimmt. "Wir haben 37 Partner im Medien- und Energieversorgerbereich", sagt Sprecherin Ginzel. Egal ob RTL, ComputerBILD oder die Süddeutsche Zeitung : Die meisten der Preisvergleiche in Zeitungen und Fernsehen berufen sich auf Verivox als Quelle. Der Tarifrechner macht damit richtig Kasse. Im letzten Jahr belief sich der Gesamtumsatz von Verivox auf 56 Millionen Euro.

Genau das bemängeln Kritiker an Portalen wie Verivox. Sie seien kommerziell und deshalb nicht unabhängig. So ist es gängige Praxis, dass an einige Tarifportale eine Provision fließt. Die zahlt der jeweilige Anbieter für jeden über das Portal abgeschlossenen Vertrag. Allein Verivox soll auf diesem Weg zu 500.000 Vertragsabschlüssen in den letzten acht Jahren verholfen haben.

Aus gutem Grund machen jedoch nicht alle Stromanbieter bei dem Deal mit: "Die 35 Euro Provision pro Vertragsabschluss an Verivox zahlen wir nicht", erklärt Nicole Siepert, Sprecherin von 123-Energie. Ihre Tarife tauchen so zwar bei Verivox auf, einen Vertrag kann man aber nur auf den Seiten von 123-Energie abschließen. "Ohne die Provisionszahlungen können wir günstigere Tarife anbieten", sagt Siepert. Denn schließlich sollten die Kunden profitieren, nicht die Rechner im Internet. Das zeigt: Einige Tarife sind durch Portale wie Verivox teurer, als sie eigentlich sein müssten.

Andere Vergleichsportale kommen ohne Provisionszahlungen aus - so zum Beispiel die Seite Stromtarife.de. Entwickler Norbert Allnoch, zudem Leiter des Internationalen Wirtschaftsforums Regenerative Energien (IWR), relativiert aber die generelle Aussagekraft der Tarif-Portale. "Die Rechner können immer nur eine Orientierung geben", sagt Allnoch. Es gibt einen weiteren Haken: Die Stromanbieter sind nicht scharf darauf, durch Preiserhöhungen aufzufallen. "Die Anbieter melden sich nur dann sofort, wenn es eine Preissenkung gibt", sagt Allnoch.

So verteidigt mancher Stromversorger mit alten Tarifen wenigstens für kurze Zeit den obersten Platz im Tarifrechner. Falls er nach unten rutscht, kann er sich aber helfen lassen. In der Branche wird gemunkelt, dass Verivox einige Stromkonzerne im Preismarketing unterstütze. Das ginge ganz einfach: Experten geben Tipps, wie die Tarife verändert werden müssen, damit sie im Rechner nach oben klettern.