Es gibt Menschen, bei denen sich das gesamte Leben um schnelle Autos dreht, um das Bankkonto, und was man halt sonst für ein gepflegtes Auftreten braucht. Daneben gibt es noch jene, für die nichts über ihre persönliche Freiheit geht. Anzutreffen ist diese Spezies zum Beispiel auf den entlegensten Campingplätzen dieser Welt.

Nehmen wir etwa jenen idyllischen Platz in Griechenland, wo wir mit einem betagten VW-Camper vor Anker gingen. Ein Verwandter hatte uns für zwei Wochen seinen Wagen geliehen, und wir waren hingerissen von diesem bezaubernden Flecken irgendwo auf einer griechischen Insel, die in den Reiseführern zu Recht als "Trauminsel für Campingfreunde" beschrieben wird. Die Sonne schien ohne Unterlass, und gleich um die Ecke hinter einem bewaldeten Felssporn reihten sich die weißen Sandstrände scheinbar endlos aneinander. Abends genossen wir den Blick auf die türkisgrüne Bucht, die glatt und friedlich wie ein frisch ausgezogenes Bettlaken die letzten Strahlen der untergehenden Sonne reflektierte. Außerdem lernten wir einige nette Leute kennen.

Menschen wie Giorgio aus Padova, der für seine Freiheit alles hinter sich gelassen hatte. Ich traf ihn gleich am Morgen nach unserer Ankunft vor dem Eingang des winzigen Ladens, wo es sämtliche Dinge zu kaufen gibt, die der Campingurlauber zum Überleben benötigt. Bekleidet war der 65-Jährige, der in seinem früheren Dasein bei einer großen italienischen Chemiefirma gearbeitet hat, mit einer knapp sitzenden, kurzen Laufhose, über der sich ein stattlicher, mandelbrauner Kugelbauch wölbte, und ziemlich ausgelatschten schwarzen Gummisandalen. Auf seinem kahlen Schädel glitzerte eine verspiegelte Sonnenbrille. Sonst hatte Giorgio gar nichts am Leib.

Aber gerade das sei der Grund, erklärte er leutselig, während wir in der Warteschlange für unsere Brötchen anstanden, warum er das Leben als Wohnmobilist so innig liebe. "Unter uns Campern", so der Rentner aus Padova, "schert sich keiner um Statussymbole. Niemanden interessiert es, welche Klamotten du trägst. In Korsika zum Beispiel hatten wir jahrelang unseren fixen Stellplatz neben einem Ehepaar aus Florenz." Super sympathische Leute seien das gewesen, die in einem umgebauten Lieferwagen hausten, auf dessen Ladefläche sie ihr letto matrimoniale , ein Doppelbett auf einem niedrigen Eisengestell, eingebaut hätten, weiter nichts. "Und durch Zufall", sagte Giorgio und zog dabei seine Augenbrauen hoch, dass man sofort verstand, was er damit sagen wollte, "stellt sich heraus, dass es zwei Kieferorthopäden mit eigener Praxis im Stadtzentrum sind!"

So wie Giorgio, das merkte ich bald, sind eigentlich die meisten auf dem Campingplatz. Leger, unkompliziert und äußerst kontaktfreudig. Die begehrtesten Stellplätze sind die zentralen. Die Orte möglichst nahe zum Strand, zur Bar, zu den Sanitäranlagen. Die Älteren, die nicht mehr den ganzen Tag herumlaufen oder Wassersport treiben, haben hier ihre Liegen mit Blickkontakt auf den zentralen Platz aufgestellt - und da hocken sie dann tagaus, tagein und warten auf eine günstige Gelegenheit, um neue Bekanntschaften zu schließen.