ZEIT online : Die EU-Kommission wird voraussichtlich die Stromkonzerne zwingen, ihre Stromnetze zu verkaufen oder sie einer unabhängigen Institution zu übertragen. Welches Modell favorisiert die dena?

Stephan Kohler : Den Verkauf der Netze halten wir für nicht notwendig, im Gegenteil: Das sogenannte „ownership unbundling“ ist völlig kontraproduktiv. Der Wettbewerb im Stromnetz funktioniert, wir haben eine Bundesnetzagentur, eine Zugangsverordnung und eine Nutzungsverordnung. Ich kenne keine Beschwerde eines unabhängigen Kraftwerksbetreibers, dass er keinen Zugang zum Netz bekommt. Die Pläne sind reine Energieverschwendung.

ZEIT online : Aber gibt es nicht neben technischen Hürden Blockaden anderer Art? Etwa, dass die vier großen Energieversorger neuen Mitbewerbern den Zugang erschweren, indem sie Verfahren verzögern?

Kohler: Jeder Kraftwerksbetreiber hat doch die Möglichkeit, sich sofort bei der Bundesnetzagentur zu beschweren. Und der liegen nach meinen Informationen keine Beschwerden vor.

ZEIT online: Wer käme überhaupt als Käufer für die Stromnetze infrage?

Kohler : Das können Finanzinvestoren sein oder andere Energie- versorgungsunternehmen. Aber die wollen natürlich auch eine optimale Kapitalrendite. Man kann nicht davon ausgehen, dass nach einem Verkauf die Netzpreise prinzipiell sinken werden.

ZEIT online : Was halten Sie von der zweiten Idee der EU-Kommission: Die Energiekonzerne behalten die Netze, überlassen sie aber einem unabhängigen Betreiber.

Kohler : Den können wir befürworten. Die Energiekonzerne haben ja auch einen Vorschlag gemacht, grenzübergreifende Verbundsysteme zu schaffen, etwa zusammen mit Frankreich und den Niederlanden. So soll der Netzbetrieb ausgebaut und optimiert werden. Das ist der richtige Weg – auch, um die Nutzung regenerativer Energiequelle zu verbessern. Bei Deutschlands Ausbauzielen im Bereich Windenergie werden die nationalen Grenzen zu eng. Hier brauchen wir im Stromhandel länderübergreifende Kooperationen.

ZEIT online: Sie favorisieren vor allem die „smart grids“ – intelligente Netze. Was soll das sein?