Bundesliga Kleine wollen groß sein

Stoiber statt Arminia, oder warum der Schlachtruf „Europa, wir kommen“ in Bielefeld bedrohlicher klingt als in München. Das Bundesliga-Nachspiel.

Der Freund des modernen Rasensports zuckt zusammen, wenn in deutschen Fußballstadien der Ruf „Europa, wir kommen“ erschallt. Nicht aus historischen Gründen, sondern aus sportlichen. Die deutschen Vereine haben sich in den vergangenen Jahren bei ihren internationalen Auftritten schließlich nicht gerade mit Ruhm bekleckert. In der Uefa-Fünf-Jahres-Wertung ist die Bundesliga hinter Rumänien auf Platz sechs zurückgefallen.

Und wenn jetzt ausgerechnet in Ostwestfalen dieser Ruf erschallt, dann muss einem wirklich Bange werden.

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Nach Bundesligagrößen wie Berlin und Wolfsburg hat die Arminia am Samstag auch Hansa Rostock niedergekämpft, jenen Verein von der Ostseeküste also, der sich irgendwie aus Versehen in die Bundesliga gekickt hat. Ein Eigentor, eine Vorlage vom Gegner und noch zwei Abwehrfehler, schon träumen die Fans auf der Bielefelder Alm von der Champions League, als erster Verfolger der Überbayern beziehungsweise Bester vom Rest der Liga.

Nun ist es keinesfalls so, dass man den Kickern von Dnepr Dnepropetrovsk oder Litex Lovech einen Besuch der schönen Kleinstadt am Rande des Teutoburger Waldes missgönnen würde, reisen bildet bekanntermaßen. Aber sportlich klingt es eher wie eine Drohung, wenn Mannschaften, die ihre begrenzten fußballerischen Möglichkeiten zum Programm erhoben haben und einen Trainer ohne Führerschein beschäftigen, vom internationalen Geschäft träumen.

Wobei man natürlich fragen kann, wer überhaupt noch Angst hat vor dem deutschen Vereinsfußball. Die drei Champions-League-Vereine, die in der Woche die Ehre des deutschen Fußballs retten sollen, liegen in der Liga mit jeweils sieben Punkten einträchtig im Mittelfeld. Stuttgart hatte am Samstag Mühe mit einem Ostklub, Schalke trotzte immerhin den Bayern einen Punkt ab, weil deren brasilianischer Verteidiger Lucio lieber Stürmer wäre und nicht davon lassen kann, Ausflüge in die gegnerischen Hälfte zu unternehmen. Prompt verlor er den Ball und Ivan Ratic bedankte sich mit einem Schuss aus 22 Metern. Nur mit einem gemeinsamen Kraftakt nach einem Freistoß von Ribéry gelang dem Traumsturm Klose-Toni noch der Ausgleich.

Und Werder? Am Dienstag müssen die Bremer bei Real Madrid ran. Die Generalprobe ging gründlich daneben. Die Bremer Verteidiger standen am Freitag in Dortmund so lustlos neben ihren Gegenspielern, dass die Borussen ihnen problemlos drei Tore innerhalb von zehn Minuten einschenken konnten. Drei Konter, drei Treffer. Zwei Mal Petric, ein Mal Klimowicz. Nur wenn sich die Madrilenen am Freitag beim Zuschauen kaputtgelacht haben, hat Werder im Bernabéu-Stadion eine Außenseiter-Chance. Aber ein schöner Ausflug könnte es trotzdem werden, Madrid ist immer eine Reise wert.

Leser-Kommentare
  1. Mensch, was ist denn mit der Zeit-Redaktion los? Seit Wochen wird da unbarmherzig auf die armen Arminen losgetrümmert: Erst der etwas missglückte Versuch von Frau Boie, dann Herrn Rufs abwertender Text und jetzt stimmt auch Herr Seils noch ein. Fast möchte man meinen, die Zeit-Redaktion hätte sich bei einem Ausflug ins Ostwestfälische den Magen kollektiv an ranzigem Pickert verdorben. Dagegen hilft in jedem Fall ein wenig Contenance. Denn was ist denn passiert? Ein kleiner Verein aus der Provinz hat am Ende der letzten Saison und am Anfang der aktuellen ein paar Spiele gewonnen. Das ist doch schön! Überraschungen tun dem Fußball gut, gerade dann, wenn die Kleinen die Großen ärgern und ein Team mit geringen finanziellen Möglichkeiten aus diesen das Beste macht. Das galt einst für Freiburg oder Mainz und das sollte jetzt auch für Bielefeld gelten. Wo man übrigens mitnichten von Europa redet. Sondern von Punkten gegen den Abstieg.
    Liebe Zeit-Mitarbeiter daher mein Tipp: Statt die Bielefelder Erfolge so kleinkariert und fast beleidigt zu verdammen, solltet ihr den Jungs wenigstens ein ganz kleines Bisschen Respekt entgegen bringen. Und von Pickert würde ich ohnehin die Finger lassen.

    • ben_
    • 17.09.2007 um 12:13 Uhr
  2. Mmmmmh, Selbstironie ist manchmal schwer zu erkennen ...
    Der Bielefelder Anhängerschaft ist durchaus bewusst, dass die Möglichkeit des internationalen Geschäfts genauso weit entfernt ist wie die Chance auf eine fehlerfreie, rethorisch perfekte Stoiber-Rede.
    In einer Saison, die schon vor dem Start wegen der Bayerübermacht als eine der eintönigsten auserkören wurde, macht es durchaus Spass ein paar Überraschungen zu erleben. So rangieren Mannschaften mit Minimaletat als Bayernjäger in den oberen Tabellenregionen und lassen somit so manches Team mit überbezahlten Stars hinter sich zurück. Dass dies nur bedingt duch ein leichtes Anfangsprogramm möglich ist und sich bis Ende der Saison wieder relativiert haben wird, sollte eigentlich jedem bewusst sein. Zumindest in Bielefeld ist dies der Fall.
    Mich persönlich gruselt es eher bei der Vorstellung durch Herrn Stoiber auf europäischer Bühne vertreten zu werden (obwohl, eintönig war/ist es mit diesem Bayern eigentlich nie ;-) ).

    Dann recken wir mal weiterhin jeden Spieltag die Papp-Meisterschale gen Himmel und grüßen den Rest der Liga als Bayernjäger Nummer 1!

    PS: Vielleicht steckt auch einfach nur rechnerisches Kalkül hinter diesen Arminia-Kritiken: Da Arminia laut irgendeiner Umfrage neuerdings als unbeliebtester Verein gehandelt wird, kann man doch davon ausgehen, das mindestens 95% der Leser dieser Kommentare zustimmend grinsen werden.
    Naja, wie im Ligaalltag hat dieses 'Zeit-Spiel' nun auch nicht unbedingt was mit Fairplay zu tun .

  3. Bielefeld hat deutlich über 300.000 Einwohner - nach allen mir bekannten Maßstäben ist das keine Kleinstadt - weder formal noch vom Eindruck her. Merke: auch Fußballzwerge können aus Großstädten kommen.

  4. Genau genommen ist dieser seltsame Kommentar von Herrn Seils mit "schwach" noch recht wohlwollend beschrieben.
    Nicht viel Substanz außer einer gewissen Bräsigkeit und einer ordentlichen Portion Missgunst gegenüber einem Verein, der mit seinen begrenzten finanziellen Möglichkeiten und einem etwas kauzigen Trainer nach dem fünften Spielag 14 Plätze vor einer Mannschaft liegt, die für die aktuelle Saison einen ehemaligen Meistertrainer und neue Spieler im zweistelligen Millionenwert eingekauft hat.

    Nebenbei möchte auch ich erwähnen, dass in meinem ostwestfälischen Umfeld wirklich niemand ernstlich vom UEFA-Cup spricht, sondern von Punkten gegen den Abstieg. Je früher man die nötigen Punkte gesammelt hat, desto besser. Einen guten Einstieg in die Saison hatte man ja schon letztes Jahr, Heimsieg gegen Bayern München inklusive. Wie schnell man sich schon zum Ende der Hinrunde im Abstiegskampf wiederfinden kann, ist auch allen noch gut in Erinnerung. Da ist man in Bielefeld durch reichlich Enttäuschungen in der Vergangenheit wohl von Natur aus etwas realistischer als nach fünf Spieltagen, in denen man auch von den schwachen Vorstellungen eines Großteils der restlichen Vereine profitiert hat, ernstlich über das internationale Parkett zu fabulieren.

    Trotzdem: Wenn man vor dem obligatorischen Abstiegskampf für die eine oder andere Überraschung sorgen und die Einkäufer finanziell erheblich besser gestellter Vereine ärgern kann - umso besser. Da man sich in Bielefeld sonst jedes Jahr nur über den mühsam erarbeiteten Klassenerhalt freuen kann, sei den Provinzlern der Spaß bis dahin doch gegönnt.

    P.S. Dass der Autor außer Vorurteilen nicht viel über Bielefeld weiß, zeigt sich auch darin, dass er einerseits Bielefeld als schöne Kleinstadt bezeichnet. Einerseits liegt man - wie schon von einem Vorredner erwähnt - ganz knapp über der Kleinstadtgrenze. Andererseits ist schön nun wirklich nicht das passende Wort für Bielefeld. Beschaulich, vielleicht. Stellenweise hübsch (Altstadt, Ravensberger Park) auch. Aber nicht schön.

    _____
    StGB §328, Absatz 2.3:
    Mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe wird bestraft, wer eine nukleare Explosion verursacht.

  5. Es ist ja schon eigentlich alles nötige gesagt zu den Ergüssen von Herrn Seils. Wir sollten ihn mal auf die Alm einladen, damit er auch mal ein Fussballspiel live sieht. Vielleicht kann er danach ja über Fussball mitreden. Oder besser noch: er soll doch mal den Ball vom Tor abstossen und wenn er bis über die Mittellinie kommt, gebe ich ihm ein Bier aus.
    Im übrigen: Viele Grüße an Rostock, Hertha und Wolfsburg, das sind dann ja wohl richtige Grottenvereine!

    • ROLF59
    • 17.09.2007 um 14:25 Uhr

    Lieber Schreiberling,
    die Ignoranz der Medien ist ein wesentlicher Faktor, warum Arminia Bielefeld von den finanzstarken "Supermannschaften" regelmäßig unterschätzt wird. So wurde Bayern München aus dem Pokal geschossen und vor fast genau einem Jahr (16.9.06) mit einer verdienten Niederlage ins große Glamour-München nach hause geschickt. Wie übrigens in der gleichen Saison auch Werder Bremen.

    Der gesamte Jahresetat von Arminia Bielefeld dürfte sich ungefähr in der Größenordnung des Kaufpreises eines Frank Ribery bewegen und niedriger sein als die Millionen, mit denen VW den Wolfsburger Werksklub subventioniert.

    Kein Armine träumt von Europa oder davon, den 1-Punkte-Abstand auf die Bayern bis Saisonende zu halten, aber es wäre ein gefühlter Championsleague-Sieg, wenn Arminia den 6-Punkte-Vorsprung gegenüber der Wolfsburger Millionentruppe halten oder gar ausbauen könnte.

    Um dies zu erreichen, freuen wir uns auf weitere kleingeistige Kommentare aus den Großstädten und den Fortbestand der bundesweiten Ignoranz gegenüber unseren "kleinstädischen Rumpelfußballern".

    MfG

    R.Ullmann

    PS:
    Wenn Sie einmal Lust haben der Grabestille der ALLIANZ Arena zu entfliehen und in einem kleinen Stadion stimmgewaltige Fußball-Atmosphäre erleben möchten, lade ich sie gern zu eine Arminen-Heimspiel ein.

  6. Ich würde gern wissen ob der Herr Seils darüber nachdenkt was er schreibt. Naja Bielefeld Kleinstadt, Ostwestfalen Provinz...jaja das kann ich gerne Verzeihen. Zwar ist Bielefeld mit 330 000 einwohnern eine großstadt die ständig wächst und ostwestfalen ist wirtschaftlich gesehen ein sehr wichtiger standort, aber interessiert ja nicht großartig.

    Nun bin ich aber etwas genervt von diesen artikeln hier. ich würde gerne mal wissen welche vereine die herrschaften hier teilweise vertreten. Preußen Münster?

    Naja ich denke vorurteile werden hier groß geschrieben. ich denke die sportredakteure haben entweder keine ahnung von fußball oder wollen es nicht zeigen. Wenn sie mal etwas distanziert die ganze sache betrachten würden, dann würden sie mächtig respekt vor arminia und deren fans haben. kein verein hat aus so wenig so viel gemacht und kaum gibt es andere fans die so treu waren wie die arminen die jahrzehnte lang leiden mussten!!!

    Deswegen ist es mal wieder eine frechheit auf arminia zu schimpfen ohne irgendeinen plausiblen grund dafür zu nennen warum der verein so öde sein soll.

    Aber nicht schlimm, es gibt halt immer wieder Medien wo die Sportabteilung von Menschen geführt wird die eher über klatsch und tratsch berichten sollten.

    Brett vor der Birne?

    ES KANN GEHOLFEN WERDEN!
    Ab in den Baummarkt!

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