MigrationEuropäische Greencards?

EU-Justizkommissar Franco Frattini plant, 20 Millionen Arbeitssuchende aus Asien und Afrika in Europa aufzunehmen

Wenn es nach dem Willen von Europas Justizkommissar Franco Frattini geht, müsste der Umgang Europas mit Einwanderung und Integration neu überdacht werden. Er fordert nach einem Bericht der Financial Times , die Einwanderungsgesetze der Mitgliedsstaaten zu erleichtern und die Türen für bis zu 20 Millionen Arbeitssuchende aus Asien und Afrika in den nächsten zwei Jahrzehnten öffnen.

Nächsten Monat will Frattini seine Pläne zu einer sogenannten Blue Card vorstellen, die locker an das System der amerikanischen Green Card angelehnt ist. Demnach sollen qualifizierte Arbeitskräfte einen Zwei-Jahres-Aufenthalt beantragen können, der gegebenenfalls verlängert werden kann. Nach fünf Jahren, so der Vorschlag Frattinis, sollen sie einen permanenten Aufenthaltsstatus erhalten. Illegale Einwanderung müsste gleichzeitig härter bekämpf werden.

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Zunächst will der Justizkommissar den für Einwanderung zuständigen EU-Ministern am Freitag in Lissabon diesen Vorschlag unterbreiten. Anstatt Arbeitswillige aus dem Ausland abzuwehren, könnte die EU nach seinen Vorstellungen diese auch genauso gut willkommen heißen. Nebenbei würde man für die Arbeitssuchenden so auch ein sichereren Weg schaffen, nach Europa zu immigrieren, ohne dabei ihr Leben aufs Spiel zu setzen. Frattini betonte gegenüber der Financial Times , dass Einwanderer nicht mehr als Bedrohung gesehen werden dürften, sondern, wenn die Einwanderungspolitik gut geregelt sei, als Bereicherung und unausweichliches „Phänomen dieser Zeit.“

Während Frattini betont, dass generell alle Arbeiter erwünscht seien, sagt er dennoch, dass 85 Prozent der ungelernten Kräfte in Europa und nur fünf Prozent in den USA landen würden. Hingegen strebten 55 Prozent der qualifizierten Arbeiter in die USA, lediglich fünf Prozent wollen nach Europa. Das Ziel muss laut Frattini sein, diese Verhältnisse umzukehren. Europa konkurriere mit Australien, Kanada, den USA und den aufstrebenden Ländern Asiens und benötige daher dringend qualifizierte Arbeitskräfte. Besonders Deutschland, Italien und Ungarn, da dort die Bevölkerung überaltere. Sollte sich Frattini durchsetzen, könnte sich der Anteil der im Ausland geborenen EU-Bürger verdoppeln.

In Deutschland kündigte Bundesarbeitsminister Franz Müntefering (SPD) in der Haushaltsdebatte im Bundestag die Öffnung des Arbeitsmarktes für Elektro- und Maschinenbauingenieure aus den neuen EU-Beitrittländern zum 1. November an. Für diese Fachkräfte entfalle die bisherige Nachrangigkeits-Prüfung. Damit soll dem Facharbeitermangel in diesen Sektoren begegnet werden.

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Leserkommentare
  1. Man sieht, die Kommission folgt speziellen Wirtschaftsinteressen - und sonst nichts.

    1. Ich fordere die Greencard für Hartz-IV-Empfänger.
    2. Ausbildung für die gleiche Gruppe.
    3. Da unser Land auf den qm bezogen, mindest leicht übervölkert ist, fordere ich 10% weniger an Bevölkerungsdichte als Ziel.
    4. Schutz für afrikanische und asiatische Länder gegen Diebstahl (im Sinne von illegitimer Abwerbung) der dortigen Eliten. Das ist das Gegenteil von Entwicklungsenhilfe.
    4. Einen verbindlichen Mindestlohn für alle. Lohndumping aufgrund der "Frattini-Globalisierung" (Import von Arbeitskräften) ist strafbar. Anpasung des Unternehmensstrafrechts - Wer Mindestlöhne unterschreitet macht sich außerdem Schadensersatzpflichtig - Offizialdelikt.
    5. Rückritt des EU-Justizministers wegen außerordentlicher Dummheit oder Schädigung des Allgemeinwohls.

    Welcher Deppen-Partei gehört dieser Mann eigentlich an?

    Viele Grüsse
    Bernhard Schülke

  2. Simple Sache, nicht wahr? Also man druckt einfach 20 Millionen blaue Karten, und schon drängeln sich statt der bisherigen 5% gleich 95%, während die Länder, die bisher 95% aller Fachkräfte (darunter viele deutsche) anzogen, dann nur noch 5% bekommen.

    Unter allen idiotischen Ideen schießt diese zweifellos den Vogel ab. In Wahrheit gehen hochqualifizierte Fachkräfte natürlich stets dahin, wo man ihnen die besten Arbeitsbedingungen bietet, nicht wo man die hübschesten blauen Karten druckt.

    • KHJ
    • 13. September 2007 21:42 Uhr

    EU-Justizkommissar Franco Frattini (SPD) plant, 20 Millionen Arbeitssuchende aus Asien und Afrika in Europa aufzunehmen.

    Dieser Skandal gegenüber den EU-Bürger ist mehr als unverschämt und abstoßend. Die abgehobene Brüsseler Politik-KLasse gehörte sofort abgeschaft. Deutschland - trete sofort aus der EU aus!

    • exi2
    • 14. September 2007 1:30 Uhr

    Frattinis großes Argument ist die Überalterung in knapp 30 Jahren! Aber jeder der heute ins Land geholt wird, der wird in 30 Jahren ebenfalls zu diesen Alten gehören. Außer, ja, außer er wäre heute minderjährig, mithin nicht qualifiziert, also nicht das was Frattini will.
    Anstatt die Alten von Morgen ins Land zu holen, sollte Frattini den Jungen und Ungeborenen von Heute eine Chance geben. Er müßte nur den Mittelalten von Heute die Möglichkeit bieten mit einem (1) Einkommen zwei Erwachsene und mehrere Kinder zu versorgen. Diese Möglichkeit hatte die Generation von Frattini und Europa gedieh. Die Generation von Frattini hat dann den eigenen Kindern diese Option genommen, seither degeneriert Europa.

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  • Schlagworte Europäische Union
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