Eigentlich ekeln wir uns ja gerne. Anders ist kaum zu erklären, warum die Medien jede Entdeckung von Gammelfleisch fast schon genüsslich auswalzen. Gewiss, es ist wirklich nicht lecker, was es da zu vermelden gibt. Gerade kürzlich wieder: 180 Tonnen verdorbener Döner wurden dingfest gemacht, ausgerechnet in Berlin, der Hauptstadt des Faustschmauses. Da ist die Aufregung natürlich groß. Andererseits: Gammelig heißt ja nicht gleich giftig .

Sei's drum. Die Verbraucherschutzminister von Bund und Ländern sind auf jeden Fall alarmiert, sie brüten zurzeit in Baden-Baden darüber, wie man die deutschen Fleischesser besser gegen Gammelware schützen kann. Nicht nur, weil dem Volk so übel ist. Sondern auch, weil es die EU so will. Die Politik muss eine EU-Richtlinie zur besseren Kennzeichnung von Fleischprodukten umsetzen.

Der erste Vorschlag kam prompt: Schlechtes Fleisch wird einfach angemalt! So fordern es die unionsgeführten Länder. Vom 1. Juli 2008 an soll minderwertige Ware dauerhaft mit Lebensmittelfarbe getüncht werden. Das klingt erst einmal logisch. Verdorbenes können die Kontrolleure so leichter entdecken. Selbst wenn sie versagen: Spätestens wenn ein grünes Steak auf dem Teller landet, ist auch dem Endverbraucher klar, dass da etwas nicht stimmt.

Doch ein CDU-Mann schert aus: Niedersachsens Landwirtschaftsminister Hans-Heinrich Ehlen ist dagegen, Gammelfleisch in den Farbtopf zu werfen. Denn die Hersteller von Tiernahrung verwenden minderwertiges Fleisch durchaus noch weiter, verdienen Geld damit und zahlen dafür Steuern. Doch wer möchte seiner Katze schon blaues Whiskas zumuten? Wird das Fleisch gefärbt, wähnt Ehlers sorgenvoll, sei darum die Tiermittelindustrie in Gefahr.

Da nützt es auch nichts, darauf hinzuweisen, dass Lebensmittelfarbe sowieso in fast allem ist, was wir essen. Auf der schönen bunten Geburtstagstorte und in gelben Nudeln genauso wie in grünem Salat. Natürlich auch in Süßigkeiten, allem voran in den geliebten Gummibärchen. Aber daran haben wir uns eben gewöhnt. An blaues Katzenfutter nicht.

Darum schlägt der Landwirtschaftsminister eine unsichtbare Markierung vor: Fluoreszierende Stoffe sollen im Makelmett grell aufleuchten, wenn es mit einer UV-Lampe beschienen wird. Ansonsten merkt man nichts davon.

Ob das aber eine gute Idee ist? Zwar werden Deutschlands Tierbesitzer nicht jede Dose Futter unters Schwarzlicht halten, um sich von dem leuchtenden Mahl stellvertretend für ihre lieben Viecher den Appetit verderben zu lassen. Aber sie wissen ja, dass Fremdstoffe im Fressen sind. Die strahlen dann auch noch! Da stirbt doch der Lieblingshamster bestimmt noch früher an Krebs. Es ist so sicher wie das Amen in der Kirche: Auch fluoreszierendes Whiskas würde zum Ladenhüter.

Was also tun, damit Ekelschnitzel zwar nicht auf menschliche Teller, aber in zerschnetzelter Form doch in tierische Fressnäpfe gelangen kann? Vielleicht sollten die Verbraucherschutzminister in der Wissenschaft nachfragen. Dort arbeitet man nämlich fieberhaft an einem Gammelfleisch-Detektor . Der wird Gut von Schlecht unterscheiden können, ohne dass dazu tonnenweise Nahrung eingefärbt werden muss.

Wie eine Art Laserpistole könnte der Ekelfleischfinder einmal aussehen. Er beschießt den Muskelzellhaufen kurz mit Licht und misst dann, was zurückkommt. An der Farbe der reflektierten Strahlung lässt sich feststellen, ob sich das Fleisch chemisch verändert hat. Sprich: Ob es noch frisch ist, oder nicht. Das ginge in Sekunden. Färbung unnötig.

Einziger Haken an der Sache: Den Gammeldetektor gibt es noch nicht. Aber schon Mitte nächsten Jahres wollen die Forscher ein erstes Vorzeigemodell fertig haben. Vorher sollte die neue Färberegel nach dem Willen der Minister ja auch nicht greifen. Zeit wäre also keine verloren.

Eigentlich liegt die Lösung damit auf der Hand: High-Tech gegen Ekelfleisch. Lasst die Förderbänder anlaufen und produziert die besten Gammeldetektoren der Welt! Das wäre nicht nur gut für Scharen von Fleischfreunden, sondern auch für die Wirtschaft. Einen Technologie-Schub können wir doch in Deutschland ohnehin gut gebrauchen. Da ist jeder Anlass recht. Danke, Ekel!