New York Gotham Citys Helden

In ihrer neuen New-York-Kolumne "Gotham Gossip" schildert Eva C. Schweitzer ihren politisch-unpolitischen Alltag. Erste Folge: Warum Bloomberg so beliebt ist

Als vor sechs Jahren die beiden Flugzeuge in das World Trade Center schmetterten, war wunderbares Herbstwetter, Indian Summer. In dieser Woche hingegen, am Jahrestag, pladderte der Regen herab, als wirbelte ein Zyklon über Manhattan. Schwarzer Himmel.

Ich fahre an diesem 11.9. (mit der U-Bahn) zur Historical Society, am Central Park, zu einer Ausstellung über Nine-Eleven. Viele Fotos, zerstörte Teile von Feuerwehrfahrzeugen, verbogene Stahlteile von den Twin Towers. Sehr anrührend, aber doch ein Fenster in eine andere, wildere Zeit, so wie damals, als die Mauer fiel oder Rudy Giuliani noch Bürgermeister von New York war.

Anzeige

Giuliani hat am Morgen, auf der verregneten Feier bei Ground Zero, ein paar Worte gesprochen. Hinter den Kulissen wird zäh darum gekämpft, wer der wirkliche „Bürgermeister Amerikas“ ist (so wurde Giuliani damals genannt). Giulianis Angstgegner ist allerdings nicht Hillary Clinton, sondern Michael Bloomberg, sein Nachfolger.

Bloomberg - der Giulianis Effektivität für Recht und Ordnung noch übertrifft, aber ohne dessen rassistisch gefärbte Bösartigkeit - will, wie Giuliani, Präsident werden. Wahrscheinlich. Offiziell dementiert er es noch, aber die Zeichen sind an der Wand, so hoch wie das Empire State Building.

Bloomberg ist cool. Giuliani schürt die Terrorangst der Amerikaner, um sich als der Jack Bauer aus der Serie „24“ unter den Kandidaten präsentieren zu können (und nebenbei ganz gut zu verdienen, indem er Firmen berät, die Anti-Terror-Equipment verkaufen). Doch Bloomberg sagt uns New Yorkern, das Leben gehe weiter und wir sollen uns nicht verrückt machen lassen.

Leser-Kommentare
  1. Offenbar sind die beiden Clintons als zugereiste "Beute-New Yorker" (sie aus Chicago, er aus Arkansas) in der Stadt selbst gar nicht so beliebt wie die beiden Bürgermeister, die sich unters Volk mischen und im schnodderigen New Yorker Dialekt mit den Leuten reden. Frau Clintons Stimmen kommen wohl eher aus den Industriestädten des (sehr ausgedehnten) gleichnamigen Staats, den sie als Senatorin vertritt.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    In H. Clinton's Autobiographie 'Gelebte Geschichte' ist gegen Ende des Buches nachzulesen, dass Giuliani bei der Senatswahl im Jahr 2000 'fast gar keinen Wahlkampf' betrieben hatte, sondern 'faul' gewesen war und sich mit wenigen Veranstaltungen innerhalb N.Y.C. begnügte. Gerade diese Tatsache machte sie sich zunutze, indem sie bewusst 'alle 62 Counties' (Wahlbezirke) des Staates New York bereiste. Sie schreibt weiter, Giuliani habe sich seinen Namen allein nach der Katastrophe 9-11 als 'Tröster der Nation' gemacht, aber auch dadurch, dass während seiner beiden Amtszeiten als Bürgermeister, durch eine massive Aufstockung der Polizeipräsenz, 'Gotham City' wieder zu einer 'ausgehsicheren Stadt' wurde! Bill's Funktion gegenüber der Senatorin Clinton ist *lediglich* die eines politischen Beraters. Icarus

    In H. Clinton's Autobiographie 'Gelebte Geschichte' ist gegen Ende des Buches nachzulesen, dass Giuliani bei der Senatswahl im Jahr 2000 'fast gar keinen Wahlkampf' betrieben hatte, sondern 'faul' gewesen war und sich mit wenigen Veranstaltungen innerhalb N.Y.C. begnügte. Gerade diese Tatsache machte sie sich zunutze, indem sie bewusst 'alle 62 Counties' (Wahlbezirke) des Staates New York bereiste. Sie schreibt weiter, Giuliani habe sich seinen Namen allein nach der Katastrophe 9-11 als 'Tröster der Nation' gemacht, aber auch dadurch, dass während seiner beiden Amtszeiten als Bürgermeister, durch eine massive Aufstockung der Polizeipräsenz, 'Gotham City' wieder zu einer 'ausgehsicheren Stadt' wurde! Bill's Funktion gegenüber der Senatorin Clinton ist *lediglich* die eines politischen Beraters. Icarus

  2. In H. Clinton's Autobiographie 'Gelebte Geschichte' ist gegen Ende des Buches nachzulesen, dass Giuliani bei der Senatswahl im Jahr 2000 'fast gar keinen Wahlkampf' betrieben hatte, sondern 'faul' gewesen war und sich mit wenigen Veranstaltungen innerhalb N.Y.C. begnügte. Gerade diese Tatsache machte sie sich zunutze, indem sie bewusst 'alle 62 Counties' (Wahlbezirke) des Staates New York bereiste. Sie schreibt weiter, Giuliani habe sich seinen Namen allein nach der Katastrophe 9-11 als 'Tröster der Nation' gemacht, aber auch dadurch, dass während seiner beiden Amtszeiten als Bürgermeister, durch eine massive Aufstockung der Polizeipräsenz, 'Gotham City' wieder zu einer 'ausgehsicheren Stadt' wurde! Bill's Funktion gegenüber der Senatorin Clinton ist *lediglich* die eines politischen Beraters. Icarus

    Antwort auf "New Yorker Politik"

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

  • Seite 1 | 2 | Auf einer Seite lesen
  • Quelle ZEIT online
  • Kommentare 2
  • Versenden E-Mail verschicken
  • Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
  • Autoren abonnieren RSS-Feed
  • Artikel Drucken Druckversion | PDF
  • Schlagworte Alltag
  • Artikel-Tools präsentiert von:

Service