Musikkongress Kommt zum Pop!

Wie hören wir in Zukunft? Und wie gesundet die angeschlagene Musikbranche? Fragen, die in dieser Woche auf der Popkomm in Berlin diskutiert werden. Wir berichten täglich von der Messe

Es sitzt sich so nett auf einem Wirtschaftszweig, der von Austausch und Geselligkeit lebt. So lautete ein verbreitetes Vorurteil, das die Musik- und Medienbranche über Jahre zu einem beliebten Arbeitgeber machte. Bis es keine Arbeit mehr gab, weil illegale Downloads das Geschäft verhagelten.

Vor 25 Jahren brachte die Einführung der CD der Branche den Aufschwung. Viele Hörer stellten damals ihre Vinylsammlung auf digitale Tonträger um. Heute hat die mp3-Datei das CD-Format überholt , sie ist als Download im Internet sogar gratis zu finden. Das Konzeptalbum als Gesamtwerk weicht dem einzelnen Hit, denn Musik wird ganz anders gehört als in der silbernen CD-Ära. Der Klang löst sich vom Tonträger und erreicht die Konsumenten auf dem Schulhof über das Mobiltelefon oder zu Hause am Computer.

Wie geht es also weiter? Saugen wir in Zukunft unsere Musik per Kultur-Flatrate aus dem Netz? Hören wir Brahms auf dem Handy ? Wo entlang führt der Weg aus der Krise? Derlei Fragen werden in dieser Woche auf der Popkomm in Berlin verhandelt, einer Musikmesse mit angeschlossenem Festival.

Etwa 400 Bands spielen vom 19. bis 21. September auf offiziellen Popkomm-Abenden. Zeitgleich wimmelt die Stadt vor unbekannten Musikern, denn wo sich die Musikmanager versammeln, wird man leichter entdeckt. Anwälte, Vertriebsleiter, Promoter, Konzertagenten, Journalisten, Lizenzgeber und -nehmer sowie Vertreter der Plattenfirmen hören tagsüber Messevorträge und abends Konzerte.

Plattenfirmen gibt es heute mehr denn je. In Schlaf- und Wohnzimmern wird am Heimcomputer eine überwältigende Vielfalt produziert. Der Musiker ist nun sein eigener Manager. Doch auf der Popkomm fehlen die kleinen Labels. Sie machen Kunst und keine Geschäfte . Die Veröffentlichung ihrer Musik ist ihnen wichtiger als der Absatz. Da reicht das Geld kaum für eine Reise und einen Messestand. Die Musikbranche ist ohne Mittelstand. Die von den vier großen Medienkonzernen Sony/BMG, Universal, EMI und Warner unabhängigen Firmen kämpfen um ihre Existenz .

Das bildet sich auch in der Teilnehmerliste der Popkomm ab: wenige Labels, dafür Obskures. Was suchen die Icelandic Airways auf der Musikmesse? Warum nehmen  Beate-Uhse.tv und das Fernfahrerblatt Coupé teil? Selbst die Bundeswehr ist akkreditiert. Man kommt eben zum Pop!

Und wenn der Pop gar nicht mehr hier spielt? Egal. Wichtig ist den Veranstaltern die Teilnehmerzahl, und die wird wieder neue Höhen erreichen. Letztes Jahr waren es schon über 15.000 Fachbesucher. Man wird sich auf die Schulter klopfen – trotz Krise.

Drei Tage lang schwirren Anglizismen durch die Berliner Luft. Endlich können Business-English und Entertainment-Jargon aufgefrischt werden. So bietet der Kongress „den Fachbesuchern hochkarätig besetzte Panels und Keynote-Speaker aus der Champions League der Musikbranche“.

Wir werden popkommkompetent davon berichten – täglich auf zeit.de/musik .

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Leser-Kommentare
    • iDog
    • 19.09.2007 um 22:49 Uhr

    nicht die "illegalen downloads" haben die branche zerstoert, sondern die branche hat sich von innen heraus selber disqualifiziert. wer jahrzehntelang das eigene kapital sprich das kulkturgut zu waschmittel degradiert und auch wie dieses an den konsumenten zu bringen sucht, braucht sich nicht zu wundern, wenn die konsumenten ihrerseits dises "produkt" dann irgendwann auch wie waschmittel behandeln und entsprechend seiner entwertung benutzen. die gesetzeslage spielt da eine eher untergeordnete rolle.
    Dass die ganzen kleinen idealistischeren labels und vor allem die musiker selber mit in diesen strudel geraten sind, ist schade. aber genau die werden letztendlich mit ihrer kreativen fexibilitaet einen ausweg finden - die majors dagegen nicht - moegen sie untergehen!

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