In Osnabrück, viele wissen das, lebten bis vor kurzem die glücklichsten Menschen Deutschlands . Dieser Befund gilt nicht mehr. Ich habe alle Autorität, das zu sagen, denn: ich wohne dort, und ich bin seit August 2007 unglücklich. Weil ich Raucher bin.

Das Dilemma ist schnell erklärt: Osnabrück liegt in Niedersachsen, und somit in einem der beiden Bundesländer, in denen schon seit über sechs Wochen praktisch nirgends mehr eine Zigarette angezündet werden darf. Baden-Württemberg ist ebenfalls im August qualmfrei geworden. Fast der ganze Rest der Republik darf noch bis 2008 weiterpaffen, dann aber ist auch dort Schluss.

Wir hätten wohl eher begreifen müssen, was das eigentlich heißt: Nichtraucherschutzgesetz. Um als Raucher die Tragweite des Verbots wirklich zu verstehen, reicht es eben nicht, davon in der Zeitung zu lesen. Man muss es fühlen, körperlich. Man muss nicht mehr rauchen dürfen.

Rein verstandesmäßig war uns ja bewusst, was kommen würde. Niemand kann sagen, er wäre nicht gewarnt worden. Aber die Debatte um den Qualm war immer ein wenig nebulös geblieben, mit all ihren Ausnahmen und Sonderregelungen, Geltungsbereichen und Fristunterschieden. Ein Großthema, zersiedelt und verstreut auf sechzehn Bundesländer. Bis zum Inkrafttreten des Gesetzes konnte man denken, dass das alles so schlimm nicht sei. Man würde sich arrangieren. Es würde doch Raucherzonen geben, vielleicht auch Raucherlokale. Das klang fair, das klang nach Koexistenz, man konnte sich beruhigen. Beinahe unbemerkt kam und verstrich denn auch in Niedersachsen der Stichtag. Es schien noch die Sonne, man saß draußen, rauchte weiter und merkte wenig vom Verbot.

Das hat sich inzwischen geändert. Das Wetter ist schlechter geworden, es regnet jetzt, und der eiskalte Wind des faktischen Rauchverbots schlägt uns die Zigaretten aus den Gesichtern. Da sitzt man nun, auf der Straße, in Osnabrück, hat die Praxis dieses Gesetzes vor der Nase und stellt ernüchtert fest: es ist rigoros, umfassend, einschneidend. Die Raucher, also beinahe 30% der erwachsenen deutschen Bevölkerung, können einpacken.

Niemand hat ja ernstlich bezweifelt, dass Nichtraucher mehr Schutz verdienen. Dass in der Gastronomie eigentlich durchweg hemmungslos gequalmt werden konnte (und wurde), war eine Zumutung für nichtrauchende Gäste und Bedienungen. Nun aber sind es die Raucher, die mit Zumutungen leben müssen, und durchaus mit solchen, die ihnen den Spaß am Glimmstängel endgültig verleiden können.