Schleswig-Holstein Minister opfert sich

Ein Bruch der Großen Koalition in Kiel ist vorerst abgewendet. SPD-Innenministers Ralf Stegner wird im Januar 2008 sein Amt räumen. Die CDU ist erleichtert, Kurt Beck auch.

CDU und SPD in Schleswig-Holstein haben ihre bislang schwerste Koalitionskrise beigelegt. Der in die Schusslinie der Union geratene Innenminister Ralf Stegner (SPD) bot am Montagabend bei einem Krisentreffen an, zum 15. Januar 2008 das Kabinett zu verlassen. Das teilte Ministerpräsident Peter Harry Carstensen (CDU) nach dem Treffen der Spitzen beider Parteien in Rendsburg und einer Sitzung des CDU-Landesvorstands mit.

Stegner begründete seinen Rückzug mit dem Wahlkampf 2010: Er wolle die von ihm angestrebte Spitzenkandidatur zur Landtagswahl 2010 nicht aus einem Regierungsamt heraus führen. Dies gebe ihm die "Freiheit, den Wahlkampf so zu führen, wie es seinem Naturell entspricht", sagte er. Voraussichtlich im Januar wird der SPD-Landesvorstand eine Empfehlung für seine Nachfolge als Innenminister abgeben. Bis dahin bleibt Stegner im Amt.

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Auslöser für die Krise war ein Streit um die Kritik Stegners an Entscheidungen der Koalition. Die CDU warf Stegner einen Konfrontationskurs innerhalb der Regierung vor. Ministerpräsident Peter Harry Carstensen (CDU) hatte die SPD aufgefordert, ihren Landesvorsitzenden als Minister zurückzuziehen.

Stegners Entscheidung gingen offenkundig auch Gespräche mit der Bundesspitze der SPD voraus. Nach Worten des SPD-Vorsitzenden Kurt Beck trat Stegner zurück, um den Fortbestand der Großen Koalition in Kiel zu sichern. Den Menschen wäre eine Minderheitsregierung der CDU oder eine andere Phase der Unsicherheit nicht zuzumuten gewesen, sagte Beck. Das Ende der Koalition in Kiel galt für den Fall als sicher, dass Stegner auf dem Amt des Innenministers bestanden hätte. Seine Entscheidung sei allerdings nicht aus Berlin beeinflusst worden, versicherte Stegner.

 
Leser-Kommentare
  1. Von wegen Minister opfert sich.
    Der verzögerte Rücktritt des Innenministers kommt den Steuerzahler wieder mal teuer zu stehen! Was für eine Heuchelei. Das Stegner noch bis zum 15. Januar bleiben darf, ist keine Gesichtswahrung, sonderen das genaue Gegenteil.
    Ein ausgeschiedener Minister, der oder die, insgesamt fünf Jahre Mitglied der Landesregierung gewesen ist, erhält ab Beginn des Monats, in dem das 55. Lebensjahr vollendet wird, lebenslänglich Ruhegehalt. Bei der Berechnung der ruhegehaltfähigen Zeiten nach Landesgesetz gilt ein Rest von mehr als 273 Tagen als volles Jahr. Das Ruhegehalt beträgt dabei 35 Prozent der Amtsbezüge (rund 140 000 Euro jährlich.
    Stegners Amtszeit begann am 1.03.2003 unter der damaligen Ministerpräsidentin Heide Simonis.
    Am 15. Januar 2008 tritt er zurück.
    Am 1. März hat er dadurch die fünfjährige Amtszeit voll erreicht.Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.
    Vier Monate noch im Amt. Was soll das? Wenn er bis dahin noch Termine wahrnimmt, dann kann man ihn getrost als abgehalfterten "Frühstücksminister" begrüßen, mit Aussicht auf ein glänzendes Ruhegehalt. Es fehlt nur noch der Hionweis: Die Trennung erfolgt im gegenseitigen Einvernehmen.
    Schöne Grüße aus Schleswig-Holstein
    D. M.

    • Sannie
    • 18.09.2007 um 9:26 Uhr

    Sie sagen es ja selbst, da er am 15. Januar geht, schafft er die 5 Jahre gar nicht. Warum also das Gezeter?

    Ist es für Sie so unvorstellbar, daß man seinen Job macht, wenn man schon weiß, daß man geht? [Ein Teil des Kommentars wurde gelöscht. Bitte achten Sie auf Ihre Wortwahl. Die Redaktion / sue]. Der will schließlich in zwei Jahren MP werden!

    (Ich wünsche mir eine Plausibilitätsprüfug bei Kommentaren.)

  2. ...halt allzu gern mit, die SPD. Dafür lässt sie sich sogar vom Koalitionspartner am Nasenring durch die Manege führen und opfert ihren eigenen Vorsitzenden, den Carstensen ultimativ und nach Gutsherrenart für untragbar erklärt hat.
    À propos untragbar: Darf man erwarten, dass die Bundes-SPD jetzt den Rücktritt der Herren Schäuble und Jung durchsetzt?

  3. ... richtig lesen und rechnen. Ab Jahresbeginn plus 273 Tage Anrechnungszeit gibt volle 5 Jahre. Die hätte er bei einen sofortigen Rücktritt (Minister opfert sich) in 2007 nicht erreicht.

  4. [Der Kommentar wurde gelöscht. Bitte vermeiden Sie Beleidigungen. Die Redaktion / sue]

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  • Quelle ZEIT online, tso, dpa
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