Dalai Lama Ein Spiel mit dem Feuer

Das Treffen zwischen Bundeskanzlerin Merkel und dem Dalai Lama löst in China - bei der Führung und in der Bevölkerung - massive Proteste und Empörung aus.

Plötzlich ist das Misstrauen in Chinas Führung wieder da, plötzlich dürfen Internetnutzer in Online-Foren Kanzlerin Angela Merkel wieder persönlich - etwa als «Hexe» - angreifen, ohne dass der Zensor die Attacke sofort streicht. Und gebetsmühlenartig wiederholt die Sprecherin des Pekinger Außenministeriums, Jiang Yu, den chinesischen Widerstand gegen das erste Treffen eines deutschen Regierungschefs mit dem Dalai Lama, dem religiösen Oberhaupt der Tibeter.

Der Protest schien zunächst nicht so heftig wie erwartet. Doch die Warnung, dass die Beziehungen Peking-Berlin Schaden nehmen könnten, ließ deutsche Diplomaten und Wirtschaftsvertreter bangen, was nach dem - offiziell als «privater Gedankenaustausch» beschriebenen - Sonntagsempfang des Dalai Lama im Kanzleramt noch kommen mag.

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Ein ebenfalls für diesen Sonntag in München geplanter deutsch-chinesischer «Rechtsstaatsdialog» wurde von chinesischer Seite kurzfristig abgesagt. Als Grund für die Absage des zweitägigen Symposiums - unter anderem mit Justizministerin Brigitte Zypries (SPD) und chinesischen Regierungsvertretern - wurden «technische Gründe» genannt.

Die Kanzlerin spiele «mit dem Feuer», befand ein Teilnehmer in einem Online-Forum, in dem auch nicht zitierfähige, beleidigende Angriffe zu finden sind. «Sie versteht das heutige China nicht.» Und es war auch ein Aufruf zu lesen, vor der deutschen Botschaft in Peking gegen das Treffen zu demonstrieren. Es schien nicht der erste zu sein, da der Autor den Zensor ausdrücklich bat, seinen «positiven und patriotischen» Appell bitte nicht wieder zu streichen.

Nach Jahrzehnten der Propaganda und patriotischen Erziehung, dass «Tibet seit alter Zeit schon Teil Chinas gewesen ist», haben die meisten Chinesen - vom einfachen Volk bis zu Intellektuellen - wenig Verständnis für den Dalai Lama oder die magische Anziehungskraft, die Tibet und sein Buddhismus auf viele Menschen im Westen ausüben.

Leser-Kommentare
    • benboe
    • 23.09.2007 um 11:15 Uhr

    Was Frau Merkel da macht ist mitnichten ein "Spiel mit dem Feuer". Und es ist nicht einmal mutig - schließlich wurde das ganze Treffen sofort zu einem "privaten Gedankenaustausch" klassifiziert.

    Ich finde es erbärmlich wenn sich unsere Politiker jetzt hinstellen als wäre es großaritig und mutig mit dem Herrn zu treffen und gleichzeitig vor einem diktatorischen, menschnverachtenem Regieme katzbuckeln, nut damit "deutsche Wirtschaftsinteressen" nicht beschädigt werden.

    Das wir einmal so tief sinken hätte ich nicht gedacht.

    Ich glaube wenn heute nochmal etwas wie in den 80ern am Platz des himmlischen Friedens passieren würde, kein Deutscher Politiker würde sich trauen etwas zu sagen.

    Man will ja die Beziehungen nicht ruinieren ....

  1. Was der Artikel nicht sagt ist, wer dieses Gespräch initiiert hat und welche Wirkung sich der Initiator davon verspricht.

    Sollte das Gespräch von Frau Merkel ausgehen, dann wäre das ein interessanter Winkelzug unserer Kanzlerin, der zum Nachdenken anregt. Ich kann viel Verständnis für die Sache der Tibeter aufbringen und entsprechend wenig für die chinesische Seite. Aber welches sachliche Interesse Deutschlands an Tibet könnte eine Verstimmung Chinas vor dem Hintergrund substanzieller deutscher Wirtschaftsinteressen rechtfertigen?

    Sollte das Gespräch vom Dalai Lama ausgehen, dann kann ich wiederum nur den Hut vor diesem Mann ziehen, der auf der westlichen Public Relations Klaviatur spielt, als hätte er sie erfunden. Er weiß seine gerade in der heutigen Zeit beispielhaft friedliche religiöse Philosophie mit großer Wirkung zu verbreiten und populär zu machen. Von diesem handwerklichen Geschick können viele, unter anderem auch die Chinesen etwas lernen, etwa dass auf dem hohen Ross zu sitzen und die "alten" Industrienationen vor der eigenen Tür in Reihe antreten zu lassen keine Verständnis, Vertrauen und Freundschaft bildende Maßnahme ist.

    Dass der Dalai Lama offensichtlich als Gefahr für die Integrität der Volksrepublik eingeschätzt wird, zeigt nichts anderes als deren dunkle, totalitäre Seite.

  2. Ein China, dass sich wie eine imperiale Kolonialmacht der Couleur einer Macht des 19. Jahrhunderts verhält, ist erbärmlich. Aus meiner Sicht ein Land, das sein Gesicht verloren hat. Da kann es noch so reich sein und noch so mächtig. Ein kleines Land wie Tibet zu kolonialisieren, zu tyrannisieren und nicht wieder frei zu geben ist einfach eine Untat.
    Noch was: Dalai Lama kennt jeder, jeder freut sich, jeder lacht....Ein Gottkönig von Tibet ist halt Klasse. Da kommt nicht mal ein Papst dran, wie aktuelle Umfragen bestätigen.
    Wen Jiaobao, da bin ich mir weder klar darüber, ob ich das richtig ausspreche oder hinschreibe; ich kann auch kein Gesicht mit dem Namen verbinden und weiß nicht, ob er Ministerpräsident ist oder Parteivorsitzender oder sonst was. Ich weiß wohl, dass er hinrichten läßt, foltern läßt, Pressefreiheit unterdrückt.

    So ist das halt, der eine hat's, der andere nicht, ich meine: GESICHT.

    • taurus
    • 23.09.2007 um 12:15 Uhr

    Ich sage Bravo, Frau Merkel!

    China wird es sich kaum leisten können, die wirtschaftlichen Beziehungen zu Deutschland zurückzufahren. Wer, wenn nicht wir, sollte also den Druck auf China in dieser Sache erhöhen.

    taurus

    • Anonym
    • 23.09.2007 um 12:24 Uhr

    wurde das lamaische Königreich Tibet, das viermal so groß ist wie Deutschland, militärisch von der faschokommunistischen Soldateska annektiert. Die Art, wie dies geschah und bis heute andauert, lässt sich mit totalitären Gräueltaten jeder Couleur vergleichen.
    Und niemand hat bisher in Deutschland, keine einzige chinesische Flagge verbrannt...

    • Anonym
    • 23.09.2007 um 18:22 Uhr

    Bin zwar kein Fan von Ihnen, doch ich bin beeindruckt, dass Sie kein Kotau (demütige Ehrerweisung)
    vor den Machhabern Chinas gemacht heben. Unsere Industriebosse mögen nun zwar aufheulen, wie Rennwagen auf Hochtouren!
    Der Dalai Lama verdient es auch auf Regierungsebene empfangen zu werden, denn er Vertritt Werte die ein Menschendasein veredeln. Unser Herr ex Bundeskanzler, Herr Schröder ist nur dem Gelde hinterher gehechelt, wie ein Windhund hinter den falschen Hasen.
    Die Anrainerstaaten Chinas werden Frau Merkel mit wohlwollen betrachten. Frau Merkel ist eben doch sehr klug und versteht ein Verlust auszugleichen.

  3. Nach der letzten Wahl war ich nicht sehr erfreut über eine erneute CDU-Kanzlerschaft und erst recht nicht über Frau Merkel.
    Inzwischen hat sich dieses Bild aber gewandelt. Noch immer bin ich kein Merkel oder CDU Anhänger, aber Frau Merkel beweist aus meiner Sicht politischen Mut.
    Klar darf sie wirtschaftliche Interessen nicht außer Acht lassen, aber sich mit russischen oder chinesischen, opositionellen Journalisten zu treffen, Menschenrechtsvereltzungen in den betreffenden Staaten zu diskutieren oder eben den Dalai Lama zu treffen ist deutlich mehr als die meisten getan haben. Sie wirft diese Fragen nicht nur innenpolitisch auf, sondern diskutiert diese Themen auch in den entsprechenden Ländern. Meiner Meinung nach selten, lang nicht mehr gesehen und äußerst positiv.
    Und gerade das Thema Tibet ist viel zu sehr in der politischen Versenkung verschwunden.

  4. Zitat taurus

    China wird es sich kaum leisten können, die wirtschaftlichen Beziehungen zu Deutschland zurückzufahren. Wer, wenn nicht wir, sollte also den Druck auf China in dieser Sache erhöhen.

    Mir deucht, Sie verwechseln hier die Druckrichtung. Die Billigprodukte aus China drücken eher auf unsere Wirtschaft, als umgekehrt. Anders ausgedrückt: Wir brauchen das große und aufstrebende China als Absatzmnarkt, während China angesichts der globalen Märkte Deutschland eher übersehen könnte.
    So rum wird ein Schuh draus.

    Ob das nun eine Leistung unserer Kanzlerin ist, sich mit dem Dalai Lama zusammen zu sitzen? Eher nicht, da zum einen bereits auf unterste Kontaktschiene (=privater Gedankenaustausch) zurück geschraubt wird, auf der anderen Seite das Risiko, wie alles an Frau Merkel, eher gegen Null tendiert, daß hier etwas verrutschen könnte. Die Juristenabsage hat eher symbolischen Charakter, ohne ihn zu klein reden zu wollen.
    Trotzdem braucht Tibet unsere uneingeschränkte Unterstützung. Merkel hätte dazu die Chance dazu, die Angelegeheit auf ein etwas formelleres Niveau zu heben. Dazu war sie aber nicht bereit.

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