Dalai Lama Ein Spiel mit dem FeuerSeite 2/2
Nach der Machtübernahme 1949 in Peking und der Invasion der Volksbefreiungsarmee 1950 in Tibet hatten die Kommunisten das größte Hochland der Erde in die Volksrepublik einverleibt. Es wurde zerteilt, anderen Provinzen zugeschlagen und die übrig gebliebene Hälfte des alten Tibets 1965 als autonome Region angegliedert.
Nach einem Volksaufstand flüchteten der Dalai Lama und sein Gefolge 1959 nach Indien. Jahrzehnte der Zerstörung des religiösen Lebens, der Klöster und Traditionen durch die Kommunisten, die Armee oder die eifernden roten Garden während der Kulturrevolution fanden erst mit der Reform- und Öffnungspolitik seit Ende der 70er Jahre langsam ein Ende. Doch regiert Peking bis heute mit harter Hand und unterdrückt jedes Aufbegehren der Tibeter gegen die chinesische Fremdherrschaft.
Wie heikel das Thema bleibt, demonstriert die Tatsache, dass sofort nach der Ankündigung des Treffens in Berlin der deutsche Botschafter Michael Schäfer ins chinesische Außenministerium «gebeten» wurde - wie es in Berlin hieß, um nicht «einbestellt» sagen zu müssen. Immerhin wurde ihm keine formelle Protestnote überreicht. Doch forderte das Außenministerium ebenso unmissverständlich wie vergeblich, «im Interesse der deutsch-chinesischen Beziehungen» von dem Treffen abzusehen.
Dass Merkel jetzt auch noch die Forderung des Dalai Lama nach religiöser und kultureller Autonomie auf ihre Fahnen schreibt, verstärkt noch ihre Botschaft an Pekings Führer, den Dialog mit den Exil-Tibetern endlich auch ernsthaft zu führen. Viele Chinesen wie der einflussreiche frühere Botschafter in Berlin, Mei Zhaorong, der Merkel wegen ihrer DDR-Vergangenheit und der vielleicht daraus folgenden besonderen Einsicht in diktatorische Systeme kritisch beäugt, dürften sich in ihrem Misstrauen nur bestätigt fühlen.
Dass die Kanzlerin bei Menschenrechtsverletzungen, Produktpiraterie oder Technologieklau eine deutlichere Sprache als ihr Vorgänger Gerhard Schröder spricht, hat seit Beginn ihrer Amtszeit schon für Irritationen gesorgt. Doch der chinesische Regierungschef Wen Jiabao machte aus der Not eine Tugend und begrüßte, dass die Kanzlerin «direkt zur Sache kommt». Ganz bewusst zog er einen Schlussstrich unter die interne Debatte über die Kanzlerin, um die Beziehungen zum wichtigsten Partner in Europa zu pflegen. Doch nun sendet Merkel mit dem Empfang des Dalai Lama die Botschaft aus, dass dafür von chinesischer Seite politisch mehr gefordert wird.
- Datum 23.09.2007 - 12:36 Uhr
- Seite 1 | 2 | Auf einer Seite lesen
- Quelle ZEIT online, dpa
- Kommentare 30
- Versenden E-Mail verschicken
- Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:





Was Frau Merkel da macht ist mitnichten ein "Spiel mit dem Feuer". Und es ist nicht einmal mutig - schließlich wurde das ganze Treffen sofort zu einem "privaten Gedankenaustausch" klassifiziert.
Ich finde es erbärmlich wenn sich unsere Politiker jetzt hinstellen als wäre es großaritig und mutig mit dem Herrn zu treffen und gleichzeitig vor einem diktatorischen, menschnverachtenem Regieme katzbuckeln, nut damit "deutsche Wirtschaftsinteressen" nicht beschädigt werden.
Das wir einmal so tief sinken hätte ich nicht gedacht.
Ich glaube wenn heute nochmal etwas wie in den 80ern am Platz des himmlischen Friedens passieren würde, kein Deutscher Politiker würde sich trauen etwas zu sagen.
Man will ja die Beziehungen nicht ruinieren ....
Was der Artikel nicht sagt ist, wer dieses Gespräch initiiert hat und welche Wirkung sich der Initiator davon verspricht.
Sollte das Gespräch von Frau Merkel ausgehen, dann wäre das ein interessanter Winkelzug unserer Kanzlerin, der zum Nachdenken anregt. Ich kann viel Verständnis für die Sache der Tibeter aufbringen und entsprechend wenig für die chinesische Seite. Aber welches sachliche Interesse Deutschlands an Tibet könnte eine Verstimmung Chinas vor dem Hintergrund substanzieller deutscher Wirtschaftsinteressen rechtfertigen?
Sollte das Gespräch vom Dalai Lama ausgehen, dann kann ich wiederum nur den Hut vor diesem Mann ziehen, der auf der westlichen Public Relations Klaviatur spielt, als hätte er sie erfunden. Er weiß seine gerade in der heutigen Zeit beispielhaft friedliche religiöse Philosophie mit großer Wirkung zu verbreiten und populär zu machen. Von diesem handwerklichen Geschick können viele, unter anderem auch die Chinesen etwas lernen, etwa dass auf dem hohen Ross zu sitzen und die "alten" Industrienationen vor der eigenen Tür in Reihe antreten zu lassen keine Verständnis, Vertrauen und Freundschaft bildende Maßnahme ist.
Dass der Dalai Lama offensichtlich als Gefahr für die Integrität der Volksrepublik eingeschätzt wird, zeigt nichts anderes als deren dunkle, totalitäre Seite.
Ein China, dass sich wie eine imperiale Kolonialmacht der Couleur einer Macht des 19. Jahrhunderts verhält, ist erbärmlich. Aus meiner Sicht ein Land, das sein Gesicht verloren hat. Da kann es noch so reich sein und noch so mächtig. Ein kleines Land wie Tibet zu kolonialisieren, zu tyrannisieren und nicht wieder frei zu geben ist einfach eine Untat.
Noch was: Dalai Lama kennt jeder, jeder freut sich, jeder lacht....Ein Gottkönig von Tibet ist halt Klasse. Da kommt nicht mal ein Papst dran, wie aktuelle Umfragen bestätigen.
Wen Jiaobao, da bin ich mir weder klar darüber, ob ich das richtig ausspreche oder hinschreibe; ich kann auch kein Gesicht mit dem Namen verbinden und weiß nicht, ob er Ministerpräsident ist oder Parteivorsitzender oder sonst was. Ich weiß wohl, dass er hinrichten läßt, foltern läßt, Pressefreiheit unterdrückt.
So ist das halt, der eine hat's, der andere nicht, ich meine: GESICHT.
Ich sage Bravo, Frau Merkel!
China wird es sich kaum leisten können, die wirtschaftlichen Beziehungen zu Deutschland zurückzufahren. Wer, wenn nicht wir, sollte also den Druck auf China in dieser Sache erhöhen.
taurus
wurde das lamaische Königreich Tibet, das viermal so groß ist wie Deutschland, militärisch von der faschokommunistischen Soldateska annektiert. Die Art, wie dies geschah und bis heute andauert, lässt sich mit totalitären Gräueltaten jeder Couleur vergleichen.
Und niemand hat bisher in Deutschland, keine einzige chinesische Flagge verbrannt...
Bin zwar kein Fan von Ihnen, doch ich bin beeindruckt, dass Sie kein Kotau (demütige Ehrerweisung)
vor den Machhabern Chinas gemacht heben. Unsere Industriebosse mögen nun zwar aufheulen, wie Rennwagen auf Hochtouren!
Der Dalai Lama verdient es auch auf Regierungsebene empfangen zu werden, denn er Vertritt Werte die ein Menschendasein veredeln. Unser Herr ex Bundeskanzler, Herr Schröder ist nur dem Gelde hinterher gehechelt, wie ein Windhund hinter den falschen Hasen.
Die Anrainerstaaten Chinas werden Frau Merkel mit wohlwollen betrachten. Frau Merkel ist eben doch sehr klug und versteht ein Verlust auszugleichen.
Nach der letzten Wahl war ich nicht sehr erfreut über eine erneute CDU-Kanzlerschaft und erst recht nicht über Frau Merkel.
Inzwischen hat sich dieses Bild aber gewandelt. Noch immer bin ich kein Merkel oder CDU Anhänger, aber Frau Merkel beweist aus meiner Sicht politischen Mut.
Klar darf sie wirtschaftliche Interessen nicht außer Acht lassen, aber sich mit russischen oder chinesischen, opositionellen Journalisten zu treffen, Menschenrechtsvereltzungen in den betreffenden Staaten zu diskutieren oder eben den Dalai Lama zu treffen ist deutlich mehr als die meisten getan haben. Sie wirft diese Fragen nicht nur innenpolitisch auf, sondern diskutiert diese Themen auch in den entsprechenden Ländern. Meiner Meinung nach selten, lang nicht mehr gesehen und äußerst positiv.
Und gerade das Thema Tibet ist viel zu sehr in der politischen Versenkung verschwunden.
Zitat taurus
China wird es sich kaum leisten können, die wirtschaftlichen Beziehungen zu Deutschland zurückzufahren. Wer, wenn nicht wir, sollte also den Druck auf China in dieser Sache erhöhen.
Mir deucht, Sie verwechseln hier die Druckrichtung. Die Billigprodukte aus China drücken eher auf unsere Wirtschaft, als umgekehrt. Anders ausgedrückt: Wir brauchen das große und aufstrebende China als Absatzmnarkt, während China angesichts der globalen Märkte Deutschland eher übersehen könnte.
So rum wird ein Schuh draus.
Ob das nun eine Leistung unserer Kanzlerin ist, sich mit dem Dalai Lama zusammen zu sitzen? Eher nicht, da zum einen bereits auf unterste Kontaktschiene (=privater Gedankenaustausch) zurück geschraubt wird, auf der anderen Seite das Risiko, wie alles an Frau Merkel, eher gegen Null tendiert, daß hier etwas verrutschen könnte. Die Juristenabsage hat eher symbolischen Charakter, ohne ihn zu klein reden zu wollen.
Trotzdem braucht Tibet unsere uneingeschränkte Unterstützung. Merkel hätte dazu die Chance dazu, die Angelegeheit auf ein etwas formelleres Niveau zu heben. Dazu war sie aber nicht bereit.
Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren