Auslandsknigge Darf man das?
Jedes Land hat seine kulturellen Eigenarten. Wir geben Tipps für das richtige Benehmen. Folge 5: Polen.
Ähnlich wie Österreich war auch Polen bis ins frühe 20. Jahrhundert von einer feudalen Kultur geprägt. Man fühlte sich zur französischen Lebensart hingezogen und schätzte die westliche Kultur. Als der Sozialismus zur Staatsideologie avancierte, wurde zwar gründlich mit dem Adel aufgeräumt, aber gewisse Vorstellungen blieben nicht nur in der Opposition erhalten. Sie sind bis heute spürbar.
Bei der Arbeit
Die meisten Polen sprechen Englisch, einige auch Deutsch. Da Deutsch aus historischen Gründen eine eher belastete Sprache ist, sollte man als erste Fremdsprache immer Englisch wählen. Zudem ist Englisch auch in allen wirtschaftlichen Belangen die wichtigste Sprache.
Im schriftlichen Austausch existiert kein bestimmter Code. Die Schwierigkeit liegt eher darin, überhaupt einen Brief in Polnisch zu verfassen. Zu empfehlen wäre es deshalb, Verträge und wichtige Schriftstücke ins Polnische übersetzen zu lassen. Es wird sehr geschätzt, wenn man den Schriftverkehr auf Polnisch bestreiten kann.
Wichtig dabei ist aber, dass man sich an gewisse Formeln hält, etwa die Anrede: Szanowny Pan (Sehr geehrter Herr) oder eleganter Wielmożna Pani (etwa Hochwohlgeborene Dame).
In Polen kommt man rasch zur Sache. Eine anfängliche Reserviertheit nimmt in den meisten Fällen schnell ab und macht einer freundlichen Offenheit Platz. Vor allem, wenn die Positionen der Gesprächspartner klar sind.
Essen und Trinken
Die traditionelle polnische Küche bietet wenig Abwechslung für Vegetarier und erinnert in ihrer Deftigkeit an die deutsche. Im Restaurant wird man vom Kellner empfangen und an den Tisch geführt. Die polnischen Restaurants verfügen mehrheitlich über eine internationale Speisekarte mit einem Repertoire an landestypischen Speisen. Man legt zwar in gewissen Kreisen Wert darauf, international zu speisen, ist jedoch zugleich sehr stolz auf die polnische Küche.
Wer sich beliebt machen will, lobt typisch polnische Speisen wie zum Beispiel Pierogi, eine Art Teigtaschen, gefüllt mit Fleisch, Pilzen, Kohl oder Quark, oder die berühmten polnischen Würste.
Polen hat keinen eigenen Wein. Traditionell wurde bei Tisch Wodka getrunken. In den letzten Jahren hat der Wein stark an Bedeutung gewonnen. Besonders schätzt man westeuropäische Importweine. Bevor man das Glas hebt, sagt man na zdrowie oder etwas salopper zdrowie. Seien Sie zurückhaltend, wenn es um klare Wässerchen geht. Exzessiver Alkoholgenuss ist nicht mehr gern gesehen.
Dafür ist Großzügigkeit eine Tugend. In Polen möchte man seine Gäste immer einladen. Vor allem das erste Mal. Sind Sie in einer Gruppe unterwegs, zahlen immer die Männer. Von den Damen wird nicht erwartet, dass sie sich an der Rechnung beteiligen.
Falls Sie ins Restaurant eingeladen werden, ist das ein gesellschaftliches Ereignis, zu dem Sie sich herausputzen sollten. Polnische Damen sind bekannt dafür, dass sie sich gern elegant kleiden. Generell ist zu sagen, dass auf Marken Wert gelegt wird. Man darf sich sicher sein, dass die Person vis-à-vis genau registriert, was man trägt.
Vor dem Essen wünscht man einen guten Appetit, auf Polnisch smacznego (ausgesprochen smatschnego). Nach dem Essen bedankt man sich mit dziękuję (ausgesprochen dschenkujä).
Im Alltag
In Polen wird man relativ rasch zu jemandem nach Hause eingeladen. In der Wahl der Geschenke sollte man sich am westeuropäischen Standard orientieren. Auf jeden Fall ist auf Wodka zu verzichten. Eine gute Flasche Wein dürfte die Gastgeber hingegen erfreuen. Da der Zugang zu Markenprodukten noch nicht sehr lange besteht, dürfte man sich auch über bekannte Namen freuen.
Früher wurden nicht nur Geburtstage, sondern vor allem die Namenstage gefeiert. Das hat sich heute gewandelt. Trotzdem dürfen Sie einen Bekannten mit einem Namenstagskärtchen erfreuen.
Wer in Warschau zu Fuß unterwegs ist, riskiert Kopf und Kragen. Die Automobilisten fahren gern in rasantem Tempo, und es ist kaum möglich, eine Straße zu überqueren.
Öffentliche Verkehrsmittel: In Warschau gibt es eine kleine UBahn, ansonsten ist das Straßenbahnnetz in den größeren Städten gut ausgebaut. Setzen Sie sich nie nach einer ausgiebigen Mahlzeit in die Straßenbahn. Die Wagen der alten Bahnen schwanken erheblich.
Taxi: Das Taxiwesen ist nicht mehr staatlich organisiert, vielmehr sind einige private Unternehmen aktiv. Die Tarife sind jedoch transparent und werden in den Wagen angezeigt.
Dieser Text ist ein Auszug aus dem Buch:
- Datum 25.09.2007 - 11:30 Uhr
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Wenn man als Deutscher gleich auf Englisch losredet, ist das typisch deutsch, kommt aber auch nicht immer gut an. Viele Polen sprechen gerne Deutsch. Entscheidend ist vielmehr wie man auftritt und was man sagt. Am besten, wenn man's denn kann, auf Polnisch, andernfalls durchaus auf Deutsch oder auch auf Englisch.
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