Weltkindertag "Viele Kinder verwahrlosen"

Kinder leben in Armut und werden vernachlässigt. Statistiken darüber verblassen schnell. Arche-Gründer Bernd Siggelkow kennt Geschichten hinter den Zahlen. Ein Interview

Bernd Siggelkow (43) ist Pastor und Gründer der "Arche". Der Verein kümmert sich in Berlin, Hamburg und München um sozial benachteiligte Kinder.

ZEIT online: Die Unicef stellt den Weltkindertag unter das Motto "Mehr Achtung für Kinder". Warum mangelt es daran?

Bernd Siggelkow: Wir stellen unsere Kinder nicht mehr in den Fokus. Kinder haben keine eigene Lobby. Deshalb denken viele, dass wir uns nicht so intensiv um sie kümmern müssen. Allein aus diesem Grund haben wir 2,6 Millionen Kinder, die in Armut leben.

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ZEIT online: Was kann ein Weltkindertag bewirken?

Siggelkow: Die Politik verkündet an einem solchen Tag Ideen, die andere ihr schon Jahre zuvor vorgeschlagen haben. Herr Müntefering befürwortet ein kostenloses Mittagessen in Schulen; wenn dieser Wunsch heute durchgesetzt würde, hätte der Weltkindertag etwas bewegt.

ZEIT online: Wie würden Sie die aktuelle Situation benachteiligter Kinder in Deutschland beschreiben?

Siggelkow: Wir können uns kaum vorstellen, was Kinder in unserem Land durchleben müssen. Allein in Berlin leben 42 Prozent der bis Achtjährigen in finanzieller Armut. Die Sozialsätze für Kinder sind viel zu gering. Die Situation kann nicht mehr drastischer werden. Dennoch veröffentlichen wir jedes Jahr neue Zahlen. Sie bewegen leider nicht viel. Man muss Veränderungen nicht nur anstreben, sondern sofort umsetzen.

Leser-Kommentare
    • HBZ
    • 21.09.2007 um 8:03 Uhr

    Ich fühle mich beschämt, wenn ich angesichts der vielen verarmten und verwahrlosten Kinder in unserem Lande daran denken muss, dass meine Familie durch § 31 EStG Familien"leistungs"ausgleich und Verfassungsgnaden doppeltes Kindergeld für jedes Kind erhält. Aber ich versichere hiermit, die zusätzlichen 150000 € nicht in Schnaps, sondern unmittelbar in das Wohl meiner Kinder zu investieren (einschl. Dritturlaub). Wenigerverdiener sollen sich am § 31 EStG, Satz 2 trösten, der ihnen den nach Satz 1 nicht zustehenden Teil ihres einfachen Kindergeldes zur Förderung ihrer Familie doch belässt. Das ist doch was. Und bitte keine Neiddebatten. Die vielen Reden zum Thema Kinderarmut müssen reichen. Zu dem Thema wäre noch viel zu sagen. Aber mich überkommt ein Brechreiz, wenn ich an die Heuchler denke. Bernd Zimmermann (mit sehr viel Ironie)

  1. Frauenförderung: 717.000 Einträge
    Kinderhilfe: 395.000 Einträge
    (Google)

    Für die 1328. Gender-Studie oder die x. längst anachronistische Frauen-Planstelle findet sich, dank feministischer Seilschaften, immer noch Geld. Sieg auf der ganzen Linie. Kinder? In erster Linie ein Gegenstand geregelt durch § 218. Wer trotzdem welche bekommt, ist selber Schuld. Sieg auf der ganzen Linie.

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