Linkspartei Lafontaine lässt jubeln

Die vereinigte Linkspartei hat nach 100 Tagen eine positive Zwischenbilanz gezogen. Von Oskar Lafontaine und Gregor Gysi fehlte jede Spur. Denn Probleme gibt es genug.

Gregor Gysi lächelt. Sein Konterfrei klebt auf einem Plakat am Karl-Liebknecht-Haus, der Parteizentrale der Linken am Berliner Alexanderplatz. Das erste Herbstlaub weht an dem Plakat vorbei. Der Sommer ist vorüber, die ersten 100 Tage der vereinigten Linkspartei auch. Für sie Grund genug, eine Bilanz zu ziehen. Die Linke will zeigen, was sie bewegt hat.

Doch von Oskar Lafontaine und Gregor Gysi, den Zugpferden, fehlt jede Spur. Sie waren es, die vor der letzten Bundestagswahl das wacklige Bündnis aus PDS und WASG zusammentrommelten. Sie waren es, die die SPD in Bedrängnis gebracht haben. Es ist nicht lange her, da scherzten Gysi und Lafontaine gemeinsam auf Pressekonferenzen, tauschten ironische Seitenhiebe und Höflichkeiten aus, demonstrierten Gelassenheit und Harmonie.

Anzeige

An diesem Tag im September, an dem die Stärke der Linken gezeigt und bejubelt werden soll, sind sie nicht da. Stattdessen kommt nur Bundesgeschäftsführer Dietmar Bartsch. Er soll die Erfolgsmeldungen verkünden - und ist mal wieder komplett in Schwarz gekleidet. „Unsere ersten 100 Tage als Linkspartei waren sehr erfolgreich“, sagt Bartsch. „Seit Mitte Juni sind über 3600 Neumitglieder beigetreten.“ Das sei ein größerer Zuwachs in drei Monaten, als die PDS jemals in einem Jahr verzeichnen konnte, sagt Bartsch stolz. „In allen bundesweiten Umfragen liegen wir im zweistelligen Bereich.“

Dann kommt er auf die Konkurrenz zu sprechen, sein Grinsen wird jetzt besonders breit. „Es ist überraschend, dass die SPD am demokratischen Sozialismus festhält“, sagt er mit Blick auf das am Wochenende vorgestellte neue Grundsatzprogramm der Sozialdemokraten . Das sei jedoch Heuchelei, wettert Bartsch: „Die Tagespolitik der SPD ist inakzeptabel.“ Den Mindestlohn habe schließlich die Linkspartei zuerst vorgeschlagen. „Wir haben das Land politisch verändert und stärker für soziale Themen sensibilisiert.“

Auch die Grünen bekommen ihr Fett weg. „Die Parteiführung macht einen schmerzhaften Annäherungsprozess zur Basis mit“, sagt Bartsch über die grüne Position zum Afghanistan-Mandat . „Ohne die Linkspartei wäre das nicht passiert.“

Ob seine Partei nicht überflüssig werde, wenn SPD und Grüne sich wieder mehr nach links ausrichteten, wird er gefragt. „Darüber mache ich mir keine Sorgen“, sagt er und schließt einen bemerkenswerten Satz an: „Wenn die Rente mit 67 und Hartz IV rückgängig gemacht werden und die Deutschen aus Afghanistan abziehen, dann wäre es nicht schlimm, wenn wir überflüssig werden.“

Leser-Kommentare
    • Anonym
    • 24.09.2007 um 20:01 Uhr

    Oskar, als erfahrener Schnüffler, weis, dass es hier nichts zu schnüffeln gibt. In diesem Falle hält er nichts von Selbstlob, denn er weis einen Sieg zu verkünden vor einer Schlacht kann tödlich sein. Er ist eben doch Napoleon!

  1. Ein inhaltsloser Beitrag, der das Gras wachsen hört. Der übliche Tratsch und Klatsch, wohl geschrieben, um die Anti-Links-Quote zu erfüllen. Warum sollten Gysi oder Lafontaine zu einem 100 Tage-"Jubiläum" aufkreuzen? Der Beitragsschreiber kennt vermutlich auch nicht den Sinn des Wortes "Inflation". Vielleicht war das 100-Tage-"Event" nur dazu gedacht, die höfische Journaille in Vermutungen schwelgen zu lassen, um sie dann, wenn es wirklich drauf ankommt - Anfang Januar - durch demonstrative Geschlossenheit Lügen zu strafen?

  2. Die Linke hat in diesen 100 Tagen sehr viel verändert im Parteiengefüge. Keine falsche Bescheidenheit !
    Bartsch erwähnt zu recht, dass der Linksruck der Grünen
    und das neue Grundsatzprogramm der SPD auf das Konto der Linken geht.
    Ein paar Problemchen sind dazu Peanuts !

  3. Keine Ahnung, was Marc Steinhäuser für Linke kennt. Von denen, die mir bisher begegnet sind, hat meiner Meinung nach nicht eine einziger geglaubt, in 100 Tagen die Welt umkrempeln zu können. Ein wenig ernüchternd finde ich es also allenfalls, dass in einer Zeitung wie der Zeit mit derart plumpen sprachlichen Mitteln Stimmung gemacht werden soll. 13 Jahre Schule im Westen und trotzdem kein Gespür für die Wirkung der Muttersprache - traurig, das!

  4. Die "Zeit" müsste wissen, dass Gregor und Oskar grade wieder im Trainingscamp auf Cuba sind, um gläubige Kommunisten und gläubige Nazis mit ihren wiedergeborenen, alten Märchenparolen zu beglücken.

  5. spinnt, wenn er meint/zum "Besten" gibt:
    „Ohne die Linkspartei wäre das nicht passiert.“

    Nach dem Afghanistan-Beschluss seinerzeit(Rostock) dürfte wohl fast allen grünen Mitgliedern "kombinierte" Beschlüsse höchst suspekt sein (nett formuliert) - Schröder lässt grüßen.
    Auch ich bin weiterhin für den ISAF-Einsatz - aber dazu bedarf es keiner Tornados in Afghanistan.

    Eine Trennung der Mandate für die unterschiedlichen Einsätze wäre zweifelsohne machbar (und auch wünschenswert) - aber regierungsseitig nicht gewollt.

    Nun, was soll uns das sagen?!

    Darüber sollten die geneigten Leserinnen und Leser selber nachdenken, wie ich finde.

    Mit besten Grüßen
    Thomas Auer

  6. Sonst geht es Ihnen gut?
    Nazis und Kommunisten?
    Und draußen schneit´s?

  7. wo ist ihr problem?
    die kommunisten haben bis 1933 sehr gerne mit den nazis zusammengearbeitet (schliesslich wollten beide eine diktatur mit lagern und staatskriminalität). und die märzgefallenen aus der kpd, die zur nsdap wechselten, sind ja auch keine erfindung ...

    und oskars völkische einlassungen sind ja nun auch kein argument gegen solche sarkastischen kommentare ...

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

  • Seite 1 | 2 | Auf einer Seite lesen
  • Kommentare 28
  • Versenden E-Mail verschicken
  • Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
  • Autoren abonnieren RSS-Feed
  • Artikel Drucken Druckversion | PDF
  • Schlagworte
  • Artikel-Tools präsentiert von:

Service