Klimakonferenz „Handeln, handeln, handeln“

Kanzlerin Merkel und UN-Generalsekretär Ban rufen in New York zum internationalen Kampf gegen den Klimawandel auf. Sorgen bereitet die Haltung der USA.

"Der Klimawandel wird zu dramatischen Schäden führen, wenn wir nicht entschlossen handeln", sagte Angela Merkel in New York. Vor Spitzenpolitikern aus 150 Ländern verwies sie auf die wachsenden Gefahren durch Überflutungen und Dürrekatastrophen und darauf, dass das Klima bald auch den Wohlstand der reichen Länder bedrohen werde. Die Kanzlerin stellte erneut ihren Plan vor, in Zukunft jedem Menschen auf der Welt nur noch die gleiche Menge an Kohlendioxid-Ausstoß zuzugestehen. Im Gegensatz zur momentanen Haltung der USA sprach sie sich auch für verbindliche Reduktionsziele und für einen weltweiten Emissionshandel aus. "Deutschland ist bereit, zum Klimaschutz seinen Beitrag zu leisten", lautete das Fazit der Kanzlerin.

In ihrer ersten Rede bei einem hochrangigen UN-Forum zeigte sich Merkel überzeugt, dass Klimaschutz und Wirtschaftswachstum durchaus vereinbar sind. Sie verwies darauf, dass Windenergie, Solarkraft, moderne Gebäudetechnik und benzinsparende Motoren bereits zur Verfügung stünden. "Wenn wir weltweit auf einen nachhaltigen Entwicklungspfad setzen, verzichten wir nicht auf Wohlstand. Wir erzeugen ihn auf eine andere Weise", sagte sie.

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Vor "verheerenden Folgen" warnte auch UN-Generalsekretär Ban Ki Moon. Ban sagte, die Wissenschaft habe die Gefahren der Erderwärmung klar genug belegt . "Die beispiellose Herausforderung durch den Klimawandel verlangt ein beispielloses Handeln. Und eine beispiellose Führerschaft", rief der UN-Chef den Teilnehmern zu. Keine Nation könne die Probleme alleine bewältigen. "Das ist genau die Art von globaler Herausforderung, für die die Vereinten Nationen am besten geeignet sind."

Ban, der den Klimaschutz zu einem seiner Hauptanliegen erklärt hat, wollte mit der Konferenz ein klares Signal für die Verhandlungen über die Fortschreibung des Kyoto-Protokolls im Dezember in Bali setzen. Dort müsse es einen "klaren Durchbruch" geben, damit die Vereinbarung von Kyoto, die bis 2012 gilt, durch ein weltweit ambitioniertes Klimaschutzabkommen abgelöst werden könne.

US-Außenministerin Condoleezza Rice bekannte sich zu einem Klimaschutz unter dem Dach der Vereinten Nationen, machte aber deutlich, dass die USA mehr auf neue Technologien als auf den Abbau von Treibhausgasen setzen. Rice sagte: "Unsere Bemühungen sind auf die technologische Entwicklung ausgerichtet." Es müsse gelingen, die fossilen Brennstoffe durch saubere Energien zu ersetzen. "Die Welt braucht eine technologische Revolution." US-Präsident George W. Bush hat für Donnerstag und Freitag Vertreter der 16 größten Verschmutzerstaaten und der EU nach Washington eingeladen. Kritiker befürchten, dass die USA mit ihrer Initiative in Konkurrenz zu den Vereinten Nationen treten wollen.

Als erster Redner der Konferenz hob der kalifornische Gouverneur Arnold Schwarzenegger die positiven wirtschaftlichen Auswirkungen einer "grünen" Politik hervor. In Kalifornien seien allein in diesem Jahr mehr als 1,1 Milliarden Dollar (rund 800 Mio. Euro) in saubere Technologien investiert worden. Er gehe davon aus, dass dieser Betrag innerhalb der nächsten zehn Jahre um jährlich 20 bis 30 Prozent steige. "Reiche und arme Länder haben unterschiedliche Verpflichtungen. Aber eine Verpflichtung haben wir alle gemeinsam: Handeln, Handeln, Handeln", sagte er.

 
Leser-Kommentare
  1. Merkel als Chefin in einem Land, dessen Energiekonzerne und Automobilindustrie die komplette Regierung gekauft haben, muss innenpolitisch am grünen Rand baggern, und macht deshalb international einen auf Klima-Knuffelchen.
    Als Chefin des letzten Industriestaates ohne Tempolimit im Strassenverkehr, einer Volkswirtschaft deren Energiegrundlast zum grosssen Teil durch Braunkohlekraftwerke gedeckt wird.
    Und sogar der Arnie zollt ihr Respekt, steigt in seinen Privat-LKW und gurgelt beim Anlassen ca. 10 liter Super aus dem Tank.
    Meine Theorie dazu ? Irgendwie findet da eine Globalisierung des deutschen Politik-Kasperltheaters statt.

  2. Wenn ich für jede Tat eines Politikers , die angekündigt und NICHT ausgeführt wurde, einen Euro bekommen würde, bräuchten selbst meine Urenkel nicht mehr arbeiten.

    Beim solchen Festtagsreden frage ich mich immer, wer dümmer ist, die Politprofis, die so ein hohles Zeug reden oder der brave Bürger, der das auch noch glaubt und hofft, das alles wieder gut wird.

    Arme Welt.

  3. Alles nur Blenderei für eine noch größere Abzocke!

    Merkel überschlägt sich mit dem Klimaschutz und erzählt gleichzeitig, was er kostet.

    Die Absicht ist klar: Es müssen neue und höhere Steuer her. Gegen den Klimaschutz kann keiner etwas sagen - sie werden alle bezahlen - aber wofür?

    Neue Technologien sind da und RWE und Konsorten nehmen die Windkraft vom Netz, wenn sie zu viel Strom produzieren. Diese Moral behebt keine Klimasteuer.

    Lukrative, teure Bauplätze an Flussufern werden von Behörden genehmigt, damit die Allgemeinheit Überschwemmungsprogramme finanziert. Dafür müssen andere Dörfer eben mal per absichtlicher Überflutung absaufen. Das wird mit der Klimasteuer finanziert.

    Es wird weiter kanalisiert und keine Auffangbecken geplant, weil teures Bauland verloren geht. Die Klimasteuer soll die Schäden finanzieren, damit die Gewinne nicht geschmälert werden.

    Wie oft sollen wir noch den Klimaschutz bezahlen?

    Wir bezahlen Mineralölsteuer
    Wir bezahlen Ökosteuer
    Wir bezahlen die Stromsteuer
    und bald die Klimasteuer

    Co2-Zertifikate werden an Energielieferanten verschenkt und in die Preise eingerechnet - die Regierung schweigt und spricht von Klimasteuer.

    ”Ich teile Ihre Meinung nicht, ich werde aber bis zu meinem letzten Atemzug dafür kämpfen, daß Sie Ihre Meinung frei äußern dürfen.”
    Voltaire

    • olgab.
    • 25.09.2007 um 17:59 Uhr

    Ist es nicht so? Eigener Schuh drückt nicht. Lasst uns mal in China für den Klimaschutz sorgen und in Deutschland die Bahnpreise erhöhen. Es wäre doch viel zu klimaschonend, wenn wir hier alle auf die Bahn umsteigen. Weite Strecken Flugzeug und kurze - Auto, das ist doch versprechend...
    Jetzt mal ernst - statt überall Steuern zu erhöhen und zusätzliche Preise für Klimabeschädigung weltweit einzuführen, könnte die Frau Merkel ein effizientes Klimaschutzprojekt erst im eigenen Land in die wege leiten. Z.B. die Zugfahrten mit Zuschüssen fördern, die Bahnpreise gesetzlich begrenzen, die Zuschüsse zum Kauf eines schadstoffarmen Autos einführen etc. Kurz um: investieren statt kassieren (oder wenigstens das bereits kassierte investieren).
    Aber meine Vermutung ist, dass diese Kommentare nichts weiter bewirken als die Veschmutzung in der virtuellen Umwelt. Werden sie den Politikern überhaupt vorgestellt? Ich habe viele treffende und kompetente Kommentare hier gelesen - liest sie jemand von denen, an die sie gerichtet sind?

  4. Es ist wichtig, international und global zu handeln! Auch ich sorge mich um die Zukunft meiner Tochter und evtl. ihrer Kinder! Im Widerspruch dazu steht für mich aber die aus Dänemark in Süddeutschland eingeführte Butter. Im Widerspruch sehe ich die Begeisterung für die Runden unserer Formel 1-, Motocross- und anderer Meister. Im Widerspruch die Schnäppchen (übrigens ein ureigenes deutsches Wort) der Billigflieger, um mal schnell in London die aus Dänemark vergessene Butter einzukaufen. Als Nachbar Deutschlands werde ich auch für den Umweltschutz bestraft! Die Braun- oder Steinkohleheizung kostet ein Minimum dessen, was ich für die Gasheizung bezahle (muß aber den Dreck der Plastikreifen, Hölzer und anderer Materialien, die verbrannt werden, tolerieren) Im Widerspruch die Bevorzugung des LKWverkehrs statt der Schiene.Aber auch die Leere der Politik erst jetzt für das saubere Auto zu handeln. Vor wieviel Jahren waren die Rußpartikelfilter in Deutschland noch großzügig abgelehnt und das Problem auf ein Nebengleis versetzt worden? Jetzt wird plötzlich oben großzügig gehandelt!
    Wann beginnt unten beim einfachen Volk dieses Umdenken? Wir sind doch durch obengenannte Ursachen oft selbst an den kritisierten Steuern oder Mehrzahlungen für Klima schuld (ebenso durch die Forderung "Geiz ist geil", die Firmen Arbeitsplätze sonstwo, aber nicht zuhause in Europa suchen läßt)

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  • Quelle ZEIT online, tso, dpa
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