Am Donnerstag um 19 Uhr ist die Popkomm noch in vollem Gang. Drinnen beschallt Mousse T. den Stand der Bekleidungskette New Yorker mit Trance-Techno. Er wippt im Takt und lächelt, wirkt dabei etwas verloren. Draußen spielt eine unbekannte Band um Aufmerksamkeit. Ihre Bühne ist die Ladefläche eines Mietwagens – so ist das ohne Plattenvertrag. Fairy heißt die Gruppe, sie macht englischen Gedankenpop .

Auf einer Musikmesse dürfen Podiumsgespräche nicht fehlen. Mittags wird diskutiert, ob die Zielgruppe der Musikmagazine ins Netz abwandert. Print unter Druck? Christian Stolberg, Chefredakteur des Musikexpress, meint, alte Medien müssten sich durch das Auftauchen neuer Medien verändern. Inhalte müssten „sexy inszeniert werden“. Den Online-Journalismus betrachtet er als „Häppchenkultur“. „Die Leute wollen von einem Monatstitel satt werden, daher muss man im Print anders – detaillierter – schreiben als online.“ Der Chefredakteur des Musikmagazins intro pflichtet ihm bei: „Wir haben andere Formen als der Online-Journalismus. Wir haben Leute, die Reportagen schreiben können, da leben die Geschichten ganz anders. Und man kann sie bebildern“, sagt Thomas Venker.

Jörg Tresp, Inhaber des Independentlabels Devil Duck bemängelt, dass in Musikmagazinen die redaktionelle Auswahl den Anzeigen untergeordnet werde. Wer kein Marketingbudget hat, werde „stiefmütterlich behandelt“ und nicht erwähnt. Christian Stolberg vom Musikexpress hat die passende Antwort parat: „Da keine Plattenfirma mehr in solchem Umfang Anzeigen schaltet, sind wir auch nicht mehr erpressbar.“

Und wie geht es weiter mit der Musikpresse? Thomas Venker ist sich sicher: „Solange Menschen U-Bahn fahren, werden sie auch Zeitschriften lesen.“ Er selbst sei Printmensch, brauche das „Artefakt“. Christian Stolberg sieht die Zukunft des Musikexpress als identitätsstiftenden Teil einer Markenwelt.

Hier klinkt sich Doris Wiedemann vom Axel-Springer-Verlag ein: „Ich glaube an die Macht der Marke und daran, dass die Marke communitybildend ist.“ Jedoch könnten multimediale Inhalte momentan schwer präsentiert werden. Die Rechtssituation sei einfach noch zu ungeklärt. Reiner Henze, Geschäftsführer des Musikportals laut.de will sein Web2.0-Angebot stärken und erkennt Wikipedia und Myspace als drohende Konkurrenz am Horizont.

Nicht nur die mediale Präsentation von Musik, auch die Vergütung geistigen Eigentums wird diskutiert. " Ich Indie – Du GEMA/GVL oder Können Verwirrt-ungsgesellschaften noch INDIEander? " lautet der fahrige Titel einer Konferenz, die vom VUT veranstaltet wird. Der Verband unabhängiger Tonträgerunternehmen will Licht ins Dunkel bringen, doch am Ende flackert nur eine Kerze.