Datenschutz Vermummt im InternetSeite 3/3
Weltweit geraten Tor-Server immer wieder in das Blickfeld der Behörden, aber gerade in Deutschland greifen Polizei und Staatsanwälte immer wieder zu schärferen Maßnahmen. So hatte die Staatsanwaltschaft Konstanz vor einem Jahr gleich mehrere Tor-Server beschlagnahmen lassen. Der Erkenntnis-Gewinn aus solchen Aktionen ist freilich gleich Null: auf den Festplatten finden sich keinerlei Daten, die auf einen Täter hinweisen könnten. Die Durchsuchungsaktion bei Janßen stellt den Höhepunkt dar. Schon vorher waren zahlreiche Tor-Serverbetreiber ins Visier der Ermittler geraten - und hatten wegen der ständigen Vorwürfe gegen sie das Handtuch geworfen. Deutsche Tor-Aktivisten planen nun die Gründung eines eigenen Vereins zum Betrieb der Anonymisierungs-Server – auf diese Weise wären wenigstens nächtliche Hausbesuche bei Privatpersonen ausgeschlossen.
Nach der Durchsuchung musste sich Janßen erst einmal krank schreiben lassen– der nächtliche Schock und das Verhör zehrten an seinen Nerven. „Das war schon ein Trauma“, erklärt Janßen im Gespräch mit
ZEIT online
. In Rücksprache mit seiner Frau hat er den Tor-Server inzwischen abgeschaltet. „Ich möchte mich persönlich nicht mehr exponieren.“
Doch ganz kann er das Kapitel noch nicht abschließen. Zwar wurde das Ermittlungsverfahren wegen des anonymen Drohschreibens gegen ihn eingestellt. Als er vor wenigen Tagen aus dem Urlaub zurück kam, wartete jedoch ein Brief der Polizei auf ihn. Diesmal geht es um Computerbetrug. Janßen vermutet wieder eine fehlgeleitete Ermittlung gegen seinen Tor-Server. Das Schreiben der Polizei hat er sicherheitshalber von seinem Anwalt beantworten lassen. Auf einen Besuch bei der Polizei hat er erst mal keine Lust mehr.
- Datum 21.09.2007 - 04:35 Uhr
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- Quelle ZEIT online
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der Brief der Polizei eine offizielle Entschuligung beinhaltet hätte. Stattdessen wird weiter Druck gemacht um einem zivil couragierten Menschen endgültig sein Bestreben auszutreiben - legal hin oder her, der Polizei passt das nicht, also werden solche "Elemente" eben sang- und klanglos "entfernt".
Hallo,
ich hatte selber schon mal Bandbreite meines dedizierten Servers für Tor zur Verfügung gestellt. Nach einigen Problemen habe ich ihn aber wieder 'runter gefahren - auch, weil ich eben die hier dargestellte Situation fürchtete. Bei TOR muss man sich ja im Klaren darüber sein, dass alle möglichen Missbrauchsvarianten vorkommen (können) die bei unbedarften Leuten (Polizei..) zu falschen Rückschlüssen führen. Bei der Einrichtung des Servers wird man zudem explizit nochmal darauf hingewiesen.
Das mit dem TOR-Verein klingt spannend und ich hätte Lust, daran mitzuarbeiten. Gibt es schon konkretere Pläne, eine URL oder eine Diskussion irgendwo?
Thanx & Schönes Wochenende,
F. Mayer
Die TU Dresden betreibt den Anonymizer Java Anon Proxy, kurz JAP
http://anon.inf.tu-dresde...
Solche Dienste werden also mit Steuermitteln universitär gefördert. Nationale Verbote nutzen gar nichts, dann wird eben ein ausländischer Dienst in Anspruch genommen, zB anonymizer.com. Ce la vie, das ist nunmal das Internet.
Die Botschaft lautet:
"Anonymisierunsserver sind sicher.
Da kommt nicht mal die Polizei weiter. "
;-)
Es ist bekannt, dass der Staat technisch immer hinterherhinkt. Mit zunehmender Überalterung des Apparats wird das Ganze immer schlimmer.
Ich bin mal gespannt, ob auch dieser Beitrag gelöscht werden wird.
Gruß
Bernhard
Bei Tor gibt es übrigens die Möglichkeit, mit
einer Exit-Policy festzulegen, für welche Hosts
und Ports ein Node als Exit-Node fungieren kann.
Wer diesen Anonymisierungsdienst unterstützen
will, aber mit keinen juristischen Konsequenzen
konfrontiert werden möchte, kann seinen Node also so
konfigurieren ("ExitPolicy reject *:*"), dass er
niemals ein Exit-Node ist.
(Dies schlägt natürlich in dem seltenen Fall fehl,
wenn die Verbindung von einem Exit-Node zum eigenen
Node zurückverfolgt werden kann.)
Servus.
Wer sich wie JAP wundert, dass sich Universitäten für Anonymisierung interessieren, und ja, Gelder dafür auch aus öffentlichen Töpfen kommen, denkt vielleicht bei Anonymisierung nur an Terroristen - wie es derzeit Mode oder kollektiver Wahn ist, vergisst aber etwas.
Die Wirtschaft hat ein großes Interesse an Anonymisierung, was die öffentliche Hand schon immer geöffnet hat. Die Unternehmen wollen sich auf den Internetseiten über das Marktgeschehen informieren, ohne dass bekant ist, wofür sich Firma X gerade interessiert.
Machen Sie das auf herkömmliche Weise, weis der Betreiber der Webseite gleich, wer sich da für seine Informationen interessiert. Mit etwas Pech verwehrt Ihnen die Software sogar den Blick auf die Seiten.
Das ist etwa so, als verschlösse sich vor Ihnen eine Ladentür automatisch, weil Sie einen Gemüseladen betreten wollen und selbst Gemüsehändler sind: Für "Wettbewerber" kein Zutritt. Ein vielleicht simplifiziertes Beispiel, aber die Welt besteht nun mal nicht nur aus IT-Leuten.
Nun lebt das Geschäft aber auch von der Marktbeobachtung, und es ist nicht zumutbar, dass jemand, der sich umsieht, gewissermaßen ungewollt überall seine Identität hinterläßt. Wenn sich der Einkäufer der Auto AG beim Zulieferer Getriebe KG zunächst unverbindlich umsieht, will er nicht gleich mit Angeboten überhäuft werden, oder gar in der Wirtschaftspresse lesen: "Hat Auto AG Probleme mit ihren Getrieben?"
Nicht allein, aber auch deshalb gibt es öffentlich geförderte Projekte, die sich mit Anonymisierung befassen.
Wenn Sie sich mehr für das Thema interessieren, schauen Sie einmal hier:
http://www.heise.de/newst...
Die Leute von heise.de haben mit den Computermagazinen c't und IX zu tun und berichten sachkundig über das Thema.
Gruß
Frankarouet
Der Satz „Lieber tot als Menschenmüll“ kommt mir sehr bekannt vor.Wie ist der Nickname des Schreibers in diesem Copzone-Forum gewesen?Und ich kann ihn nicht irgendwo im Netz gelesen haben, denn das einzige Ergebnis über Google führt hierher.
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