Hartz-Reform Gerechtigkeit nach Beck und Rüttgers

Arbeitslosengeld soll nach Lebensalter oder Einzahlungszeit gezahlt werden, schlägt SPD-Chef Beck vor und modifiziert ein Modell der CDU. Es bleibt eine schlechte Idee.

Schlechte Ideen werden nicht dadurch besser, dass man sie wiederholt. Da hat Jürgen Rüttgers, christdemokratischer Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, im vergangenen Jahr vorgeschlagen, die Bezugsdauer für das Arbeitslosengeld I für ältere Arbeitnehmer zu verlängern - und musste dafür ordentlich Kritik einstecken. Nun nimmt sein sozialdemokratischer Kollege aus Rheinland-Pfalz, Kurt Beck, gleichzeitig SPD-Vorsitzender, den Vorschlag auf, verschlimmbessert ihn - und wird dafür zu Recht angegriffen.

Natürlich kann man geteilter Meinung sein, wie ein gerechter Ausgleich in einer Gesellschaft zu finden ist: Sollte nicht derjenige, der lange in die Arbeitslosenversicherung eingezahlt hat, im Notfall auch mehr daraus erhalten? Ähnlich funktioniert eine Autoversicherung schließlich auch. Wobei sich die Besserstellung hier nicht im Schadensausgleich, sondern in der Beitragshöhe zeigt. Auch kann man streiten, wie viel Absicherung sinnvoll ist und wie viel Eigenverantwortung man fordern darf. Und darüber, wer stärker zu schützen ist: der Alte, der Familienversorger, der schwer Vermittelbare.

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Doch ökonomisch weisen die Ideen von Rüttgers und von Beck in die falsche Richtung. Sie wenden sich gegen den Kerngedanken der Hartz-Reformen, nach dem es besser ist, Arbeitslose zu aktivieren und sie zu vermitteln, als sie möglichst lange zu alimentieren. Dafür gibt es gewichtige Gründe, die schon vor einem Jahr (als Rüttgers vorpreschte) in der ZEIT zu lesen waren und heute (angesichts des Beck-Vorschlags) immer noch richtig sind:

- Das verlängerte Arbeitslosengeld für Ältere verleitet Arbeitgeber dazu, solche Mitarbeiter systematisch auszusondern; besonders, wenn die Rente nicht mehr allzu weit ist.

- Mit jedem Monat Erwerbslosigkeit sinkt die Chance, wieder einen Job zu finden. Diese Gefahr unterschätzen viele Arbeitslose. Ganz gleich, wie lang die Zahlung dauert, beobachten Wissenschaftler gleichzeitig, dass die Vermittlungsquote im letzten Bezugsmonat stark ansteigt. Warum ihn also unnötig hinauszögern?

- Es ist völlig unklar, wie viele Menschen künftig 15 oder 24 Monate (Becks Vorschlag), beziehungsweise 18 oder 24 Monate (Rüttgers' Vorschlag) Geld bekommen soll und was das kosten wird. Denn die Versicherungsverläufe der Arbeitnehmer sind bei der Bundesagentur für Arbeit gar nicht gespeichert.

- Die Debatte um eine Verlängerung der Bezugsfristen verschleiert, dass die Zeit, in der jemand einen neuen Job suchen kann, viel länger ist. Denn heute gilt: Wer die Kündigung erhält, muss sich sogleich beim Arbeitsamt melden. Zu diesem Zeitpunkt läuft aber noch die Kündigungsfrist. Bis das Arbeitslosengeld einsetzt, sind es also mindestens drei, manchmal sechs Monate, bei Abfindungsregelungen auch noch mehr. So bleiben fast zwei Jahre, um eine neue Stelle zu finden.

Leser-Kommentare
    • dito72
    • 02.10.2007 um 14:20 Uhr

    ... so sehe ich das, wenn ich solche Forderungen höre und lesen. Den älteren ist nicht geholfen, wenn sie ein paar Monate länger ALG erhalten. Was sie brauchen sind einträgliche Jobs bis zum Eintritt des Rentenalters. Und unter einträglich verstehe ich keine Hungerlöhne, die man mit Hartz-Fear aufstocken lassen muss. Mindestlöhne sind notwendig, schon lange. Wer das bestreitet ist m.E. schlicht und ergreifend ein Menschenhasser. Unternehmen, die nicht mal in der Lage oder willens sind einen Mindestlohn von sagen wir mal 8 oder 9 Euro zu zahlen, habe schlicht und ergreifend keine wirtschaftliche Existenzberechtigung.

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    Sie schreiben:

    "Unternehmen, die nicht mal in der Lage oder willens sind einen Mindestlohn von sagen wir mal 8 oder 9 Euro zu zahlen, habe schlicht und ergreifend keine wirtschaftliche Existenzberechtigung."

    Womit den Angestellten sehr geholfen wäre, denn wenn ich Sie richtig verstehe, müsste man das Unternehmen wegen Nicht-Existenzberechtigung liquidieren.

    Liebe Leut', schmeisst doch nicht alles durcheinander. Wirtschaftliche Funktionalität ist das eine, Moral das andere. Wo beides nicht zusammengeht, müssen Lösungen gefunden werden. Das kann, aber muss nicht der Mindestlohn sein. Vielleicht wäre eine Negativsteuer die bessere Lösung.

    Sie schreiben:

    "Unternehmen, die nicht mal in der Lage oder willens sind einen Mindestlohn von sagen wir mal 8 oder 9 Euro zu zahlen, habe schlicht und ergreifend keine wirtschaftliche Existenzberechtigung."

    Womit den Angestellten sehr geholfen wäre, denn wenn ich Sie richtig verstehe, müsste man das Unternehmen wegen Nicht-Existenzberechtigung liquidieren.

    Liebe Leut', schmeisst doch nicht alles durcheinander. Wirtschaftliche Funktionalität ist das eine, Moral das andere. Wo beides nicht zusammengeht, müssen Lösungen gefunden werden. Das kann, aber muss nicht der Mindestlohn sein. Vielleicht wäre eine Negativsteuer die bessere Lösung.

  1. Wieder so ein Artikel, bei dem man sich fragt in welchem Deutschland der Autor lebt. Von Zeitarbeitsverträgen, Langzeitarbeitslosigkeit noch nie etwas gehört.

    Statt dessen schwadroniert der Autor über die vielen Monate und Jahre die dem Arbeitslosen in spe bleiben, eine neue Beschäftigung zu finden.

    Das gilt leider nur für die Journalisten der Zeit und Beschäftigte des Zeit-Verlages oder die Beschäftigten von größeren Unternehmen, in denen ein Betriebsrat einen Sozialplan aushandeln und durchsetzen kann.

    Manchmal wünscht man den Journalisten ein mehrmonatiges Praktikum in den Wartesälen des Arbeitsamtes oder der Annahmestelle für HartzIV-Anträge.

  2. Ein guter und mutiger Beitrag.

  3. Sie schreiben:

    "Unternehmen, die nicht mal in der Lage oder willens sind einen Mindestlohn von sagen wir mal 8 oder 9 Euro zu zahlen, habe schlicht und ergreifend keine wirtschaftliche Existenzberechtigung."

    Womit den Angestellten sehr geholfen wäre, denn wenn ich Sie richtig verstehe, müsste man das Unternehmen wegen Nicht-Existenzberechtigung liquidieren.

    Liebe Leut', schmeisst doch nicht alles durcheinander. Wirtschaftliche Funktionalität ist das eine, Moral das andere. Wo beides nicht zusammengeht, müssen Lösungen gefunden werden. Das kann, aber muss nicht der Mindestlohn sein. Vielleicht wäre eine Negativsteuer die bessere Lösung.

    Antwort auf "Am Thema vorbei..."
    • QUOTE
    • 02.10.2007 um 16:08 Uhr

    "Manchmal wünscht man den Journalisten ein mehrmonatiges Praktikum in den Wartesälen des Arbeitsamtes oder der Annahmestelle für HartzIV-Anträge."

    Keine Sorge, korfstroem...die neoliberalen Schreiberlinge werden ihren persönlichen Einlauf von ihren Herausgebern schon früh genug verpaßt bekommen.

    http://www.zeit.de/2007/3...

    btw: wem gehören eigentlich die kleinen grünen Männchen und Weibchen, die seit ein paar Jahren unter dem Logo "pin" Post austragen? Richtig, u.a. der Holtzbrinck-Gruppe (der ZUFÄLLIGERWEISE auch die ZEIT gehört), und die sich mit dem Rest der Branche verzweifelt gegen einen Mindestlohn sperrt.

    Gut, daß man sein neoliberales Sprachrohr gleich im Portfolio hat...

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    die Intelligenzler hier:

    What the fuck is neoliberal?

    Hayek?
    Keynes?
    Erhard?
    Müller-Armack?
    Freiburger Schule?
    Eucken?
    Friedman?

    Vielleicht ist dies das einzige, was "Linke" wirklich können: Die Sprache als Waffe nutzen.

    die Intelligenzler hier:

    What the fuck is neoliberal?

    Hayek?
    Keynes?
    Erhard?
    Müller-Armack?
    Freiburger Schule?
    Eucken?
    Friedman?

    Vielleicht ist dies das einzige, was "Linke" wirklich können: Die Sprache als Waffe nutzen.

  4. die Intelligenzler hier:

    What the fuck is neoliberal?

    Hayek?
    Keynes?
    Erhard?
    Müller-Armack?
    Freiburger Schule?
    Eucken?
    Friedman?

    Vielleicht ist dies das einzige, was "Linke" wirklich können: Die Sprache als Waffe nutzen.

    Antwort auf "@korfstroem"
    • dito72
    • 02.10.2007 um 17:23 Uhr

    Kommen Sie mir jetzt bitte nicht mit der Mär' Mindestlöhne könnten nicht bezahlt werden... lächerlich. Keine Mindestlöhne heisst schlicht und ergreifend Lohndumping und nichts anderes. Ein Mindestlohn hilft ja nicht nur den Arbeitnehmer, nein im Gegenteil: Unternehmern hilft er sich gegen miese Konkurrenz durchzusetzen. Wer nur über den Preis geht, dessen Leistungen sind in der Regel auch schlicht nix wert.

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    Ob Mindestlöhne von Unternehmen gezahlt werden können, ist nicht meine Fragestellung. Vielmehr kann ich mir dort, wo die Löhne niedrig sind, eine Negativsteuer vorstellen, um die Preisfindung möglichst wenig zu stören und dennoch ein Einkommen auf einem relativ würdigen Niveau (muss definiert werden) zu garantieren.

    Ob Mindestlöhne von Unternehmen gezahlt werden können, ist nicht meine Fragestellung. Vielmehr kann ich mir dort, wo die Löhne niedrig sind, eine Negativsteuer vorstellen, um die Preisfindung möglichst wenig zu stören und dennoch ein Einkommen auf einem relativ würdigen Niveau (muss definiert werden) zu garantieren.

    • dito72
    • 02.10.2007 um 17:26 Uhr

    Inwiefern ist denn Ihre Kategorisierung "Linke" denn besser als die Kategorisierung "Neoliberale"?... Sie scheinen doch genau so ein Schubladendenker zu sein... ts ts ts

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    Ich kennzeichne "Linke" absichtlich, um anzudeuten, dass es noch andere gibt.

    ...mit Überfliegrn zu kommunizieren-wer Löhne unter 7 € zahlt ist kriminell & wer sie verteidigt keine Silbe wert.

    Ich kennzeichne "Linke" absichtlich, um anzudeuten, dass es noch andere gibt.

    ...mit Überfliegrn zu kommunizieren-wer Löhne unter 7 € zahlt ist kriminell & wer sie verteidigt keine Silbe wert.

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