China Schlacht um Hochtechnologie
Rund 200 Milliarden US-Dollar will China über seinen Staatsfonds im Ausland investieren. Müssen wir uns davor fürchten? Fragen an einen Finanzfachmann, der in Peking lebt
ZEIT online: Herr Hofmann, am Samstag soll Chinas Staatsfonds mit einem Kapital von 200 Milliarden US-Dollar offiziell an den Start gehen. Ist die Furcht berechtigt, dass China mit Hilfe dieses Geldes westliche Unternehmen im großen Stil aufkauft?
Christian Hofmann: Ich glaube, die Angst ist überzogen. Zwar gibt es noch keine offiziellen Informationen darüber, in welche Länder oder Branchen der Fonds investieren möchte. Vieles ist vorstellbar. Sicher scheint aber, dass die chinesische Führung den Staatsfonds primär als Politikinstrument zur Sicherung strategischer Interessen einsetzen wird zum Beispiel, um die Energie- und Rohstoffsicherheit Chinas zu garantieren. Erhebliche Investitionen werden nach Afrika, die Golfstaaten und andere rohstoffreiche Regionen fließen, zum Teil also in Länder, die dieses Kapital noch gut gebrauchen können. Versuche kurzfristiger Gewinnmaximierung, zum Beispiel über eine breite Anlage an den weltweiten Aktienmärkten, sind hingegen nicht zu erwarten.
ZEIT online: Die Industrieländer müssen also nicht fürchten, dass ihre Technologie durch chinesische Investoren aufgekauft wird?
Hofmann: Es gibt ja schon längst Fälle, in denen kleinere und mittelständische Unternehmen im Westen von Chinesen aufgekauft wurden. Das erregt wenig öffentliches Interesse, weil es eben nicht um Siemens oder General Electric geht, aber auch dadurch erwirbt das Land Technologie. Über den Staatsfonds nun direkt in größerem Umfang in westliche Hochtechnologie zu investieren, mag zwar für die chinesische Seite sehr verlockend sein. Aber die Staatsführung wird sich das meiner Ansicht nach verkneifen. Chinas Image im Westen ist ohnehin angeknackst. Das Land hat in den vergangenen Jahren gelernt, dass die westlichen Regierungen und Medien sehr allergisch auf solche Versuche reagieren. Die Schlagzeilen, die eine Investition im großen Stil mit sich brächte, will man vermeiden. China wird subtiler vorgehen.
ZEIT online: Es gibt also doch Grund zur Sorge.
Hofmann: Aber nicht wegen des Staatsfonds. Die eigentliche Schlacht um Hochtechnologie findet in China selbst statt, wo ausländische Investoren alle möglichen Bedingungen erfüllen müssen, um sich im Land engagieren zu dürfen. Vor allem dadurch erhalten chinesische Unternehmen Zugang zu westlicher Technologie. Außerdem werden chinesische Firmen auch in Zukunft beträchtliche Hilfen vom Staat erhalten, damit sie den Sprung ins Ausland schaffen und innovativer werden. Das geschieht allerdings nicht im Rampenlicht und unter internationalem Blitzlichtgewitter.
Christian Hofmann lebt und arbeitet seit über vier Jahren in Peking, wo er für die Münchner Vermögensverwaltung FIVV AG die asiatischen Finanzmärkte und die wirtschaftliche Entwicklung Chinas beobachtet. Die Gelder seiner Kunden investiert er in festlandchinesische Unternehmen, vor allem in kleine und mittlere Firmen.
Die Fragen stellte Alexandra Endres
- Datum 01.10.2007 - 13:47 Uhr
- Quelle ZEIT online
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