InternetAlexandria im NetzSeite 2/2

Nun wird eine beständige Ausweitung des Programms angestrebt. Dies soll in Kooperationen mit privaten Kapitalgebern ermöglicht werden, die Buchlizenzen erwerben und dann über die Plattform vertreiben. Die Betreiber bemühen sich zudem um Projekte mit Verlagen, die alleine nicht in der Lage oder willens sind, ihre umfangreichen Programmkataloge zu digitalisieren und zu vermarkten.

Überdies sollen durch Kooperationen mit Forschungs- und Bildungseinrichtungen Partner aus dem Wissenschaftsbetrieb gebunden werden. Das Institut für Technikgeschichte der Humboldt Universität in Berlin ist bereits interessiert. Schließlich setzt das Portal in Zeiten des Web 2.0 auf die Initiative privater User. Im Verlagsdeutsch heißt das „Buchpatenschaft“: Ein Nutzer kann ein ihm wichtig erscheinendes Buch „kalkulieren“, also den Preis einer möglichen Digitalisierung auf der Zeno.org-Seite feststellen und gegebenenfalls Mitstreiter suchen, die dann zusammen die Onlinestellung bezahlen.

Finanzieren soll sich Zeno.org durch Werbung, die gezielt neben bestimmten Einträgen (und damit für eine gewünschte Zielgruppe) geschaltet werden kann. Zunächst sind diese „Graffiti“-haften Anzeigen kostenlos. Bei mehreren Interessierten wird der Werbeplatz „versteigert“. In drei bis fünf Jahren soll sich die Seite selber tragen können.

Wie attraktiv Zeno.org für potenzielle Nutzer werden kann, die ja bereits auf Quellensammlungen wie Wikisource frei zugreifen können, hängt davon ab, inwieweit sich die Website tatsächlich etabliert gegen die Konkurrenz des Gutenberg-Projekts oder auch der Volltext-Suche-Online. Das neue Portal steht zum Start irgendwo dazwischen. Die Richtung ist klar: "Wir wollen das zentrale Referenzportal in deutscher Sprache werden", sagt Geschäftsführer Ralf Szymanski.

Der Namensgeber der Seite Zenodotos sei führender Philologe und Archivar der Antike und Verwalter der berühmten Bibliothek von Alexandria gewesen, erfährt man vom Verlag. Damals wollte man das gesamte Wissen der Zeit an einem Ort binden. So vermessen sei man im digitalen Zeitalter zwar nicht, nacheifern möchte man diesem Ideal schon. Die Bibliothek, eins der antiken sieben Weltwunder, ist bekanntlich abgebrannt.

 
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