Unsere E-Mail-Adressen, unsere Kaufgewohnheiten, unser Musikgeschmack, unsere Kreditwürdigkeit –– gehören sie wirklich noch uns? In den Datenbanken der Onlinewarenhäuser, in Foren und „sozialen Netzwerken“ sammeln sich immer mehr Details über unser Leben. Wo immer wir Informationen, Dinge oder Freunde suchen, brauchen wir erst einmal einen Account. Und den bekommen wir nur, wenn wir viele Fragen zu unserer Person und zu unserem Leben vollständig beantwortet haben. Unsere Offenherzigkeit ist allerdings nicht immer harmlos und schon gar nicht folgenlos: Regelmäßig erfahren wir von spektakulären Datendiebstählen. Die kleinen Dreistigkeiten dubioser Adressenhändler fallen schon kaum noch auf, so alltäglich sind sie. Das Ergebnis: Spam - immer, überall. Und tauchen wir in den falschen Datenbanken auf, gelten wir schnell als Kreditrisiko, potenzieller Versicherungsbetrüger - womöglich sogar als Sicherheitsrisiko.

Eine Möglichkeit, die Kontrolle über unsere Daten wieder zurückzuholen, heißt: Dezentralisierung. Statt Daten in immer größeren Datenbanken zusammenzuführen, werden sie an unterschiedlichen Stellen im Netz verteilt. Das müsste sogar der Internet-Ökonomie nützen: Durch transparenten Datenverkehr können neue Kundenkreise erschlossen und  Geschäftsmodelle verwirklicht werden – und vielleicht sogar wieder etwas mehr Demokratie ins Internet der Konzerne gebracht werden.

In dieser Serie wollen wir einige Techniken und Projekte vorstellen, die es sich zum Ziel gemacht haben, dem Nutzer die Herrschaft über seine Daten zurückzugeben.


TEIL 1: OpenID - der Online-Ausweis

Statt Dutzender Profile nur eins: meins. Ein dezentrales Identifikationssystem ermöglicht die automatische Anmeldung bei Webseiten.

Wer einen neuen Account im Internet anlegt – egal ob für die E-Mail, ein Webforum oder eine neue Shoppingseite – erlebt stets ein mühsames Prozedere: Zuerst muss man sich einen Nutzernamen und ein Passwort auswählen. Danach wird man über drei Seiten nach Details vom Geburtsdatum bis zu persönlichen Vorlieben befragt und muss die Anmeldung am Schluss per E-Mail absegnen. Das kostet nicht nur Zeit und Nerven - mit der Zeit verliert der Internetnutzer auch den Überblick über die vielen Accounts. Zu Hause kann man die Passwörter zwar komfortabel im Browser abspeichern; spätestens im Internetcafé im Ausland hat man jedoch Probleme, sich an alle Usernamen und Passwörter zu erinnern.

Eine Lösung dieses Problems verspricht ein Identifikationssystem namens OpenID. Die zugrunde liegende Idee: Statt für jede einzelne Webseite einen eigenen Account samt Passwort einzurichten, kann man sich bei vielen Internetdiensten mit einer einzigen Identität anmelden – der OpenID.