Rassismus Wer schweigt, scheint zuzustimmen
Manuela Ritz stammt aus Mügeln und weiß, was Diskriminierung heißt – weil sie selber anders ist. Für einen Tag kam sie zurück in ihre alte Schule, um einen Antirassismusworkshop zu leiten. Eine Reportage.
„Da oben“, sagt Manuela Ritz und zeigt auf ein Fenster unterm Dach, „bin ich aufgewachsen.“ Drei Stockwerke, graue Fassade, keine Wehmut in ihrer Stimme, keine Nostalgie. Eine nüchterne Feststellung. Das Haus, vor dem sie steht, war früher ein Kinderheim. Dort wurde Manuela Ritz einst angeliefert, wie sie sagt; von ihrer Mutter zur Adoption freigeben. Ein Ergebnis eines Seitensprungs. Es sollte niemand sehen, keiner darüber reden. Hätte sie weiße Haut gehabt, wie ihre Halbgeschwister, wäre sie vielleicht gar nicht aufgefallen. Doch die hat sie nicht. Ihr Vater war ein Austauschstudent, er stammt aus Kenia. Manuela Ritz ist eine schwarze Deutsche. Groß geworden in einer kleinen Stadt in Sachsen, deren Name bis vor Kurzem kaum jemand kannte, der inzwischen jedoch zum Synonym geworden ist: Mügeln.
Sie geht durch die Straßen, eine kleine, aufrechte Frau mit stacheligen Dreadlocks und geradem Blick. Sie betrachtet die Häuser, die Menschen, schaut, wie ein Fremder schauen würde. Es ist schon lange nicht mehr ihr Ort, war es vielleicht nie. Sie erzählt nicht viel darüber, wie es ist, anders zu sein als all die anderen. Aber zu Hause sei sie hier nicht. „Mügeln ist nicht meine Heimat, das ist mein Herkunftsort.“
Immer, wenn sie über sich und ihr Leben redet, meidet sie Emotionen, es klingt sachlich, neutral. Sie wolle nicht jammern, sagt sie. „Weil es nicht weiterbringt.“ Vor allem aber, weil es einen zum Opfer macht, schwach und hilflos. Und das will sie auf keinen Fall sein. „Neger, Feger“, hätten andere Kinder ihr manchmal zugerufen, erzählt sie, und dass sie sich nicht einmal an deren Gesichter erinnern könne, weil sie zu Boden schaute. Irgendwann jedoch habe sie den Kopf gehoben und zurückgebrüllt: „weißer Scheißer!“ Sie lacht. Es muss befreiend gewesen sein, die Erfahrung, sich wehren zu können. Sie hat einen Beruf daraus gemacht: Manuela Ritz leitet heute Antirassismusseminare. Sie klärt andere über Diskriminierung auf.
Vor der Wende hat sie Mügeln verlassen, kurz nachdem sie mit ihrer Ausbildung zur Erzieherin fertig war. Kam nur noch dorthin, um gelegentlich ihre Adoptivmutter zu besuchen, die Oma ihrer beiden Kinder. Nichts Besonderes. Dieses Mal jedoch war sie aufgeregt, sagt sie, hatte „Bauchgrummeln“: Sie hat ihrer alten Schule einen Workshop zum Thema Rassismus angeboten. Kostenlos. Denn es habe sie schockiert, wie schnell schlimme Ereignisse in den Hintergrund rücken, wie groß der Wunsch der Menschen sei, sie zu verdrängen. Kurz nachdem auf dem Rathausplatz acht Inder auf einem Volksfest verprügelt und über die Straße gejagt wurden, habe sie mit dem Vater eines früheren Freundes gesprochen, erzählt sie, einem Mügelner. Er habe das gar nicht erwähnt, keine Silbe darüber, wie ein Mob vor der „Piccobello“-Pizzeria „Ausländer raus“ brüllte.
„Als ich hierher kam, habe ich natürlich geguckt, was spüre ich noch davon, was ist noch da von der Energie? Nichts. Überall normales Leben! Das ist abgefahren, es ist alles wie früher, sogar netter.“ Gibt es Rassismus in Mügeln? „Es gibt Rassismus in Deutschland“, sagt sie. Und dass sie sich gut vorstellen könne, dass die meisten Mügelner genau wie die meisten Deutschen das anders sehen. „Sie bekommen ihn ja nicht ab.“
Meistens zumindest. Johann (Name geändert) steht mitten im Klassenraum und liest laut den Text eines Plakats vor: „Wenn es Blauäugigen hier nicht gefällt, dann sollen sie doch dahin gehen, wo sie hergekommen sind.“ Nicht schwer eigentlich, die Worte zu sprechen. Doch Johanns Stimme schwankt. Seine Beine zittern. Johann ist ein Blauauge, jemand, den die anderen im Raum nicht mögen sollen, dem sie nicht zulächeln dürfen, der für sie ein Versager sein muss. Zumindest einige Stunden lang. Denn die Klasse 9a der Goethe-Schule in Mügeln lernt heute etwas über Rassismus und Diskriminierung. Von Manuela Ritz.
- Datum 17.10.2007 - 09:41 Uhr
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Hi @ll
Sehr schön.
Es ist immer noch nicht gabnz geklärt was sich abspielte in der fraglichen Nacht in Müggeln, aber eines steht wieder mal fest.
Rasissten, überall nur Rassisten (ausschließlich die Einheimischen, ist per Definition so).
Deshalb ist es gaaanz wichtig das hauptberufliche "Antirassismus" Trainer jeden Einheimischen, solange er weiss ist, jeder Zeit und an jedem Ort "erziehen" dürfen.
Und wenn er nicht will, dann wird er schon mal vorsorglich "aus dem Verkehr gezogen", kann ja nicht angehen das potentielle (weisse) Rassisten frei rumlaufen.
Ironie off (für die Merkbefreiten)
Passender Artikel zum Thema
http://www.heise.de/tp/r4...
Gruss
Rene
und der Hass auf die die anders sind hat einmal dem Überleben der Menschheit und dem Entststehen von Zivilisation gedient und ist ein natürlicher Reflex. Die Politik nutzt das um an die Macht zu kommen und um Kriege dem Volks als notwendig zu erklären. Gottseisgedankt verlieren die Deutschen und Europäer diese Kriege immer wieder, und auch im innereen wo Fremde herumgeschubst und schikaniert und diffamiert weren oder gar massenhaft ermordet in der jüngeren Geschichte schaffen es die Zuwanderer die die Plätze ausfüllen die die Deutschen nicht mehr besetze können immer mehr sich zu emanzipieren, obwohl sie durch keine gesellschaftliche Kraft wie Parteien oder Kirche echte Hilfe bekommen. Heute haben wir die Globalisierung wo westliches Kapital ohne Grenzen zu kennen weltweit marodiert und den Menschen ihre Lebensgrundlagen zerstört. Gleichzeitig ertrinken vor der Festung Europa unzählige Opfer dieser Politik. Rassismus hat auch etwas mit kapitalistischen Monopolen zu tun, deshalb wäre es besser dem Kapital Grenzen anzulegen, und Grenzen für die Menschen zu öffnen. Die Dulder und Zuschauer sind den Hetzern aus Politik zwar eine dankbares Klientel, die sich von den rechten versoffenen Randgestalten die Gewalt verüben abgrenzen, aber auch sie warten nur auf ihr Zeichen um evtl. loszuschlagen und sind in ihrer Masse gefährlich. Viele Menschen die aus politischen Gründen von Kosovo oder Afghanistan herausgelockt wurden, werden nun dahin wieder deportiert in schlimmere Verhältnisse als aus denen sie davongelaufen sind. Deshalb ist auch die Stimulierung von ethnischen Konflikten und Bürgerkriegen für politische Zwecke eine schlimme Form des politischen Rassismus.
Es ist immerwieder erstaunlich, wie LEBENSBEDROHLICHE Verhältnisse und fehlendes Gewaltmonopol des Staates als "Diskriminierung" abgentan werden.
Dämlicher kann es nicht werden, nein.
"anders Aussehender" ist, so platt ist die Angst und sind die Ressentiments gegen "Ausländer". Frau Ritz z.B. entstammt weder einem anderen Kulturkreis, noch ist sie irgendwann eingewandert. Sie ist "vollständig deutsch" oder kann man das mit einer dunklen Haut nicht sein? Platter, als das Deutschsein am Aussehen festzumachen, geht es nun wirklich nicht. Ich kann mich vielleicht konkret über Ali/Mamadou/Vladimir aufregen, der hier leben möchte, aber gleichzeitig unsere Gesetze und unser Recht mit Füßen tritt, indem er dealt oder schlägt - den gibt es. Ich kann mich auch konkret über das integrationsunwillige Ausländerehepaar in der Nachbarschaft aufregen, das seinen Kindern die Chancen verwehrt, hierzulande eine bessere Bildungsperspektive zu erlangen - das gibt es auch. Nur, mir wird ewig schleierhaft bleiben, wie man Menschen völlig indifferent ablehnen kann, die man nicht kennt, von denen man nichts weiß, die einem nichts getan haben, nur weil sie anders aussehen oder hier in Deutschland an ihren kulturellen Besonderheiten festhalten, die einen in keiner Weise beeinträchtigen. Auch ich würde - lebte ich im Ausland - den Kontakt zu meinen Landsleuten suchen und auch ich würde mich in einem freien Land - wie Deutschland es ist -weiterhin so kleiden, wie ich es gewohnt bin und meine Traditionen wahren, egal wo ich lebe. Welche Minderwertigkeitskomplexe müssen Menschen antreiben, die sich durch alle, die nicht sind wie sie, schon alleine durch deren Existenz bedroht fühlen? Was muss ich diesem Land noch mehr entgegenbringen, als dass ich sein Recht und seine Gesetz achte und für meinen Lebensunterhalt aufkomme? Und keiner soll mir sagen, gegen diese Art von Ausländern hat ja keiner was. Frau Ritz beweist das Gegenteil, denn sie ist noch nicht einmal jemals Ausländerin in diesem Land gewesen und wird dennoch nur aufgrund ihres anderen Aussehens vieler Orts diskriminiert. Ich wünsche Frau Ritz rege Beteiligung an ihren Workshops, damit möglichst viele Menschen gewahr werden, was es heißt, zu einer pauschal abgelehnten Minderheit zu gehören.
alles was den sog. schlechten Ausländer ausmacht trifft auch auf Deutsche zu, genauso was den sog. guten Ausländer betrifft, deshalb ist diese Differenzierung auch schon eine Form von Rassismus und Kulturfaschismus. Die Rassisten und Kulturfaschisten winden sich wie schlangen mit ihrer verschlagenen Rethorik in solchen Debatten doch noch ein paar Ressentiments loszuwerden. Schuld ist auch die tendenzielle Ausrichtung der Staatsräson hin zu einem neuen modernisierten Faschismus, einem repressiven Spitzel und Denunnziantenstaat. der eine niedrige Gesinnung befördert.
kindische Spiel:
Als wäre das alles weniger schlimm und weniger zu verurteilen, wenn es Andere gibt, die es genau so machen.
Und immer werden die einzigen 2 Fälle, in denen sich der anfängliche Verdacht als falsch oder aber als zweifelhaft erwiesen hat, angeführt (kurzer Blick ins Heise-Forum.)
Wie aus diesem Spiel ersichtlich wird, reagieren die Diskriminierten auch mit Aggression. Das dürfte MIT ein Grund sein (also keineswegs der alleinige Grund!), warum es auch mehr Gewalttaten von Ausländern Deutschen gegenüber gibt, denn aus den 70er, 80er Jahren kann ich mich nicht an derartige Vorfälle in solcher Zahl erinnern.
"Blue Eye"-Experimente sind gefährlich und haben den Anschein von Ersatzbefriedigung. Was kann ein kleines Kind dafür, dass vor 50 Jahren sein Phänotyp zum Ideal der Rasse auserkoren wurde? Muss man sich vorab daran rächen? Wie garantiert man bei solchen fahrlässigen Experimenten, dass Kinder, die beispielsweise zu Hause schwerste Gewalt erfahren haben und gerade wieder sozialisationsfähig wurden in einem solchen "Spiel" nicht retraumatisiert werden? Muss man Rassismus und Nazismus am eigenen Leib erfahren haben, um sie abzulehnen? Was ist das für eine Aussage über Bildbarkeit von Kindern, was für ein Konzept,das auf den autoritären Charakter anspricht? Muss man Kinder schlagen, damit sie nicht gewalttätig werden? Ersetzt so ein "Nachfühlen" die Ursachenforschung und das Nachdenken von Kindern über Probleme, die sie nicht am eigenen Leib erfahren? Wer garantiert, dass nicht wie bei "Blue Eye" deutlich ersichtlich sadistische Komponenten beim Experimentleiter durchbrechen und an Kindern ausagiert werden? Der Unsitte, solche Seminare heute noch durchzuführen, sollte vom aufgeklärten Standpunkt aus endlich begegnet werden.
http://myblog.de/nichtide...
Blue Eye"-Experimente sind gefährlich und haben den Anschein von Ersatzbefriedigung.
Es handelt sich nicht um ein Experiment, sondern um ein (zugegeben heftiges) Spiel, denn nach Aussage des Artikels wussten die Kinder, dass es kein Ernst war. Für was es eine "Ersatzbefridiegung" sein soll, erschließt sich mir nicht.
Wie garantiert man bei solchen fahrlässigen Experimenten, dass Kinder, die beispielsweise zu Hause schwerste Gewalt erfahren haben und gerade wieder sozialisationsfähig wurden in einem solchen "Spiel" nicht retraumatisiert werden?
Gar nicht, aber mal ehrlich, wieviele träfe das wohl (im Ggs. zu rassistischer Diskriminierung)? Ich habe allen Ernstes schon Erzieherinnen erlebt, die aus ähnlichen Gründen auf Nachtwanderungen u.ä. verzichteten. Man kann es auch übertreiben. Kinder immer mit Samthandschuhen anzufassen, schadet ihnen mehr als es nützt und evtl. Gewaltopfer kann man ja behandeln falls sie einen Flashback bekommen.
Muss man Rassismus und Nazismus am eigenen Leib erfahren haben, um sie abzulehnen?
Manche ja, manche nicht. Direkte emotionale Erfahrung prägt sich jedenfalls viel nachdrücklicher ein. Schon allein die Reaktion der schweigenden Masse zu thematisieren, finde ich unglaublich wichtig. Von Natur aus halten sich nämlich die meisten Menschen für unglaublich couragiert, idR eine fatale Fehleinschätzung...
Der Unsitte, solche Seminare heute noch durchzuführen, sollte vom aufgeklärten Standpunkt aus endlich begegnet werden.
Im Gegenteil, ich finde alle Leute sollten mal bei sowas mitgemacht haben. Müssen ja nicht unbedingt Kinder sein, aber Jugendliche und Erwachsene schon. Psychologisch sehr eindrucksvoll und aufschlussreich.
Blue Eye"-Experimente sind gefährlich und haben den Anschein von Ersatzbefriedigung.
Es handelt sich nicht um ein Experiment, sondern um ein (zugegeben heftiges) Spiel, denn nach Aussage des Artikels wussten die Kinder, dass es kein Ernst war. Für was es eine "Ersatzbefridiegung" sein soll, erschließt sich mir nicht.
Wie garantiert man bei solchen fahrlässigen Experimenten, dass Kinder, die beispielsweise zu Hause schwerste Gewalt erfahren haben und gerade wieder sozialisationsfähig wurden in einem solchen "Spiel" nicht retraumatisiert werden?
Gar nicht, aber mal ehrlich, wieviele träfe das wohl (im Ggs. zu rassistischer Diskriminierung)? Ich habe allen Ernstes schon Erzieherinnen erlebt, die aus ähnlichen Gründen auf Nachtwanderungen u.ä. verzichteten. Man kann es auch übertreiben. Kinder immer mit Samthandschuhen anzufassen, schadet ihnen mehr als es nützt und evtl. Gewaltopfer kann man ja behandeln falls sie einen Flashback bekommen.
Muss man Rassismus und Nazismus am eigenen Leib erfahren haben, um sie abzulehnen?
Manche ja, manche nicht. Direkte emotionale Erfahrung prägt sich jedenfalls viel nachdrücklicher ein. Schon allein die Reaktion der schweigenden Masse zu thematisieren, finde ich unglaublich wichtig. Von Natur aus halten sich nämlich die meisten Menschen für unglaublich couragiert, idR eine fatale Fehleinschätzung...
Der Unsitte, solche Seminare heute noch durchzuführen, sollte vom aufgeklärten Standpunkt aus endlich begegnet werden.
Im Gegenteil, ich finde alle Leute sollten mal bei sowas mitgemacht haben. Müssen ja nicht unbedingt Kinder sein, aber Jugendliche und Erwachsene schon. Psychologisch sehr eindrucksvoll und aufschlussreich.
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