Arbeitslosigkeit "Kurt Beck irrt"

Die Arbeitsmarktexpertin Jutta Allmendinger im Interview über die Hartz-Reformen, Bildungsarmut und das von SPD-Chef Kurt Beck geplante Arbeitslosengeld für Ältere

Als die heute 51-Jährige Jutta Allmendinger 2003 die Leitung des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung in Nürnberg übernahm, modernisierte sie die behördenähnliche Einrichtung sehr schnell. Im April 2007 wechselte sie an die Spitze des Wissenschaftszentrums Berlin. (Veröffentlichung des Interviews mit freundlicher Genehmigung des Tagesspiegels )


Frau Allmendinger, zum Einstieg für Sie als Arbeitsmarktexpertin und Soziologin drei kurze Fragen mit der Bitte um kurze Antworten.

Einverstanden.

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Welches Thema ist wichtiger: Hartz IV oder Krippen …?

Hartz IV, weil es die übergreifendere Diskussion ist. Die Krippendiskussion muss Teil der Hartz-Debatte sein.

… Mindestlohn oder Bildungsoffensive?

Bildungsoffensive ist der übergeordnete Begriff. Viele Gründe, warum manch einer Mindestlöhne fordert, haben mit geringer Bildung zu tun.

… Fordern oder Fördern?

Fördern. Weil in Deutschland die Bildungsarmut zunimmt, also die Zahl der Menschen ohne Abschluss oder mit niedrigen Kompetenzwerten.

Arbeitsmarktforscherin Jutta Allmendinger glaubt, dass SPD-Chef Kurt Beck die Situation der Arbeitslosen falsch einschätzt

Arbeitsmarktforscherin Jutta Allmendinger glaubt, dass SPD-Chef Kurt Beck die Situation der Arbeitslosen falsch einschätzt

Wie hängen Bildungsarmut und Hartz-Reformen zusammen?

In Deutschland wird Armut schon immer vererbt. Das hat nach jüngsten Studien zugenommen. Schaut man sich jeweils 100 Kinder an, so schafften es 83 Kinder aus Akademikerhaushalten an die Universitäten, aber nur 23 Kinder aus Nichtakademikerhaushalten. Hier ist der Zusammenhang zu Hartz IV: Die bildungsfernen Hartz-IV-Empfänger sind auch die Langzeitarbeitslosen ohne Bezug zum Erwerbsleben. Die Arbeitsmarktferne übertragen sie auf ihre Kinder, Bildung wird nicht mehr als wichtig empfunden, sondern als zwecklos.

Dabei hat man das Gefühl, wir reden nur noch über Hartz IV und Mindestlohn.

Im Gegenteil. Wir reden sogar mehr über Bildung – und das schon lange –, aber es folgt weniger daraus. Die ganze Agenda 2010 war mutig und hat gute Ergebnisse, auch für den Arbeitsmarkt, gebracht. In der Diskussion um bessere Bildung konzentrieren wir uns fast ausschließlich auf die Exzellenzuniversitäten oder den Umbau von Universitäten. Wir sagen aber nicht, was wir erreichen wollen.

Jetzt redet die Forscherin.

Ja, das ist meine Erfahrung. Es wurden viel mehr Mittel für Arbeitsmarktforschung als für die Erforschung von Bildungsfragen zur Verfügung gestellt. Dabei müsste der Bund das Thema viel enger und systematischer begleiten. Die Bundesagentur für Arbeit hat jede einzelne Arbeitsagentur analysiert, um zu verstehen, was gut läuft und was nicht. Das müssten wir bei den Schulen genauso machen.

Was fehlt genau?

Systematische Untersuchungen. Wir müssen herausfinden, warum einige Schulen weniger Bildungsarmut produzieren. Wir müssen fragen, wie man Abhängigkeiten vom Elternhaus reduziert, wie man sozial weniger selektiert. Sie können bei der Bildung mit gleich hohen Fördermitteln wie beim Arbeitsmarkt wesentlich größere Wirkungen erzielen und durch ihre präventiven Wirkungen sogar Mittel für Reparaturen am Arbeitsmarkt sparen.

Sie sagten mehr fördern … Ist der Vorschlag von SPD-Chef Beck, das einkommensabhängige Arbeitslosengeld I für Ältere wieder zu verlängern, in Ihrem Sinne?

Nein. Das geht völlig in die falsche Richtung. Wir sehen heute, dass immer weniger Menschen vom Arbeitslosengeld I auf Hartz IV übergehen. Hier funktioniert die Reform – im Zusammenspiel mit der Konjunktur, die viel dazu beigetragen hat.

Leute, die arbeitslos werden, kommen wesentlich schneller wieder in Arbeit?

Richtig. Wenn ich aber die Dauer von Arbeitslosengeld I wieder verlängere, komme ich zu alten Verhältnissen vor allem bei Älteren: Man schafft kürzere Lebensarbeitszeiten, nutzt das Arbeitslosengeld I, um nur die Zeit bis zur Rente zu überbrücken. Man wird die ohnehin niedrige Weiterbildung wieder herunterfahren. Das ist verkehrt. Die Arbeitnehmer wollen gebraucht werden und integriert bleiben, zudem werden wir älter und bleiben länger gesund. Von Seiten der Sozialversicherung können wir uns den Vorschlag sowieso nicht leisten. Für Ältere, die es nicht in normale Beschäftigung schaffen, können Arbeitsplätze bei Vereinen und Verbänden geschaffen werden.

Kurt Beck irrt.

Ja, er irrt. Er ignoriert, dass die Erwerbsquote der über 55-Jährigen inzwischen wieder ansteigt von 37,9 Prozent im Jahr 2001 auf 48,4 Prozent 2006. Mit Becks Vorschlag torpediert man diese gute Tendenz, denn noch liegen wir mit der Erwerbsquote bei Älteren um 25 Prozent niedriger als in Norwegen, Schweden oder auch der Schweiz.

Beck und andere sagen: Es ist nicht gerecht, wenn jemand 30 Jahre lang in die Arbeitslosenversicherung einzahlt und dann nur zwölf Monate Arbeitslosengeld bekommt.

Es ist gerecht, weil es das Grundprinzip dieser Arbeitslosenversicherung ist. Es ist keine Lebensversicherung, bei der Sie ansparen, sondern eine Risikoversicherung. Gerechterweise muss älteren Arbeitslosen, die es am Arbeitsmarkt schwerer als jüngere haben, bei der Integration aber auch geholfen werden.

Aber wer nicht schnell wieder in Arbeit kommt, rutscht sehr schnell ganz nach unten und landet bei Hartz IV. Könnten Sie von 347 Euro im Monat leben?

Zusätzlich zu diesen 347 Euro zahlt der Staat Wohngeld, Heizung und die Sozialversicherung. Ich persönlich habe zumindest einige Zeit meines Lebens so gelebt, als Studentin. Wir müssen unterscheiden: Bekommt man Hartz IV auf Zeit oder langfristig? An dieser Stelle muss man sich die Mühe machen, sich die verschiedenen Gruppen von Hartz-IV-Empfängern anzuschauen.

Nur zu.

Studierende und Schüler beziehen Hartz IV meist nur für begrenzte Zeit, genau wie Ein-Euro-Jobber und Mini-Jobber, also die Aufstocker. Das sind 50 Prozent der Hartz-IV-Bezieher. Und dann haben Sie die bildungsarmen Langzeitarbeitslosen ohne Chance. Hier haben wir eine dauerhaft verarmte Gruppe in Hartz IV. Um die müssen wir uns kümmern.

Nochmals die Frage. Kommt man mit 347 Euro zurecht?

Nochmals meine Antwort. Eine Zeit lang ja, auf Dauer nein. Viel interessanter ist die Frage, wer lebt wirklich in Armut? Sind das alles Hartz-IV-Empfänger, oder sind es auch Familien mit Kindern, die ihren Anspruch auf Hartz IV nicht kennen oder nicht anmelden? Die Kinderarmut in Deutschland ist extrem unterschätzt. Nur löst man das Problem nicht allein durch Geldtransfers. Im Vergleich zur Sozialhilfe haben wir mit dem Regelsatz von Hartz IV Fortschritte gemacht. Der Lebensstandard ist gestiegen.

Dann gibt es ja kaum noch was zu tun.

Nein, das ist auch falsch. Aber das viele, was zu tun bleibt, muss sich konzentrieren auf Bildung und Betreuung, wir brauchen unentgeltliche Kinderkrippen. Wenn Studieren billiger ist als die Kitabetreuung, stimmt etwas nicht.

Besteht auch bei den Hartz-Reformen noch Handlungsbedarf?

Helfen müssen wir vor allem den Familien mit kleinen Kindern, deren Eltern langfristig arbeitslos sind. Bei diesen Familien wirkt sich der Lebenszyklus fatalerweise direkt auf den Schulzyklus der Kinder aus. Die Integrationschancen dieser Kinder tendieren gegen null. Also lassen Sie uns nicht alle in einen Hartz-IV-Topf werfen, sondern ehrlich differenzieren, von wem wirklich gefordert und wer gefördert werden muss.

Was ist Ihr Vorschlag außerhalb des Arbeitsmarktes?

Betreuung, Betreuung, Betreuung. Die Kinder müssen viel stärker sozialpädagogisch in den Krippen, Kitas, Horten und Schulen begleitet werden. Das findet bei uns im Vergleich zu anderen Ländern kaum statt. Ich weiß das, ich habe das bei den Mitschülern meines Sohns in Großbritannien und den USA erlebt. Kinder mit Lernschwächen wurden dort extra gefördert. Die Effekte waren sehr gut.

Mehr Geld und mehr Betreuung also?

Mehr Geld an den Anfang. In den Ländern, in denen ich war, wurde das Geld vor allem in die ersten Klassen gesteckt. Je höher die Kinder kamen, desto weniger Mittel wurden es. Bei uns ist es umgekehrt – aber meist ist es dann schon zu spät. Soziale Kompetenz und Wissenskompetenz müssen bei Kindern früh gefördert werden.

Wer schon in der Krippe lernt, wird nie Hartz-IV-Empfänger?

Das ist jetzt verkürzt. Aber es steckt Wahrheit darin. Es geht bei Krippen ja nicht um Bildungsanstalten im üblichen Sinn. Bildung kann auch heißen, mit anderen zusammen zu sein. Interagieren, reden, sich in der Gruppe verhalten. So banal kann Bildung sein und doch so unerreichbar für viele in unserem Land. Mit anderen zusammen zu sein, zum Beispiel in der Kita, ist auch ein Privileg, das allein fördert schon. Aber gerade die Eltern in einer langen Hartz-IV-Situation schicken ihre Kinder nicht in Kitas. Sie sind isoliert und isolieren sich in der Folge selbst.

> In diesem Sinne legt die Krippe also doch die Basis für Bildung.

Das gelingt vor allem dann, wenn Kinder aus allen sozialen Schichten in der Krippe zusammen sind. Sie haben dann gute Chancen, erfolgreiche präventive Sozialpolitik zu machen, wie wir Sozialwissenschaftler sagen. Wer gut ausgebildet ist, wird seltener arbeitslos. Im Jahr 2005 waren in den neuen Bundesländern 42 Prozent der Erwerbspersonen ohne Berufsausbildung arbeitslos. Auch die Schere bei der Dauer von Arbeitslosigkeit geht zwischen Menschen mit Bildung und Menschen ohne Bildung dramatisch auseinander.

Würde denn ein Mindestlohn Hartz-IV-Empfänger davor bewahren, vom erarbeiteten Lohn nicht leben zu können und „aufstocken“ zu müssen?

Bei uns dreht sich die Diskussion im Moment hauptsächlich um den Mindestlohn für einzelne Branchen, wie etwa bei der Post. Meiner Meinung nach macht es keinen Sinn, wenn der allgemeine Mindestlohn bei neun Euro liegt. Das sind Mindestlöhne, die Personen mit gleicher Qualifikation in anderen Branchen nie bekommen können. Das ergäbe eine andere Art der Ungleichheit. Es entscheiden dann nicht mehr Bildung und Ausbildung über den Lohn, sondern nur die Branche.

Man hat oft das Gefühl, die Debatten um die Hartz-Reformen und den Mindestlohn in Deutschland haben den Charakter von Endzeitkämpfen. Sie waren lange im Ausland, sind wir Deutschen zu ängstlich?

Wir haben uns in Deutschland sehr spät, dafür aber umso schneller, von herkömmlichen Arbeitsmodellen verabschiedet. Der Mann ist heute nicht mehr der alleinige Ernährer, eine Ausbildung hält heute nicht mehr ein Leben lang, ein und denselben Job macht man heute nicht mehr 40 Jahre lang, die Vollzeittätigkeit mit festen Gehaltssprüngen ist heute die Ausnahme. All das ist für viele Menschen eine negative, bedrohliche Erfahrung.

Woanders nicht?

Weniger. Weil es schon länger normal ist. Das gilt für Skandinavien genauso wie für die USA. Es gibt dort Menschen, die haben 15 Jobs, bis sie 50 sind, bei uns sind es vielleicht zwei. Wir sind noch nicht in der Lage, positive Entwicklungen auch positiv zu sehen. Wir konzentrieren uns auf das Negative. Drei Millionen Arbeitslose sind anscheinend nicht so berichtenswert wie fünf. Wir haben den Unterschied zur Sozialhilfe schon längst vergessen. Deshalb wird jetzt Hartz IV negativ kommentiert. Die Fortschritte sehen wir nicht.

Wie werden wir in Zukunft arbeiten?

Wir werden nicht mehr dauerhaft erwerbstätig sein, sondern mit Unterbrechungen. Aber das wird, so hoffe ich sehr, keine Schande mehr sein, sondern etwas Positives. Unterbrechung ermöglicht auch Weiterbildung oder Pflege Älterer oder Betreuung von Kindern oder Auszeiten im Ausland. Das alles muss normal werden, erfordert aber ein Abwenden von Altersgrenzen. Wir sind da strikter als in vielen anderen Ländern.

Wie meinen Sie das?

Wir haben Altersbegrenzungen bei Stipendien, bei der Arbeit, aber auch normative Altersgrenzen, zum Beispiel, wann die Geburt eines Kindes richtig ist: in Deutschland 29 Jahre. Bei uns sind die Altersunterschiede minimal, in anderen Ländern sind sie enorm groß. Es gibt da ganz andere Bilder vom Kinderbekommen. Oder auch von Arbeit im hohen Alter. Wir müssen raus aus diesen Korsetts. Wir dürfen eben nicht nur in der Währung Geld denken, auch die Währung Zeit ist enorm wichtig.

Wenn Sie einen Wunsch frei hätten, was würden Sie in Deutschland ändern?

Unsere Schulen revolutionieren! Die Dreigliedrigkeit abschaffen für ein System von Gemeinschafts- und Ganztagsschulen. Dazu ein Mix von Lehrern und mehr Sozialpädagogen als heute. Nehmen wir etwas Geld für die Spitzenforschung und verwenden es für die Frühförderung unserer Kinder. Sonst lassen wir Potenziale liegen.

Das Interview führten Yasmin El-Sharif, Martin Gehlen und Armin Lehmann vom Tagesspiegel .

 
Leser-Kommentare
  1. Den meisten Menschen, die sich über Arbeitslosigkeit und ihre wirksame Bekämpfung äußern fehlt Bildung, volkswirtschaftliche Ausbildung und Verständnis für die volkswirtschaftlichen Zusammenhänge und Realitätsnähe.

    Die Realitätsnähe wurde von Frau Allmendinger nicht aufgeführt. Der einfache Grund dürfte darin liegen, daß auch Frau Allmendinger zu den Menschen gehört, denen das Maß an Bildung fehlt, um über die Bekämpfung der Arbeitslosigkeit fundiert zu sprechen.

    Dieses Interview ist so weit von unserer gelebten Wirklichkeit entfernt wie das Leben auf der Erde vom Leben auf dem Mars. Ein Produkt aus dem Elfenbeinturm.

    Nur in einem Punkt hat Frau Allmendinger fraglos recht, der Mindestlohn ist ein hilfloses Herumdoktern an den Symptomen. Denn wo ein Mindestlohn vereinbart wird, wird er auch unterlaufen. Die Gesetze von Angebot und Nachfrage lassen sich nicht durch Mindestlöhne kanalisieren. Genausowenig läßt sich Vollbeschäftigung durch Bildungsangebote herbei beten. Genausowenig läßt sich Sozialhilfeempfängern mit Betreuungsangeboten helfen.

    Übrigens steht Frau Allmendinger den HartzIV-Empfängern näher als sie denkt. Das WZB wird wie alle ihre bisherigen bekannten Arbeitgeber aus öffentlichen Mitteln gespeist. Die HartzIV-Empfänger beziehen ihre "Einkommen" lediglich aus einem anderen Haushaltstitel und in geringerem Umfang.

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    "Den meisten Menschen, die sich über Arbeitslosigkeit und ihre wirksame Bekämpfung äußern fehlt Bildung, volkswirtschaftliche Ausbildung und Verständnis für die volkswirtschaftlichen Zusammenhänge und Realitätsnähe."
    wirklich? seltsamerweise haben 80% aller HartzIV-Empfänger eine abgeschlossene Berufsausbildung und 10% sind sogar Akademiker. Was diesen Menschen fehlt ist nicht Bildung sondern WEITERbildung. Doch die können sie von 374 Euro ganz gewiss nicht selbst finanzieren - hier wären Politik und vorallem Wirtschaft in der Pflicht ... nur lehnen diese sich genüsslich zurück und zählen ihre Gewinne.
    Die Frage ist nun noch, was sie mit Realitätsnähe und Verständnis für wirtschaftliche Zusammenhänge meinen ... doch da braucht man nicht lange grüblen - sind das doch die üblichen Forderungen der Wirtschaft, die beleidigt schmollen, weil die Menschen ihnen ihre Raffgier ankreiden, die gelobt und bewundert werden wollen dafür, dass sie aus Renditestreben Menschen entlassen. Wer Kritik am asozialen Verhalten der Konzerne äussert, wird als realitätsfern und ohne wirtschaftliches Verständnis diffamiert ... nur fragen sie sich mal - was ist wirklich realitätsfern: Kritik an der Raffgier und die Forderung nach sozialem Frieden und einer wirklich sozialen Marktwirtschaft oder die Behauptung, der Weg von Gier, Rendite und Egoismus seien der einzig gangbare Weg und der Gipfel der menschlichen Entwicklung?
    Naja - von Ihnen ist wohl keine ehrliche Antwort zu erwarten. Vielleicht eine Frage der Bildung?

    Die Menschen, weiß Frau Allmedinger, sind oft nicht motiviert genug, Arbeitslosigkeit zu beenden. Die Menschen etwa, die gerade wegen der Arbeitslosigkeit in Lohn und Brot stehen.

    Als Mitglied der materiellen Unterschicht fragt man sich, wie viele Menschen eigentlich durch uns Arbeitslose ernährt werden. Alle diese bfws GAFÖGs und oder wie immer die Träger völlig bildungsferner Trainingsmaßnamen sich immer nennen, leben ebenso wie Allemendinger und das IAB recht gut von der Arbeitslosigkeit anderer.

    Falls jemand wissen sollte, wieviel Menschen durch die Verwaltung, angebliche Erforschung oder Disziplinierung von Arbeitslosen in Lohn und Brot gesetzt werden, wäre ich um eine Mitteilung dankbar.

    Mann sollte auch einmal fragen ob es im wirtschaftlichen Interesse dieses Personenkreises läge, Massenarbeitslosigkeit dauerhaft zu beenden

    Uwe Bogumil
    Gladbecks Bürgermeister der Herzen
    MU (Mitglied der materiellen Unterschicht)

    "Den meisten Menschen, die sich über Arbeitslosigkeit und ihre wirksame Bekämpfung äußern fehlt Bildung, volkswirtschaftliche Ausbildung und Verständnis für die volkswirtschaftlichen Zusammenhänge und Realitätsnähe."
    wirklich? seltsamerweise haben 80% aller HartzIV-Empfänger eine abgeschlossene Berufsausbildung und 10% sind sogar Akademiker. Was diesen Menschen fehlt ist nicht Bildung sondern WEITERbildung. Doch die können sie von 374 Euro ganz gewiss nicht selbst finanzieren - hier wären Politik und vorallem Wirtschaft in der Pflicht ... nur lehnen diese sich genüsslich zurück und zählen ihre Gewinne.
    Die Frage ist nun noch, was sie mit Realitätsnähe und Verständnis für wirtschaftliche Zusammenhänge meinen ... doch da braucht man nicht lange grüblen - sind das doch die üblichen Forderungen der Wirtschaft, die beleidigt schmollen, weil die Menschen ihnen ihre Raffgier ankreiden, die gelobt und bewundert werden wollen dafür, dass sie aus Renditestreben Menschen entlassen. Wer Kritik am asozialen Verhalten der Konzerne äussert, wird als realitätsfern und ohne wirtschaftliches Verständnis diffamiert ... nur fragen sie sich mal - was ist wirklich realitätsfern: Kritik an der Raffgier und die Forderung nach sozialem Frieden und einer wirklich sozialen Marktwirtschaft oder die Behauptung, der Weg von Gier, Rendite und Egoismus seien der einzig gangbare Weg und der Gipfel der menschlichen Entwicklung?
    Naja - von Ihnen ist wohl keine ehrliche Antwort zu erwarten. Vielleicht eine Frage der Bildung?

    Die Menschen, weiß Frau Allmedinger, sind oft nicht motiviert genug, Arbeitslosigkeit zu beenden. Die Menschen etwa, die gerade wegen der Arbeitslosigkeit in Lohn und Brot stehen.

    Als Mitglied der materiellen Unterschicht fragt man sich, wie viele Menschen eigentlich durch uns Arbeitslose ernährt werden. Alle diese bfws GAFÖGs und oder wie immer die Träger völlig bildungsferner Trainingsmaßnamen sich immer nennen, leben ebenso wie Allemendinger und das IAB recht gut von der Arbeitslosigkeit anderer.

    Falls jemand wissen sollte, wieviel Menschen durch die Verwaltung, angebliche Erforschung oder Disziplinierung von Arbeitslosen in Lohn und Brot gesetzt werden, wäre ich um eine Mitteilung dankbar.

    Mann sollte auch einmal fragen ob es im wirtschaftlichen Interesse dieses Personenkreises läge, Massenarbeitslosigkeit dauerhaft zu beenden

    Uwe Bogumil
    Gladbecks Bürgermeister der Herzen
    MU (Mitglied der materiellen Unterschicht)

    • Isaidy
    • 07.10.2007 um 17:53 Uhr

    ich teile Ihre Meinung absolut. Insbesondere Ihrem Wunsch am Ende des Interviews schließe ich mich zu 100 % an. Das Bildungssystem gehört in der Tat umgewälzt, um Kindern aus bildungsfernen Schichten endlich mehr Chancengleichheit zu ermöglichen. Die Gesamtschule, und zwar die mit binnendifferenziertem Lernen und integrierter Oberstufe ist für mich die Schulform, die in die richtige Richtung weist. Sie erspart Kindern die demütigende Rückstufung auf eine andere Schule, sie ist in der Lage auf besondere Talente durch Binnendifferenzierung entsprechend einzugehen und sie gibt Anreize und Motivation für die Kinder, die von zu Hause aus keine Förderung erhalten. Nur über die Bildung lässt sich das Problem der vererbten "Unterschichtenproblematik" langfristig lösen. Hier muss dringend investiert werden, und zwar - wie im Interview erwähnt - bereits von Anfang an.

  2. "Zusätzlich zu diesen 347 Euro zahlt der Staat Wohngeld, Heizung und die Sozialversicherung."

    Halt stop. Nicht jeder Harz IV-Empfänger bekommt die ganzen 347 €, von den restlichen Sachen ganz zu schweigen...
    Am erstaunlichsten finde ich nach wie vor, dass die, welche darüber reden, meist noch nie arbeitslos waren/sind, geschweige denn Harz IV auch nur beantragt haben. Viel Spass beim Laufen durch Behörden, die alle versuchen, so wenig wie möglich an Geld auszugeben.

  3. "Den meisten Menschen, die sich über Arbeitslosigkeit und ihre wirksame Bekämpfung äußern fehlt Bildung, volkswirtschaftliche Ausbildung und Verständnis für die volkswirtschaftlichen Zusammenhänge und Realitätsnähe."
    wirklich? seltsamerweise haben 80% aller HartzIV-Empfänger eine abgeschlossene Berufsausbildung und 10% sind sogar Akademiker. Was diesen Menschen fehlt ist nicht Bildung sondern WEITERbildung. Doch die können sie von 374 Euro ganz gewiss nicht selbst finanzieren - hier wären Politik und vorallem Wirtschaft in der Pflicht ... nur lehnen diese sich genüsslich zurück und zählen ihre Gewinne.
    Die Frage ist nun noch, was sie mit Realitätsnähe und Verständnis für wirtschaftliche Zusammenhänge meinen ... doch da braucht man nicht lange grüblen - sind das doch die üblichen Forderungen der Wirtschaft, die beleidigt schmollen, weil die Menschen ihnen ihre Raffgier ankreiden, die gelobt und bewundert werden wollen dafür, dass sie aus Renditestreben Menschen entlassen. Wer Kritik am asozialen Verhalten der Konzerne äussert, wird als realitätsfern und ohne wirtschaftliches Verständnis diffamiert ... nur fragen sie sich mal - was ist wirklich realitätsfern: Kritik an der Raffgier und die Forderung nach sozialem Frieden und einer wirklich sozialen Marktwirtschaft oder die Behauptung, der Weg von Gier, Rendite und Egoismus seien der einzig gangbare Weg und der Gipfel der menschlichen Entwicklung?
    Naja - von Ihnen ist wohl keine ehrliche Antwort zu erwarten. Vielleicht eine Frage der Bildung?

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    ..kenne ich nicht. Sie sind aber jedenfalls irrelevant. Von den LANGZEITARBEITSLOSEN, und das sind die Problemfälle, ist jeder Zweite ohne Berufsausbildung, oder seine Ausbildung ist dermaßen schwach oder veraltet, daß er nicht vermittelbar ist.

    ..kenne ich nicht. Sie sind aber jedenfalls irrelevant. Von den LANGZEITARBEITSLOSEN, und das sind die Problemfälle, ist jeder Zweite ohne Berufsausbildung, oder seine Ausbildung ist dermaßen schwach oder veraltet, daß er nicht vermittelbar ist.

  4. ..kenne ich nicht. Sie sind aber jedenfalls irrelevant. Von den LANGZEITARBEITSLOSEN, und das sind die Problemfälle, ist jeder Zweite ohne Berufsausbildung, oder seine Ausbildung ist dermaßen schwach oder veraltet, daß er nicht vermittelbar ist.

    Antwort auf "Den meisten Menschen?"
  5. "also die Zahl der Menschen ohne Abschluss oder mit niedrigen Kompetenzwerten."

    Aus Frankreich kommt die Zahl, daß nur 7 Prozent der Immigranten Arbeitskräfte sind. Vermutlich wird dies in Deutschland nicht viel anders sein. Ein einfacher Weg, die Bildungsarmut zu reduzieren, wäre also, Immigration auf Menschen zu konzentrieren, die über auf dem deutschen Arbeitsmarkt verwertbare Bildung verfügen. Auf Französisch heißt das immigration choisie.
    Bisher jedoch scheinen aus dem vorderen Orient und Afrika nur wenige ausgebildete Ingenieure oder Informatiker nach Europa einzuwandern.

    Die 7 Prozent finden sich z.B. hier:

    http://derstandard.at/?ur...
    http://www.spiegel.de/pol...

    Eine Leser-Empfehlung
  6. und das trotz all ihrer Studien und Posten (oder sie lügt uns die Hucke voll - wäre auch nichts neues) - und das scheint für das IAB - das sich aus der Bundesagentur für Arbeit finanziert symptomatisch zu sein und dürfte auch der Grund für diverse Fehlentscheidungen und falsche Meinungsbilder zu sein - die das Problem noch verschlimmern

    Die bildungsfernen Hartz-IV-Empfänger sind auch die Langzeitarbeitslosen ohne Bezug zum Erwerbsleben. Die Arbeitsmarktferne übertragen sie auf ihre Kinder, Bildung wird nicht mehr als wichtig empfunden, sondern als zwecklos.

    AHA - Behauptungen ohne belastbare Zahlen bringen uns hier nicht weiter. Falls damit der Kern der von den Kommunen in Hatz IV "abgespielten" ehemaligen Sozialhilfeempfänger gemeint ist - wäre zuzustimmen. Ansonsten trifft das auf den gesamten Rest der rund 6 Mio Hartz IV Empfänger schlicht nicht zu. Hier lügt Frau Allmendinger offensichtlich bewußt aus ihrem Elfenbeinturm heraus.

    Die Reform wirkt nicht, weil sie nicht wirken kann - außer über durchaus gewolltem Lohndumping und prekären Arbeitsverhältnissen. Es liegt einzig und allein am temporären wirtschaftlichem Aufschwung, aber nicht an irgendeiner Reform (vielleicht von den Steuergeschenken über 60 Milliarden jährlich an die Wirtschaft abgesehen durch Schröder und Steinbrück) - die man sich per MWSt-Erhöhung und andere Abgaben "von unten" holt.

    Man wird die ohnehin niedrige Weiterbildung wieder herunterfahren.
    Genau das ist das Problem spätestens seit 2005 - die von der BA unterstützte Weiterbildung ist praktisch ins Nichts abgesackt. Es gibt keine Weiterbildungen mehr. Und im Hartz IV Bereich haben die Menschen überhaupt keine Chance für irgend eine Weiterbildung.

    Es ist gerecht, weil es das Grundprinzip dieser Arbeitslosenversicherung ist. Es ist keine Lebensversicherung, bei der Sie ansparen, sondern eine Risikoversicherung.
    Auch bei einer "Risikoversicherung" kann nicht ständig - und vor allem einseitig - an den Parametern herumgeschraubt werden. Dann müsste man immerhin einen solchen einseitigen Vertrag kündigen können.

    Es ist nicht gerecht - vor allem weil sich der Staat diese zuviel gezahlten Milliarden im zweistelligen Bereich einfach unter den Nagel reißt, statt diese wieder auszuschütten an die Einzahler - sei es durch Leistung oder Beitragssenkung. Mit dem verfassungswidrigen Aussteuerbetrag von 13.000 € hat eh jeder durch die Verkürzung auf 12/18 Monate von ALG I nach ALG II in die Armut geworfene schon 2 Jahre Hartz IV vorfinanziert - wobei ihm dann auch noch zusätzlich ggf. seine Wohnung, seine Altersvorsorge und eventuelles Vermögen geraubt wird.
    Die Verlängerung um 6 Monate würde nirgends Löcher reissen, sondern allenfalls die "Überschüsse" (alleine im letzen Monat kanpp 1 Milliarde!) der BA aus AV-Beitragszahlungen reduzieren, die zweckentfremdet in den Staatshaushalt fliessen sollen. DAS ist ein Skandal ohnegleichen.

    Zusätzlich zu diesen 347 Euro zahlt der Staat Wohngeld, Heizung und die Sozialversicherung. Ich persönlich habe zumindest einige Zeit meines Lebens so gelebt, als Studentin.
    Das war vor mindestens 30 Jahren, Frau Allmendinger. Was hat damals der Lebensunterhalt gekostet? was eine Studentenbude? Es gab überall relativ gut bezahlte Arbeit in den Semesterferien, es gab keine Studiengebühren, dafür vergünstigte Tickets, usw. Alles Scheinargumente zur Verdummung.
    Auch ist das ganz etwas anderes, als wenn man von oben nach unten fällt mitsamt Familie und Kindern, als wenn man sich langsam hoch arbeitet als junger Mensch. Was bringen 40 € Rentenbeitrag (das ist der aktuelle Satz!) später bei der jetzt schon ca. 15% abgesenkten Rente?

    Studierende und Schüler beziehen Hartz IV meist nur für begrenzte Zeit, genau wie Ein-Euro-Jobber und Mini-Jobber, also die Aufstocker. Das sind 50 Prozent der Hartz-IV-Bezieher. Und dann haben Sie die bildungsarmen Langzeitarbeitslosen ohne Chance. Hier haben wir eine dauerhaft verarmte Gruppe in Hartz IV.
    Studenten sind ausdrücklich von Hartz IV ausgenommen. Weiterhin gibt es erhebliche ungelöste Diskrepanzen zwischen BaFög und Hartz IV. Zur Zwangsarbeit verpflichtete EEJ sind keine Aufstocker. Warum behaupten Sie das Gegenteil? Sie wissen überhaupt nicht, worüber Sie da reden - und das als IAB-Chefin!
    Wer "dem Grunde nach" das schmale BaFög beziehen könnte, es aber nicht bekommt, ist erst recht von Hartz IV grundsätzlich ausgeschlossen - was zu erheblichen Verwerfungen führt bei Auszubildenden.
    Es ist weiterhin schlicht eine Lüge, daß 50% der Hartz IVer bildungsarme Langzeitarbeitslose sind. Aber nach über 30 Monaten Hartz IV mit seinen Repressionen und Gemeinheiten, dem Abbau jeglicher vorhandener eigener Reserven, der Ablehnung von Unterstützung und Weiterbildung jeglicher Art sind die Betroffenen wirklich soweit ausgegliedert, dass sie bildungsarm werden (müssen) - und deren Kinder ohne Chance erst Recht. Alleine bei der Einschulung werden in Berlin 75 € nur für Schulbücher fällig - und das ist nur der Einstieg, denn das Spiel der Ausgrenzung über fehlendes geht weiter. Womit sollen diese Kosten aus einem erheblich zu knappen pauschalierten Regelsatz kommen, der keine Bedarfserhöhungen kennt - wobei trotzdem versucht wird, bei Krankenhausaufenthalten neben den 10 € täglich an die Krankenkasse auch noch 35% aus eben dem pauschalierten Regelsatz (Posten Ernährung) zu streichen wegen Bedarfsminderung (oder alternativ als Einkommen aus Sachbezug). Das ist doch mehr als nur krank.

    Warum werden Hartz IV Empfänger in den Angeboten der BA überhaupt nicht gelistet - und wenn, tauchen die erst auf Plätzen größer 100 auf, die Anzeige reicht aber nur bis 99 Positionen?
    Da steckt doch wohl eher System dahinter, bevorzugt ALG I Empfänger vermitteln zu wollen, um weniger ALG I und ggf. den Aussteuerbetrag bezahlen zu müssen - um den Überschuß zu erhöhen - überwiegend zugunsten der Arbeitgeber, um dann die AV-Beiträge massiv nach unten drücken zu können und gleichzeitig weiter Druck auf die Arbeitnehmer ausüben zu können ja nicht aufzumucken. Schon jetzt taucht die heuchlerische Frage auf, woher das Geld kommen soll für weitere 6 Monate - obwohl es schlicht aus den jetzigen AV-Beiträgen einfach vorhanden ist, aber trotzdem dafür den jüngeren was weggestrichen werden soll, um jung gegen alt auszuspielen.

    Bei uns dreht sich die Diskussion im Moment hauptsächlich um den Mindestlohn für einzelne Branchen, wie etwa bei der Post.
    Woh - aber bloß kein Sterbenswörtchen darüber, warum die SPD versucht, diesen Umweg zu gehen. Schlicht weil die Wirtschaft (und damit die CDU + FDP) das nicht will. In über 20 EU-Ländern funktioniert es hingegen bestens mit einem generellen Mindestlohn. Frau Allmendinger sollte bei der INSM anheuern. Da paßt ihr Meinungsbild wohl besser hin. Herr Hilmar Schneider vom IZA (auch bei der INSM tätig) tutet ja mindestens ins gleiche Arbeitgeberhorn.

    Drei Millionen Arbeitslose sind anscheinend nicht so berichtenswert wie fünf. Wir haben den Unterschied zur Sozialhilfe schon längst vergessen. Deshalb wird jetzt Hartz IV negativ kommentiert. Die Fortschritte sehen wir nicht.
    Welche Fortschritte sind denn zu sehen? Es gibt inzwischen über 8 Mio Leistungsempfänger - deutlich mehr als vor Hartz IV Ende 2004. Warum lügt Frau Allmendinger? Den meisten Sozialhilfeempfängern ging es früher besser und den durchaus meisten Arbeitslosenhilfeempfängern auch - denn die AlHi war leistungsbezogen auf das ehemalige Einkommen und die Repressionsmöglichkeiten waren deutlich geringer.

    Das einzige wo man zustimmen muß. Unser Schul- und Bildungssystem ist unter aller Sau - aber trotzdem wird überall daran gearbeitet, dieses noch zu verschlimmern als daran, es zu verbessern - die Studiengebühren sind ein weiteres Beispiel dafür, warum untere Schichten bildungsarm sind - und offensichtlich auch bleiben sollen. Denn genau das ist der Punkt, um den es geht. Und da wirken auch die Medien fleißig mit.

  7. Die Debatte über den Mindestlohn heißt nichts anderes, als daß es Berufsgruppen gibt, auf die der Lohndruck so groß ist, daß die Arbeitenden nicht von dem Ertrag ihrer Arbeit leben können.

    Die Debatte über die Verlängerung des Arbeitslosengeldes heißt nichts anderes, als daß die Arbeitslosigkeit weiterhin ein drängendes, ungelöstes Problem ist. Trotz Aufschwungfaselei der Bundespolitiker.

    Das Interview von Frau Allmendinger sagt nichts anderes, daß eine gut bezahlte Führungskraft in Deutschland nicht unbedingt die Grundrechenarten zu beherrschen geschweige denn Ahnung von dem Fachgebiet braucht.

    Der professoralen Akademikerin ist trotz jahrelanger Beschäftigung mit der Thematik noch nicht aufgefallen, daß das Arbeitslosengeld schon lange keine Versicherung mehr ist. Das Alg ist in heutiger Ausformung eine Sondersteuer der Beschäftigten.

    Nur Behinderte, die des Kopfrechnens nicht mächtig sind, würden eine Versicherung abschließen, die im Schadensfall weniger zahlt als für die Raten aufgewendet wurde. Eine Versicherung soll einen Schadensfall abdecken, den der/die Einzelne nicht tragen kann.

    Frau Allmendinger würden sie ernsthaft eine Versicherung abschließen, die Ihnen nach 1.000 Euro Beitragszahlung ernsthaft erklärt: Tut uns leid, wir übernehmen nur einmalig Schäden bis zur Höhe von 200 Euro. Das macht einen Verlust in Höhe von 800 Euro. Das sollte sogar eine Professorin der Sozialwissenschaften begreifen.

    Warum aber diskutieren wir überhaupt die Verlängerung des Arbeitslosengeldes? Im Normalfall sollte die Versicherung nur für wenige Wochen benötigt werden.

    Klare Antwort: Weil keine Arbeitsplätze vorhanden sind! Das Herausdrängen der Versicherten aus der Versicherung zur Bereinigung der Statistik ist nur eine statistische Lösung nach Vorbild der Planvorgaben der DDR. Kein Beleg für erfolgreiche Beschäftigungspolitik.

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