Argentinien Folternder Priester verurteilt
Erstmals seit Ende der Militärdiktatur wurde ein katholischer Priester in Argentinien zu lebenslanger Haft verurteilt - wegen Beteiligung an Verbrechen während des "Schmutzigen Krieges"
Verschleppung, Folter, Ermordung linksgerichteter Regimegegner und 42 Entführungen: Wegen dieser Verbrechen stand 34 Jahre nach dem Ende der Militärdiktatur, die von 1976 bis 1983 währte, erstmals ein katholischer Priester in Argentinien vor Gericht. Nun verurteilten die Richter den ehemaligen Polizeikaplan Christian Federico von Wernich zu lebenslanger Haft.
Als das Urteil verkündet wurde, brach unter Hunderten von Menschen im und vor dem Gerichtsgebäude großer Jubel aus. Der Richterspruch wurde auch mit Autohupen begrüßt. Nicht nur ehemalige Gefangene der Diktatur und Angehörige der Opfer zeigten sich hocherfreut.
"Wir hätten nie gedacht, dass wir das noch erleben", sagte die Sprecherin der Organisation der Mütter von Diktaturopfern, der Madres de Plaza de Mayo, Taty Almeida. "Die Kirche, die uns so viel Schaden zugefügt hat, erfährt endlich Gerechtigkeit", sagte sie. Der Menschenrechtssekretär der Regierung, Luis Duhalde, sprach von einem "historischen Urteil". Die argentinische Bischofskonferenz teilte in einer Stellungnahme mit, die Kirche des Landes sei "betroffen vom Schmerz, den die Beteiligung eines Priesters an schwersten Verbrechen auslöst".
Die Verteidigung hatte bei dem im Juli begonnenen Prozess auf Freispruch plädiert. Sie wies auch nach dem Urteil die Vorwürfe als übertrieben zurück und sprach von einem ideologisch motivierten Angriff auf die katholische Kirche. Wernich selbst beteuerte, er habe lediglich "sakramentale Dienste" geleistet. Der Priester wurde von Zeugen aber schwer belastet. Unter ihnen waren auch 41 Überlebende der Folterzentren des Regimes. Sie sagten aus, der Angeklagte habe nicht als Priester, sondern wie ein Angehöriger der Foltermannschaften agiert.
Der heute 69-jährige Wernich war einer der engsten Vertrauten des berüchtigten Ramon Campos. Der 1994 verstorbene Ex-Sicherheitschef von Buenos Aires galt als einer der Hauptverantwortlichen für die Verbrechen der argentinischen Militärdiktatur. Der Priester, der die Folter als Methode des Anti-Guerilla-Kampfes öffentlich rechtfertigte, wurde 2003 angeklagt und inhaftiert. Während der Militärdiktatur wurden in Argentinien nach Schätzungen von Menschenrechtsorganisationen etwa 30.000 Menschen ermordet.
- Datum 10.10.2007 - 12:35 Uhr
- Quelle ZEIT online, dpa, Reuters
- Kommentare 5
- Versenden E-Mail verschicken
- Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:





Dass der Typ nicht erst im Himmel - und dort als "berufener" Priester des ewigen Herrn seine Seligkeit als Lohn feiern kann - sondern hier auf Erden in den Knast muss, ist ja eine seltene Gerechtigkeit - ... die nix mit Christentum zu tun hat!
Etwas zur Rettung der Kleriker möchte ich schon beisteuern. In Brasilien gab es Dom Helder Camara und weitere Priester, die den Mut hatten, gegen die diversen Juntas aufzubegehren. Die wurden allerdings vom Vatikan in keiner Weise unterstützt. Es ist wunderbar, eine Nachricht über die Bestrafung von Tätern zu hören. Ich hatte die Hoffnung auf eine solche Nachricht aufgegeben, besonders seit kürzlich in einem Begleitkommentar zum Thema "Verschwundene in Lateinamerika" ein amerikanischer Historiker die "wissenschaftliche Erkenntnis" äußerte, dass die Widerständler in Lateinamerika alle bewaffnete marxistische Kämpfer waren. Ich hab während des größten Zeitanteil der Juntas in Brasilien `66 bis `80 dort gelebt und gearbeitet. Die Leute, die dort in der Presse nach den schlimmsten Zeiten zu Wort kamen und unglaubliche Schilderungen über den Umgang der Militärs mit Andersdenkenden abgaben, waren mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit keine bewaffneten marxistischen Kämpfer. In BR hatte man sich allerdings auf die "anistia mútua" geeinigt. Da wird wohl kaum Jemand büßen.
Alle Diktaturen konnten sich auf die Kirche stützen.
Die Aussage ist in ihrer Absolutität falsch, sie trifft zumindest nicht auf kommunistische Diktaturen zu. Der Widerstand in der DDR wurde z.B. maßgeblich innerhalb der Kirchen gepflegt, die dafür Raum und Kontaktmöglichkeiten boten.
MfG
AKu
Leider gab es auch in der "DDR" nicht wenige Kirchenvertreter, die das Regime gestützt haben.
Am Rande: es ist für die vielen Opfer, die die verbrecherischen Diktaturen in Lateiamerika überlebt haben, bzw. für deren Nachkommen und denen noch heute keine Gerechtigkeit erfahren, kein Trost, zu wissen, dass es auch in anderen Ländern übelste Diktaturen gibt.
Im Artikel, der Ausgangspunkt für diese Forum ist, ging es um Argentinien, welches stellvertretend für Südamerika steht. Ich hatte eigentlich Meinungen zu diesem Problem erwartet und nicht das Aufwiegen mit Opern anderer Diktaturen.
Leider gab es auch in der "DDR" nicht wenige Kirchenvertreter, die das Regime gestützt haben.
Am Rande: es ist für die vielen Opfer, die die verbrecherischen Diktaturen in Lateiamerika überlebt haben, bzw. für deren Nachkommen und denen noch heute keine Gerechtigkeit erfahren, kein Trost, zu wissen, dass es auch in anderen Ländern übelste Diktaturen gibt.
Im Artikel, der Ausgangspunkt für diese Forum ist, ging es um Argentinien, welches stellvertretend für Südamerika steht. Ich hatte eigentlich Meinungen zu diesem Problem erwartet und nicht das Aufwiegen mit Opern anderer Diktaturen.
Leider gab es auch in der "DDR" nicht wenige Kirchenvertreter, die das Regime gestützt haben.
Am Rande: es ist für die vielen Opfer, die die verbrecherischen Diktaturen in Lateiamerika überlebt haben, bzw. für deren Nachkommen und denen noch heute keine Gerechtigkeit erfahren, kein Trost, zu wissen, dass es auch in anderen Ländern übelste Diktaturen gibt.
Im Artikel, der Ausgangspunkt für diese Forum ist, ging es um Argentinien, welches stellvertretend für Südamerika steht. Ich hatte eigentlich Meinungen zu diesem Problem erwartet und nicht das Aufwiegen mit Opern anderer Diktaturen.
...wie immer ist die folgende Kleinigkeit, gemäß 2002 deklassifizierten, internen CIA Dokumenten (Wikipedia, Orginalquelle: http://www.gwu.edu/~nsarc...):
"National Security Archive, the junta led by Jorge Rafael Videla believed it had US approval for its all-out assault on the left in the name of "national security doctrine". The US Embassy in Buenos Aires complained to Washington that the Argentine officers were "euphoric" over signals from high-ranking US officials, including Secretary of State Henry Kissinger."
US-Terrorismus ist in Deutschland nicht nur akzeptiert, sondern wird durch Mißachtung der Medien unterstützt. Henry Kissinger, ein US Top Terrorist, ist denn auch des Herausgebers bester Freund.
Und die Bundesregierung ist von der Washington Clique gesteuert. Die Washington Bande ist von Alliens geführt, die vom Alfa Zet 10045 kamen.
Ansonsten grüße ich bei dieser Gelegenheit meine liebe Muschi, meinen Vater und meine Mutter und auch mein Kanninchen Bommel :)
Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren