Comics

Gezeichnete Welten

Mahler: Die Zumutungen der Moderne © Reprodukt 2007 (128 Seiten, 14 Euro)

Auch Comic-Bände sind auf der Frankfurter Buchmesse vertreten. Jan-Frederik Bandel stellt sieben Neuerscheinungen vor Der Österreicher Nicolas Mahler gehört zu jenen Zeichnern, die eine in diesen Breitengraden wenig förderliche Begabung haben: Komik. So ausgeprägt, wie Mahlers Talent ist, verwundert es kaum, dass er hierzulande seit Jahren mit dem tristen Etikett des „Geheimtipps“ versehen bleibt. Auch nicht, dass er sich gern als einsam-missgelaunter Sitzer am Signiertisch darstellt. Überhaupt geht es in Mahlers neuem Comicband viel um Comicsalons, Literatur-Events, Interview-Termine und Ausstellungsmacherei. In seinem minimalen Stil und charmant überpointierter Sprache lässt er die ganze Betriebsamkeit als das erscheinen, was sie ist: ein Wahnwitz, den allenfalls goutieren kann, wer Absurditäten schätzt. Mahlers Alter ego, ein starr dastehendes Männlein mit großer Nase, Brille und sonst wenig, das es ohne sichtbaren Mund schafft, griesgrämig zu blicken, betrachtet die wechselnden Geschehnisse hinreichend gelassen: Ob sich die polnischen Trickfilmer in Produktionszeiten überbieten, der Autor Carlos Fuentes ins Stolpern gerät, sich dann aber leider doch zu einer vierstündigen Lesung aufrafft oder Ausstellungsstücke bei einem Salsa-Empfang zu Bruch gehen – er erträgt es stoisch, gelassen schlecht gelaunt. Bewundernswert.
Leser-Kommentare
  1. ...wenn er es schafft, sieben Comic-Neuerscheinungen vorzustellen, die allesamt aus dem gleichen Verlag stammen (Reprodukt/Carlsen). Ist Herrn Bandel bewusst, dass es noch andere Verlage gibt, die Comics veröffentlichen und dass neben dem franko-belgischen und Intellektuellencomic, den besagtes Verlagshaus bevorzugt, auch noch andere Genres existieren? Vielleicht ja, aber dann war wohl nach einem langen, anstrengenden Messetag der Carlsen-Stand mit netten Leuten und vielleicht auch einem Getränk und Häppchen die bequemere Alternative. Nachvollziehbar, aber trotzdem: schwach, Herr Bandel, äußerst schwach!

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