„Travel, you’re safe“, versichert die Bundesdruckerei auf Werbeplakaten für den sogenannten ePass an Flughäfen. Denn das biometrische Dokument, so das Versprechen, „schützt ihre Identität“. Seltsamerweise vertrauen Menschen, die es wissen müssen, nicht auf diese Aussage. BKA-Chef Jörg Ziercke beispielsweise trägt seinen Pass nur in einer Aluminiumhülle mit sich herum, damit seine Identität niemand auslesen kann.

Der biometrische Pass ist längst Realität und nicht mehr aufzuhalten. Ab 1. November muss jeder, der in ein visumspflichtiges Land reisen will und dafür einen Pass benötigt, zwei Fingerabdrücke hergeben. Sie werden in einem Chip gespeichert, der in dem roten Pappdeckel des Reisedokuments steckt. Einen Pass muss man nicht haben, jedoch bereitet die Bundesregierung bereits das nächste Projekt vor. Und das wäre dann nicht mehr freiwillig, sondern Pflicht für jeden Bürger: der biometrische Personalausweis.

Bald werden die Beratungen über einen Gesetzentwurf beginnen. Auf Arbeitsebene wird schon verhandelt, in den kommenden Wochen will sich die Regierungskoalition auf Eckpunkte verständigen. Ende 2009 soll der elektronische Personalausweis (ePA) kommen, samt digitaler und biometrietauglicher Version eines Fotos und den Abdrücken von rechtem und linkem Zeigefinger. Die Begründung: Mehr Sicherheit für den Bürger, bessere und schnellere Identifizierung, höherer Schutz vor Fälschungen.

„Der Gewinn an Sicherheit ist meines Erachtens gleich Null“, sagt Jörg Tauss, der medienpolitische Sprecher der SPD-Fraktion im Bundestag. „Das Problem von gefälschten Ausweisen existiert in Deutschland nicht.“

Das gesteht auch sein Parteifreund Dieter Wiefelspütz zu, Innenpolitikexperte der SPD, im Gegensatz zu Tauss jedoch erklärter Fan des Projekts. „Der Ausweis ist jetzt schon sehr fälschungssicher. Doch wir bekommen ein hoch entwickeltes, sehr gutes Dokument, das einen großen Nutzen beispielsweise im Bereich des Internet bietet.“ Problemlos könne sich dann jeder im Netz identifizieren, dort sicher Geschäfte machen oder online Behördengänge erledigen.

Das mag stimmen, räumt Tauss ein. Er jedoch hält es für fragwürdig, dazu die Fingerabdrücke der gesamten Bevölkerung zu erfassen.