Birma Menschen verschwinden
Sie feuerten die protestierenden Mönche an oder dokumentierten ihre Märsche - deshalb wurden in Birma offenbar tausende Menschen festgenommen. Was mit ihnen geschieht, ist nicht bekannt. Die Zahl der Toten soll weit höher liegen, als die Junta zugibt
"Das Militär ist jede Nacht unterwegs und nimmt immer mehr Leute fest", sagte die Geschäftsträgerin der US-Botschaft Shari Villarosa. "Ich gehe davon aus, dass tausende Menschen festgenommen worden sind." Ähnliche Zahlen nannten auch die Vereinten Nationen. Über den Verbleib dieser Menschen ist nichts bekannt. Das Rote Kreuz hat seit Monaten keinen Zugang mehr zu Birmas Gefängnissen, in denen es besonders brutal zugehen soll. Augenzeugen zufolge wurden zahlreiche Personen auf Lastwagen aus der Millionenstadt Rangun gebracht.
In der Nacht wurden in der Nähe der Shwedagon-Pagode zahlreiche Menschen festgenommen, berichteten Einwohner. "Ihr Verbrechen ist, dass sie geklatscht und die Mönche angefeuert haben", sagte ein Augenzeuge. Unklar blieb, wie viele Festnahmen genau es gegeben habe. "Aber keiner der Verkäufer, die sonst an der Shwedagon-Pagode stehen, ist heute zu sehen", sagte ein Anwohner. Verschwunden sind nach Angaben von Einwohnern auch Leute, die vergangene Woche Fotos machten und ins Ausland schickten.
Unter den Festgenommenen befindet sich auch eine Mitarbeiterin der Vereinten Nationen. Die 38-jährige Mynt Ngwe Mon sei zusammen mit ihrem Ehemann und ihrem Schwager verhaftet worden, sagte ein UN-Vertreter, der nicht genannt werden wollte, am Mittwoch. Zudem sei ihr Fahrer in Gewahrsam genommen worden. Eine Sprecherin des UN-Entwicklungsprogramms UNDP sagte, die Agentur sei besorgt. Weitere Angaben lehnte sie unter Bezug auf die heikle Situation ab.
UN-Generalsekretär Ban Ki Moon kündigte an, für die festgenommene Mitarbeiterin alles zu tun, was er könne. Die Vereinten Nationen haben bereits Einspruch erhoben und die Militärregierung darauf hingewiesen, dass die Festgenommene krank sei und Medikamente brauche.
Die Militärjunta des bitterarmen Landes hatte vor einer Woche mit der brutalen Unterdrückung der friedlichen Proteste begonnen. Die Sicherheitskräfte drangsalierten Mönche mit Tränengas und Schlagstöcken und schossen auf Demonstranten. Nach offiziellen Angaben kamen zehn Menschen ums Leben, Exil-Gruppen sprechen aber von bis zu 200 Toten.
Unterdessen hat der UN-Gesandte Ibrahim Gambari seine Vermittlungsgespräche mit dem Juntachef General Than Shwe und Oppositionsführerin Aung San Suu Kyi in Birma beendet. Vor seiner Abreise am Dienstagabend traf er erneut mit Suu Kyi in Rangun zusammen, schwieg aber über die Gespräche. Die US-Diplomatin Villarosa zeigte sich befremdet, dass Gambari die Diplomaten in Rangun nicht informierte. Das sei bei früheren Besuchen immer der Fall gewesen. "Es besteht natürlich größtes Interesse, und dass er uns nicht unterrichtet hat, ist beunruhigend."
Gambari traf bei einem Zwischenstopp in Singapur Ministerpräsident Lee Hsien Loong. Einzelheiten zu Gambaris Gesprächen wurden auch dort nicht bekannt. Lee zeigte sich nach einer Mitteilung des Außenministeriums anschließend "ermutigt über die Kooperation der birmanischen Regierung" und forderte Gambari auf, seine Anstrengungen fortzusetzen.
In der Hafenmetropole Rangun, die vergangene Woche Schauplatz von Demonstrationen zehntausender Mönche und Zivilisten war, blieb die Lage angespannt. Das Militär räumte einige Stacheldrahtbarrikaden fort. Durch die Straßen fuhren aber wieder Lautsprecherwagen, die die Menschen vor weiteren Protesten warnten.
Ein Major der birmanischen Armee hat den Schießbefehl auf Demonstranten nach eigenen Angaben verweigert und ist nach Thailand geflüchtet. Der 43-Jährige sprach am Mittwoch mit einer schwedischen Rundfunkstation und berichtete von seiner Flucht. Er habe gerüchteweise von 200 Toten bei den Protesten in mehreren birmanischen Städten gehört. Auch die US-Diplomatin Villarosa geht davon aus, dass die Zahl der Toten "sehr viel höher" liegt, als das Regime einräumt.
Die UN-Hochkommissarin für Menschenrechte, Louise Arbour, verlangte in Genf von der Junta vollständige Aufklärung der Ereignisse. Hilfsorganisationen müssten zu den Internierten gelassen werden, "vor allem im Licht der nächtlichen Razzien und Einschüchterungen".
Die Ehefrau von US-Präsident George W. Bush, Laura, forderte die birmanische Militärjunta auf, den Weg für einen friedlichen Übergang des Landes zur Demokratie freizumachen: "Die USA denken, dass es Zeit für General Than Shwe und die Junta ist, beiseite zu treten und den Weg für ein vereintes Birma zu bereiten, das von rechtmäßigen Führern regiert wird", erklärte sie in einer Stellungnahme an den Außenausschuss des US-Senats.
Bundeskanzlerin Angela Merkel appellierte an China, zur Entschärfung der Krise beizutragen. "Ich hoffe, dass China seinen Einfluss in Birma nutzt, damit die notwendigen Bedingungen für ein gewaltfreies Demonstrieren und eine demokratische Entwicklung entstehen können", sagte Merkel der ZEIT . China werde "ein zunehmend wichtiger Partner, wenn es darum geht, Beiträge zu Konfliktlösungen zu leisten".
- Datum 08.10.2007 - 12:40 Uhr
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- Quelle ZEIT online, reuters, tso
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Was geht Frau Merkel denn da wieder durch den Kopf? China soll seinen Einfluss auf Birma nutzen, damit sich das Land demokratisieren kann.
China und Birma sind "Friends in crime" - beide sozialistisch und weit entfernt von Demokratie. Auch von gewaltffreiem Demonstrieren hält man in Beijing wenig. An solchen hohlen Phrasen hoher Politiker zeigt sich das Interesse der Welt an einer politischen Veränderung in Birma/Burma/Myanmar: Null.
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